Heat

Heute blieb der indische Prinz hinter verdunkelten Fenstern in seinem Haus verborgen. Er war zwar heiße Wetterperioden gewöhnt, aber die in Europa machten ihm mehr zu schaffen als die in seiner alten Heimat. Er wusste nicht warum, denn dort war die Luftfeuchtigkeit viel höher, ein Umstand, der Hitze noch unerträglicher macht. In Mumbai sind es jetzt 28 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent. Er fühlte einen unangehmen Druck im Kopf, kein richtiger Schmerz aber ein Dröhnen, als würde der Kopf platzen wollen.
Zur Erholung betrat er seine klimatisierte Schatzkammer, nahm einen Seidenschal heraus, der in wunderbarem Olivgrün und Violett changierte je nach Betrachtung von Kette und Schuss des Gewebes. Er drapierte ihn zur Beruhigung der Augen. Davor stellte er einen Korallenbaum aus Pappmaché, den er in den Kisten eines Kulissenbauers gefunden hatte. Das ägyptische Parfümfläschchen steckte er in die Mitte des Bäumchens und legte einen besonders klaren Quarzdoppelender oben auf. Dann legte er vorsichtig seine echten Mittelmeerkorallen unten an den Theaterkorallenbaum, eine setzte er jedoch auf einen Zweig. Da saß sie wie ein kleines Wesen und winkte mit allen Armen. Das Ganze gefiel ihm gut und er widmete seine Erfindung der Hitze des heutigen Tages.

Pappmachékoralle und echte Koralle auf Seidenstoff, Fotografie RW, 18. Juli 2022 bei 38 Grad Celsius

Spurensuche

Am Rhein zu Kaiserswerth direkt unterhalb der Ruine der Kaiserpfalz kletterten wir über das mit großen Basaltblöcken gesicherte Ufer hinunter zum Wasser. Nach etwa zehn Metern rheinabwärts erweiterte sich die Uferböschung zu einem Kiesstrand. Hier wollten wir nach seltenen Steinen und Artefakten suchen. Die Rheingerölle direkt am oberen Hang waren sehr flach, graue Quarzite, perfekt zum Flitschen. Weiter unten war das Kiesbett viefältiger und bunter, auffällig aber war auf dem gesamten Ufer die schier unübersichtliche Zahl an Scherben, aus Glas, aus Porzellan und Keramik. Daneben fanden sich Ziegel- und Schieferbruchstücke, mit Rost bedeckte große Nägel und verblichene Knochen. Die Scherben drehten wir um, vielleicht bargen sie seltene Dekore oder noch lesbare Bodenmarken. Hatten die Bewohner des Städtchens hier ihren Schutt verkippt? Oder kamen die Artefakte direkt von der Pfalz?
Die Kaiserpfalz war Anfang des 18. Jahrhunderts geschleift worden, die Bewohner von Kaiserswerth benutzten die Ruine danach als Steinbruch. Noch heute kann man bei Niedrigwasser Trümmer des Baus aus Ziegel, Basalt und Trachyt im Rhein sehen. Um 1900 ist es dem Provinzialkonservator Prof. Paul Clemen gelungen, Ausgrabungen und Restaurierungsarbeiten an der Kaiserpfalz durchzuführen, um das historisch wichtige Bauwerk zu erforschen und zu erhalten. Seinen Bericht «Untersuchung und Ausgrabungen der Hohenstaufenpfalz in Kaiserswerth in den Jahren 1899 und 1900» habe ich in meiner Bibliothek (!) gefunden und gleich gelesen. Es gab eine Zisterne und Brunnen auf dem Pfalzgelände, daneben die Abfallgruben oder Latrinen, Fundgruben für Scherben und Bruchstücke von Gerätschaften der ehemaligen Bewohner. Paul Clemen schreibt, dass er zwei Brunnen des 18. Jahrhunderts nicht untersuchen ließ, die waren ihm schlicht zu jung. Es ist belegt, dass eine Latrine der Pfalz zum Rhein hinaus ging, dahinein ist sicher so manches schöne Stück entschwunden.
Jedes Artefakt, das ich am Rhein mitnahm, möchte ich erforschen und bestimmen können. Ich fand auf einem Scherben zum Beispiel eine Bodenmarke von Villeroy und Boch, V & B Goldene Denkmünze mit Krone, diese war um 1850 in Gebrauch! Meine Freundin, die ein gutes Auge hat, zeigte mir wie beiläufig ihren ersten Fund, eine Sensation in meinen Augen: es war ein Glasstopfen für ein enghalsiges Fläschchen, sehr alt, wie wir an den Luftblasen im Glas und der abgestossenen Oberfläche sehen konnten. Später fand sie noch ein Pfeifenfragment aus weißem Porzellan und sehr schön bemaltes Steinzeug. Zu meinen Funden zählten: ein Knochen, ziemlich schwer, das heißt, er ist wohl schon verkieselt – etliche graue Fragmente von Westerwälder Steinzeug mit blauer Bemalung – niederrheinische Irdenware mit grüner oder gelber Glasur, (vielleicht aus dem 18. JH.?), manche sogar mit wellenartiger Bemalung – Schieferplatten mit kreisrunden Löchern von Nägeln – zwei Bruchstücke einer niederländischen Fliese, die sich zusammenfügen ließen und man blaue Schiffsmasten und Segelspitzen erahnen konnte – dicke Standfüße von uralten Weingläsern – Bruchstücke aufwändig geschliffener, hässlicher Glasgefäße aus welcher Zeit auch immer. Pressglas war es nicht.
«À la recherche du temps perdu…»

