La beauté de la fleur

Quelle beauté la nature a inventée ici ! La fleur s’appelle Astrantia. Je ne sais pas comment exprimer mon admiration pour cette grâce et cette beauté. Cette fleur a tellement de détails raffinés. Et caché dans la fleur, il y a un petit pou. Qui l’a vu ? J’ai ressenti le besoin d’écrire en français, car la fleur est aussi élégante que cette langue. J’ai trouvé un poème de 1729 sur cette belle fleur. Albrecht von Haller l’a observée dans les Alpes. Le poème ne sera évidemment pas traduit en français.

„Dort wirft ein glänzend Blatt, in Finger ausgekerbt,
auf einen hellen Bach den grünen Widerschein.
Der Blumen zarter Schnee, den matter Purpur färbt,
schließt ein gestreifter Stern in weißen Strahlen ein.“
Albrecht von Haller, 1729

Große Sterndolde im Garten meiner Schwester, Fotografie RW, 13. Juni 2024, mein Text wurde ins Französiche übersetzt mit KI-Assistent Deepl.

Bilder sehen und gehen

Am Meer wird der Himmel groß. So wie das Foto mit Weitwinkel und Farben übertreibt, kann es doch das Erlebnis der Wirklichkeit niemals erreichen. Aber es kommt dem nahe. Wie ich mich erinnere, war der Himmel weit und hoch, aber nicht ganz so ultramarin. Die Dünen schienen mir näher und viel höher, das Meer größer und wilder. Der Weg am Strand entlang von Bergen aan Zee bis Egmond aan Zee dauert etwa eine Stunde, bei Gegenwind etwas länger. Schritt für Schritt erobere ich mir die Strecke, die Dinge in der Ferne kommen nur ganz langsam näher. Meine Schrittlänge halte ich klein und gleichmäßig, so dass der Rhythmus stimmt. Mit dem Atmen und dem Herzschlag gehe ich konform.

Am Strand nahe Bergen aan Zee, Holland, Fotografie RW, Juni 24

Jeder winzige Kiesel

Beim Besuch des großartigen Anwesens mit prächtiger Villa und weitläufigem Park nahmen die Sohlen meiner Schuhe winzige Steinchen der Kieswege auf. Weiß waren sie allesamt. Und ich formulierte am Morgen des folgenden Tages den Satz – Jeder winzige Kiesel ist richtig an seinem Platz. Das war mir ein tröstlicher Spruch, den ich mir fortan merken werde als Wertschätzung einer jeden Sekunde meines Lebens.

Am Rheinufer gefundene Scherben aus Keramik, Glas und Porzellan auf Florentiner Papier, gekauft in München bei CARTA PURA. Fotografie RW, Mai 2024

Gefährliches Monster

Es gibt wohl Menschen, die in Träumen Dinge voraussehen, beziehungsweise zeitgleich zu Ereignissen von ähnlichen Dingen träumen. Ich erlebe oft Ereignisse, die sich mit anderen folgenden wunderbar zusammenfügen. Habe ich an jemanden gedacht, so finde ich in nächsten Momenten einen längst vergessenen Gegenstand dieser Person. Das Kurioseste aber ist, dass ich einen Traum hatte, der wie ein Beispieltraum für alles steht – vier Momente in einem Traum.
Da war das Finden und Aufsammeln großer wunderbarer Kristalle, hell und in zarten Farben, aus dem Erdreich an Böschungen und Abhängen.
Da waren die Begegnungen, das Feiern und Sich-Umarmen auf großen Festen, so dass ich im Traum zu einem Freund sagte, das ist ja wie früher.
Da war ein indisches Kind in Landestracht, dem ich sagte, ich bin doch auch ein Kind, um ihm die Angst vor der fremden Person zu nehmen und ein lustiges Gespräch mit ihm führen zu können.
Aber dann war plötzlich auch ein Blick aus dem Fenster. Wir hörten die Tiere rufen, es sagte jemand, die Tiere schreien schon, bevor die Katastrophe beginnt und ich sah draußen im dunklen Sturm die Berge wanken.
Dann bin ich aufgewacht.