Funde vom Rhein bei Kaiserswerth, Fotografie RW, 13. Juli 2022

Korrespondenzen XLI

Die Lichtstrahlen der Galaxien waren bis zu 13 Milliarden Jahre unterwegs bis sie auf das James Webb-Weltraumteleskop trafen. Eine Aufnahme des «Deep Field» wurde am 11. Juli als sein erstes Bild der Öffentlichkeit vorgestellt: Es zeigt den Galaxienhaufen SMACS 0723 im Sternbild Fliegender Fisch (Volans). Die Entfernung zur Erde beträgt etwa 4,6 Milliarden Lichtjahre.
Um 01.11 Uhr in der Nacht des 13. Juli beobachtete die steinalte Sophia vom Rheinbalkon aus den großen Vollmond, der sich hinter Wolkenfetzen verbarg. Der Mond ist von der Erde nur 384.400 km weit entfernt, das James Webb-Weltraumteleskop dagegen 1,5 Millionen km. Den Mond sehen wir immer mit einer Sekunde Verzögerung, das von ihm reflektierte Sonnenlicht braucht diese Sekunde, um in unser Auge zu gelangen. Wir schauen in die Vergangenheit, wenn wir die Sterne sehen. Ich sehe also altes Licht – sind die Galaxien nach Milliarden Lichtjahren Sendezeit zum Zeitpunkt ihres Auftreffens auf die Teleskope und unser Auge überhaupt noch existent? fragte sich die steinalte Sophia, wohl wissend, dass sie die Antwort nicht finden würde, stattdessen versuchte sie das nächtliche Licht am Nachthimmel mit dem Smartphone einzufangen. Auf dem Display erschienen ihr die Wolken wie planetarische Nebel und die weit entfernten Lichter der Stadt wie Raumschiffe, die bald auf den grell erleuchteten Rheinwiesen landen sollten.

Mondnacht am Rhein, Fotografie RW 13. 7. 2022,
«Webb’s First Deep Field» zeigt den Galaxienhaufen SMACS 0723, Filmstill aus den Nachrichten vom 12. Juli 2022

Kuss und Berührung

Heute am Tag des Kusses – wer legt eigentlich solche Zuschreibungen fest ? – fiel der steinalten Sophia ein, dass man ja nicht nur die Liebsten küssen konnte, sondern auch Gegenstände. Als heilig verehrte Objekte werden geküsst, so innig, dass sie sich im Laufe der Jahrhunderte in der Oberfläche verändern, gleichsam eine Kusspatina ausbilden. Der indische Prinz hatte ihr von einer kostbaren Kusstafel erzählt, die er im Kunsthandel erworben hatte – eine kunstvoll geschmückte Kreuzesdarstellung in Silber, der Kruzifixus aus Elfenbein, rund um versehen mit Edelsteinen, der rückseitige Holzgriff dagegen ganz schlicht. Besonders am Kopf des Gekreuzigten war das Elfenbein ganz flach und glänzend geworden. Solche Täfelchen wurden den Gläubigen in der heiligen Messe vom Priester vor der Kommunion zum Friedenskuss gereicht. Alles längst vergessene Rituale, dachte die steinalte Sophia, obwohl sie voller Andacht nicht geküsst, aber die Hand aufgelegt hatte im Ano Santo 1982. Der warme Stein der Mittelsäule der Puerta Santa in Santiago de Compostela bleibt ihr bis heute im Gedächtnis der Berührungen.

Der Kuss am Meer, Bergen aan Zee, digital manipulierte Fotografie RW 2022

TausendundeinFoto


Von einem Wiederholungstraum kann die steinalte Sophia berichten. Immer wieder hat sie darin eine Kamera in der Hand, mit der sie alles festhält, was sich um sie herum ereignet. Sie überlegt dann aber mehrfach – wieviele Fotos hab ich denn schon gemacht? Ist der Film nicht längst voll, hab ich durch immer neues Auslösen jetzt doppelt und dreifach belichtet, so dass frühere Aufnahmen nicht mehr erkennbar sind? Diese Überlegungen setzen ihr derart zu, dass sie mit einem unguten Gefühl aufwacht. Als ob mit dem Verlust früherer Fotografien ihre Vergangenheit ausgelöscht sei, ihre Erinnerungen beschnitten.
Ich will nicht mehr soviel fotografieren, sagte sich die steinalte Sophia heute Morgen. Auf ihrem Rheinspaziergang beobachtete sie Dutzende von Hummeln, die in den Lavendelbüschen der Vorgärten hin und her taumelten. Die hohe Luftfeuchtigkeit und die Kühle des Morgens schienen ihre Flugrouten zu behindern. Wie betrunken purzelten sie in den violetten Rispen herum, die den intensiven Duft des Südens verströmten.
Die Kamera des Smartphones kann ein Bild herstellen, das das menschliche Auge so nicht gesehen hat. Welche Zaubereien der Computer der Kamera im unscharfen Hintergrund des Bildes dazuerfindet, welche Vergrößerung er bei den fokussierten Motiven erreicht, ist erstaunlich. Das hab‘ ich alles so nicht gesehen, sagte die steinalte Sophia, auf das Display des Smartphones schauend, aber ich kann korrigieren, indem ich das Erlebte aufzuschreiben versuche.