Neozoen, große Schildkröte am Niederrhein, Fotografie RW 20. Mai 24

Die Reise

Von hier aus sieht man die 23 Zumba-Tänzer kaum, die auf dem anderen Mainufer hin und her springen. Es regnet nicht mehr. Das Städel wirbt mit seinem neuen Roof-Top. Wir gehen den Weg zum Bahnhof zu Fuß und da wir noch Zeit haben am Ufer des Mains entlang. Wir sehen eine große alte Rotbuche, Kastanien mit verblühten Fruchtständen, eine amerikanische Eiche mit schönen Fingerblättern, so frisch und so leicht. Sie kann dem ungewöhnlich großen Gingko-Baumpaar mit den Herzhandblättern Konkurrenz machen. Dazwischen ehrwürdige Nadelbäume aus dem nahen Osten, die sich ihre graugrünen Triebe auf die Zweigenden gestickt haben. Ein so schöner Ufergarten – dem etwas in die Jahre gekommenen Hochhaushotel ist das alles gleich – es blickt gelassen über den die Mainufer verbindenden Holbeinsteg, der im Vergleich zu ihm etwa dreißig Jahre jünger ist.

Unter dem Holbeinsteg in Frankfurt, Fotografie RW, 18. Mai 2024

Das Konzert

Die acht Sängerinnen und Sänger von VOCES8 sangen Orlando Gibbons (1583-1625), Thomas Tallis (1505-1585), Avo Pärt (*1935), John Sheppard (1515-1558), Gustav Holst (1884-1934), Charles Villiers Stanford (1852-1924), Arthur Sullivan (1842-1900), Sergei Rachmaninoff ( 1873-1943), Jake Runestad (*1986), Ola Gjeilo (*1978), Gregorio Allegri (1582-1652).
– Miserere Mei, Deus – Ubi Caritas – O Nata Lux – Libera Nos – The Deer‘s Cry – Te Lucis Ante Terminum – Drop, Drop, Slow Tears – Nunc Dimittis – The Long Day Closes …

Applaus für VOCES8. Nach dem Konzert im Frankfurter Kaiserdom, Fotografie RW 17. März 2024

Aufpassen

Wir wollen schön aufpassen. Hochstand, Hocken, Parallelsitz. Unsere Augen sehen die rechte Seite und die linke Seite, aber niemals frontal. Wir wissen nicht, was noch kommen wird, wir wissen nicht was war. Ein Zeitraum von zehn Jahren erscheint uns unwahrscheinlich. Aber wir sind viele, daher fürchten wir uns nicht.