Heute Morgen am Rhein, Fotografie RW 29. Juni 2022

15 mal 𝔄 am 23. Juni

Ich entdecke ein Bild, dass mich sofort in den Bann zieht. Es ist ein kleines Bild nur 14.7 x 12.4 cm groß, auf Eichenholz gemalt, von einem, der auch von der Goldschmiedekunst etwas verstehen muss, dem Petrus Christus.* Er malt die Maria vom dürren Baum, circa 1465. Die Muttergottes steht mit dem Jesuskind auf dem Arm auf der zentralen Astgabel eines Baumes, dessen Zweige, sich oben zu einem Rund verbindend, eine große Gloriole bilden. Das Jesuskind ist als Salvator gekennzeichnet durch die goldene Weltkugel mit dem darauf stehenden Kreuz, die es in Händen hält. In den Zweigen des kahlen Baumes hängen goldene Buchstaben, 15 𝔄’s in einer gotischen Schrift, als Buchstaben in Gold geschmiedet, sogar mit kleinen Ketten versehen als Aufhängevorrichtung. Ich habe mir gotische Schriften angeschaut, das kleine a der Schrift Textur kam mir am ähnlichsten vor, allerdings hier im Bild noch mit einigen kleinen Bögen versehen –  Ave, Ave, 15 mal Ave Maria.
Heute ist wieder der 23. des Monats. Acht goldene 𝔄’s mehr und es wären 23. Ich werde mir selbst 23 goldene Zeichen oder Ziffern formen und sie in ein von mir gebautes kahles Gezweig hängen. Die Mitte wird leer bleiben oder es kommt ein besonders kostbarer Stein hinein, am besten Bergkristall, ganz klar und rein. In 8, 15 und 23 sind Zahlen meines Lebens verborgen.
Dieses wunderbar anrührende Bild von Petrus Christus ist noch nicht gänzlich erforscht, erst 1919 wurde es von einer Kunsthistorikerin eben diesem zugeordnet. Und ob die 𝔄’s nun Ave Maria bedeuten, als Engelsgruß, das ist nicht belegt, vielleicht auch sind es die Initialen eines möglichen Stifters, aber 15 mal Ave macht eher Sinn im Hinblick auf den Rosenkranz – fünf mal zehn Ave Maria. Das Bild wurde wahrscheinlich als Andachtsbild für die Bruderschaft Unserer Lieben Frau vom dürren Baum gemalt und ich denke an das schöne Lied Maria durch ein Dornwald ging Kyrie eleison. (Was aber viel jünger ist…)

*Ich liebe ebenso das von mir in meine Gedächtnisschatzkammer aufgenommene Gemälde von Petrus Christus «Ein Goldschmied in seinem Geschäft, möglicherweise Sankt Eligius» von (Man hat dem Eligius den Heiligenschein wegrestauriert, wie ich auf aktuellen Abbildungen sehen kann.) Im Hintergrund der Werkstatt gibt es Korallen und Natternzungen, Diamanten und Karfunkelsteine und ein schönes Kästchen mit goldenen Fingerringen, besetzt mit Edelssteinen.

Mehr über das Bild «Maria vom dürren Baum» das sich in Madrid befindet, kann man man hier nachlesen: https://www.museothyssen.org/en/collection/artists/christus-petrus/virgin-dry-tree

Korrespondenzen XL


Am längsten Tag des Jahres und zu Sommeranfang sehe ich einen türkisfarbenen Gummifingerling, der hilft, Papier zu blättern und zu zählen. Er liegt unter einem großen Briefkasten an der warmen Mauer eines Atelierhauses der Stadt. Außerdem sehe ich mit dem Fernglas die vielen Badegäste am Rheinufer. Die Hochhäuser haben türkisfarbene Dachgeschosse, Himmel und Rhein sind blau, Gras und Bäume grün.

Zwei Fotografien RW zum 21. Juni 2021

Argus

Das Augenmotiv hatte die steinalte Sophia noch lange beschäftigt. Argusaugen – Pfauenaugen – soviel sie sich erinnern konnte, hatte Juno, die Frau des Jupiter, (oder wenn man möchte Hera, Frau des Zeus) den hundertäugigen Riesen Argus beauftragt, die in eine weiße Kuh verwandelte Geliebte ihres Mannes zu bewachen, dass es ja keinen Grund zur Eifersucht geben könne. Aber Zeus war schlau und schickte Hermes, der den Argus mit seinem Flötenspiel einschläferte und dem Wächter den Kopf abhieb. So konnte Zeus seine Geliebte Io als Stier besteigen und schwängern. Hera aber überließ die hundert Augen des Argus dem Gefieder des stolzen Pfaus.
Da klebte die steinalte Sophia neun der aus Magazinen ausgeschnittenen Augen vom bösen Blick auf die goldene Theaterkoralle und stellte sie umgekehrt auf ein Konglomeratgeröll aus dem Rhein, genannt Puddingstein und eine Citrinstufe vom Ofenpass in der Schweiz. Sehr zufrieden betrachtete sie ihr Werk und überlegte, ob sie aus den Worten Pudding, Ofen, Theater, Blick und Kuh eine neue Geschichte spinnen wollte. Aber dafür war es ihr heute zu heiß und sie blieb still hinter den Jalousien ihres kühlen Hauses.