Kaninchen am Rhein, Fotografie RW, Mai 2024

Meditation


Das Betrachten von Gold und Edelsteinen schien ihm ein willkommener Ausflug in ein märchenhaftes Land der Sorglosigkeit. Der indische Prinz stand lange vor den Auslagen eines Antiquitätenhändlers in der Heimatstadt der steinalten Sophia. Lange schon hatte er sie nicht mehr besucht. Nun wollte er ihr zum Wiedersehen zu Pfingsten ein Geschenk mitbringen, ein Wiedersehen nach fast fünf Jahren. Er betrat den kleinen Laden und ließ sich einige Schmuckstücke zeigen. Beim Betrachten der edlen Metalle und kostbaren Steine verfiel er in eine Art Trance und begann in seinem Kopf einige Zahlenreihen aufzustellen. Ich besitze siebenundzwanzig Ringe mit dreihundertfünfundsiebzig Diamanten in verschiedenen Größen, neun Ringe mit achtundneunzig Rubinen (davon einer synthetisch), drei Ringe mit dreiundzwanzig Saphiren, vier Ringe mit zwölf Smaragden, zwei Ringe mit jeweils einem Aquamarin, einen Ring mit einem Opal, zwei Ringe mit jeweils einem Topas, einen Ring mit einem Granat, einen Ring mit Carneol, einen Ring mit einem Morganit, zwei Ringe mit Amethysten, zwei Ringe mit Rauchquarz, zwei Ringe mit jeweils einem Turmalin (einer davon wahrscheinlich synthetisch). Von diesen Ringen sind siebzehn Ringe aus Gelb- und Rotgold, vierzehn Ringe aus Weißgold, vier Ringe aus Platin, neun Ringe aus Silber und zwei aus Edelstahl. So rechnend überlegte der indische Prinz, der steinalten Sophia einen antiken Ring zu kaufen – aus Platin, besetzt mit einem blauen Saphir von etwa drei Karat, flankiert von zwei Diamanten im Altschliff, jeweils Halbkaräter. Diesen hatte er schon im Internet bei dem Goldhändler gesehen und nahm sich vor, ihn ordentlich herunterzuhandeln.

Schaufenster-Auslage mit Ringen, invertierte Fotografie RW, 13. Mai 2024

Storchenschnabelperspektive

Aus der Storchenschnabelperspektive in die Bresche springen,
im Überschall einen Kopfstand bewahren,
das Nocturnelied singen,
im kühlen Grund zur Neige gehen,
aus dem Lot geboren werden,
Bauchatmung und Hirnschwelle üben.

Abriss eines Bürogebäudes, Hoeherweg Düsseldorf, bearbeitete Fotografie RW, 10. Mai 2024, Worterinnerungen aus der Nacht zum 11. Mai 2024

Die Ankunft der Mauersegler

In Berlin gibt es zur Zeit eine Ausstellung mit dem Titel Ankunft der Mauersegler. Jochen Lempert heißt der Künstler. Beim Gallery Weekend Berlin zeigen Jörn Bötnagel and Yvonne Quirmbach, kurz BQ, seine ausgesprochen geheimnisvollen Fotografien. Seine Motive sind aus Flora und Fauna entnommen, oft haben die Tiere oder Pflanzen auf lichtempfindlichen Medien selbst eine Spur hinterlassen. Der studierte Biologe und Künstler arbeitet mit analogen Fototechniken. Das schwarzweiße Titelfoto der Ausstellung zeigt einen einzelnen Vogel im Flug vor grauem Himmel, ein sehr gekörnter Abzug, wie durch Nebel, der Vogel ein Schatten.
Ankunft der Mauersegler – für mich ein Berührungs-Poem.
Als wir am 1. Mai am späten Nachmittag aus München zurückkamen, setzten wir uns ans Rheinfenster, um die Zeitungen der letzten drei Tage zu lesen – und nur für einen kurzen Augenaufschlag sah ich den ersten Mauersegler. Dann kam der heftige Regen, lang anhaltendes Wetterleuchten, horizontale Blitze in schweren grauen Wolken. Das Unwetter dauerte fast zwei Tage. Immer wieder waren meine Gedanken bei den Heimkehrern aus Afrika. Hatten sie genug Insekten gefunden, um sich, von der langen Flugreise entkräftet, zu erholen? Ich wußte, dass ihre Jungen in eine Art Hungerstarre verfallen können, um magere Tage in Abwesenheit der Eltern zu überstehen. Aber soweit waren die Vögel noch nicht – und heute Morgen sausten schon vier oder fünf Tiere am Fenster vorbei. Nur am Abend  – jetzt – seh ich keinen Vogel mehr. Aber wie zum Beweis, dass die Luft gefüllt ist mit Insekten, setzt sich ein Mückentier auf die Scheibe der Balkontür.

Schnittversuche mit bunten Papieren aus Verona, gekauft in München bei CARTA PURA, invertierte Fotografie RW, 4. Mai 2024