«Goldene Augenkoralle», Draht, Pappmaché, Illustriertenausschnitte, Rheingeröll, Citrinquarz, Kombination/Sammlung RW, Fotografie RW, Juni 22

6000 Jahre Gold


Zu Hause betrachtete der indische Prinz seine aus Australien mitgebrachten Goldnuggets. Es waren historische Stücke aus einem alten Fund. Sogenanntes Seifengold, das aus Quarzgestein durch Verwitterung herausgelöst wird und sich zum Beispiel in den Ufersanden der Flüsse wiederfindet. Die hochgiftigen Methoden, mit Quecksilber oder Blausäureverbinungen aus zermahlenem Gestein Gold zu gewinnen, lehnte er ab. Seine Nuggets stammten aus dem Fund Welcome Stranger, der 1869 in Australien unter einer Baumwurzel entdeckt wurde. Das circa 70 kg schwere Riesenstück wurde zerschlagen und später durch die Bank von England eingeschmolzen. Über komplizierte Wege hatte der indische Prinz ein paar Stücke, die im Besitz der Nachfahren der Finder waren, erwerben können.
Jetzt sind in Uganda 31 Millionen Tonnen Golderzvorkommen entdeckt worden, aus denen man bis zu 320 000 Tonnen reines Gold fördern könne. Angeblich wurde schon ein chinesisches Unternehmen angesprochen, das in Busia im Osten des Landes eine Bergbaugesellschaft gründen soll. Täglich könnten bis zu 5000 Kilogramm Gold gefördert werden. Der indische Prinz wollte sich genau erkundigen, mit welchen Methoden das Gold gewonnen werden soll. Wenn ganze Gebirge zermahlen werden sollten, um dann in giftigen Schlamm verwandelt zu werden, der ganze Landstriche zerstören würde, wollte er an höchster Stelle intervenieren. Genau so kritisch betrachtete er 4000 bis 5000 Meter tiefe Schächte, die ebenso Demolierungen der Landschaft in gigantischem Ausmaß bedeuten würden. Seine eigene Gier nach Gold und Edelsteinen schob der indische Prinz in die hinterste Ecke seiner Überlegungen. Stattdessen ordnete er seine Nuggets mit einem Citrin und einem antiken Mauerbruchstück zu einem kleinen Nature Morte an.

Fünf vergoldete Nuggets aus gebranntem Ton, Citrin und Ziegelrest, Fotografie RW, Sammlung RW Juni 2022
Goldvorkommen in Uganda, Quelle Handelsblatt

Der böse Blick

Heute schnitt die steinalte Sophia viele Augen aus den Magazinen. Sie wollte einen Abwehrzauber gegen den bösen Blick anfertigen, indem sie die ausgeschnittenen Augen eng auf eine Pappe klebte. Diese wollte sie unter die Windschutzscheibe ihres Autos klemmen, denn gestern, als sie an der roten Ampel warten musste, hatte eine Frau sie unentwegt angestarrt. Dann dachte Sophia an die helige Lucia, die christliche Märterin von Siracusa. Diese soll ihre herausgeschnittenen Augen dem abgelehnten Bräutigam geschickt haben, weil sie ihr jungfräuliches Leben Gott widmen wollte. Daraufhin gab ihr die Jungfrau Maria noch schönere Augen. Auf alten Darstellungen präsentiert Lucia ihre Augen auf einer Schale, oft von goldenen Strahlen umgeben. Da tippte sich die steinalte Sophia mit dem Mittelfinger an die Stirn und schüttelte den Kopf: Weg mit dem alten Aberglauben und den Geschichten. Jetzt gehe ich in die Stadt und kaufe mir eine neue Sonnenbrille.

Ausschnitte am Arbeitsplatz, Fotografie RW 13. Juni 2022