Fußballprofi mit Christusfimmel. Platzverweis für Jesus! titelt die tageszeitung zur Geste des Fußballers Nmecha. Das Wort Fimmel gepaart mit dem Wort Christus gefällt mir nicht. Der Fußballer legt eine imaginäre Krone auf den Rasen. In Verehrung Jesu Christi. Hier abgebildet auf einem Foto, das ich gestern in der Rheinischen Post fand. Felix Nmecha ist Christ und zeigt seinen Glauben offen auf dem Fußballfeld. Mitglied der Ballers in God soll er sein. Nach dem 7 zu 1 Sieg gegen Curacao haben er, Spieler der deutschen Mannschaft und Fußballer des Gegner-Teams in einer Runde gemeinsam gebetet.
Allerdings hat Nmecha wohl auch homophobe und transphobe Inhalte in den social media geteilt. Daher die Verurteilung der TAZ.
Mir gefiel das Foto zunächst allein wegen der Trikotnummer 23. Ich rechne die Quersumme der vier zusätzlichen Rückennummern auf dem Foto zusammen: 41, davon die Quersumme ist 5.
Nein, ich will anders rechnen: 7 + 5 +1 + 9 + 1 + 0 = 23, davon die Quersummer ist 5.
Wieder ein sehr schöner Fund für meine 23 Sammlung.
Da freue ich mich und von mir aus darf Nmecha noch viele Kronen auf dem Rasen absetzen.
Aufstellung
Heute kommt der Mops aus Goethes Märchen zu besonderen Ehren. Er erscheint als meine Arbeit und wird zwischen unfertigen Objekten mit zerbrochenem Porzellan und Pappmaché-Erfindungen aufgestellt. Der Mops ist noch nicht gebrannt und nicht glasiert. Er steckt jetzt auf einer Vase, die mit Pappmaché überzogen wurde
Meine Arbeit ist noch nicht fertig. Leider gibt es Wartezeiten, die mag ich nicht aushalten. Die Übersicht kann zwischenzeitlich verloren gehen, weil die Dinge sich vermehren. Allerdings sind die Stunden zwischen dem eigentlichen Machen öde, dehnen sich und werden mit Ablenkungsmanövern gefüllt. Dann gehe ich beim vermeintlichen Teilnehmen an Ereignissen verloren, die in der ganzen Welt zu passieren scheinen.
Überreaktion durch zu viele Eindrücke im Hirn: Es fallen mir krude Ideen ein, genährt durch Alice im Wunderland, den Disneyfilm von 1951, den ich gestern Nacht sah: Der Mops ist bei der steinalten Sophia zum Tee eingeladen. Außerdem sind anwesend: drei krumpelige Möchtegerns, zwei verrottete Angeber, ein verwirrter Bauchredner und zwei sehr müde Wanderer.
Haha, Haha – alles Hirngespinste, spontane Dummfälle, einfach aus dem Kopf gesprungen.
Sophie und Noah sind die beliebtesten Namen für Neugeborene, lese ich.
Haha, Haha, Sophia, die alte Weisheit und Noah mit allen Tierpaaren in der Arche. Als größte zwei Titanosaurier und als kleinste zwei reitende Urzwerge (Nanoarchaeum equitans). Haha, Haha.
Aufstellung unfertiger Arbeiten, invertierte Fotografie RW, Sammlung RW, 10. Juni 2026
Johann Kunckel von Löwenstern und das Goldrubinglas
Der indische Prinz ist verliebt. Und zwar in einen Nachfahren des Alchemisten und Glasmachers Johann Kunckel. »Die Wahrheit ist mein Ziel, die guten Künst‘ mein Spiel.« ist dessen Wahlspruch, er ist Verfasser der Schriften zur Glasmacherkunst »Ars Vitraria Experimentalis« von 1679 und Entwickler eines verbesserten Goldrubinglases. Der Nachfahre heißt allerdings Jan Kunkeln, aber immerhin, der Name seines berühmten Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert ist noch zu erkennen. Jan Kunkeln ist Künstler, kein Bildhauer im üblichen Sinne, sondern ein Rätselsteller. Er baut aus Glas, Porzellan und Steinzeug Figuren, die gut in ein Kabinett seltener und kostbarer Dinge passen. Mal ähneln sie Naturdingen, mal technischen Objekten. Seine letzte Arbeit ist eine Kuppa aus Goldrubinglas, auf einem kupfernen Sockel angebracht, der einem Wurzelstück ähnlich sieht. Aus der Kuppa ragen metallene Bögen hervor, diesmal aber aus glänzendem Messing, die wiederum in Glasaugen enden. Der indische Prinz kritisiert das Objekt, es sei zu nah am Kitsch der Wunderkammerdekoration, die man heute, besonders in den Niederlanden, in zahlreichen Style-und-Living-Deco-Stores findet. Wütend und verunsichert schlägt Jan Kunkeln das Objekt im Beisein des Prinzen mit einem Krummhorn entzwei. Das Krummhorn bricht, die Glasaugen splittern. Der indische Prinz ist entsetzt, aber nicht über die zerstörten Dinge, sondern über die Reaktion seines Freundes. Jetzt kannst du das schöne alte Krummhorn nicht mehr spielen, sehr schade, unwiederbringlich zerstört. Wortlos verlässt Jan Kunkeln den Raum, sein Haus und die Straße. Am Rhein versucht er sich zu beruhigen. Als er wiederzurückkehrt, ist der indische Prinz nicht mehr da. Nach drei Tagen bekommt der Künstler ein kleines Paket. Darin findet er ein Briefchen vom indischen Prinz und einen Silberring mit den Initialen JK. An der Schiene hat der Jugendstil-Ring auf beiden Seiten eine plastische Verzierung in Form von Ginkgo-Blättern und -Früchten, ist signiert mit dem Juwelierszeichen von Gustav Hauber. Jan Kunkeln freut sich nur bedingt über den Ring, er trägt keinen Schmuck, ihn stört das bei der Arbeit. Nach einer Weile kehrt er zu seinem Arbeitstisch zurück und steckt die am Rhein gefundenen Holzstücke in die Rubinglas-Kuppa, schneidet aus einer Illustrierten viele Augen aus, die er auf die Äste klebt. Jetzt ist er zufrieden und will bald dem indischen Prinzen die neue Version seiner Arbeit zeigen. Den Ring schenkt er seiner Freundin Klara Jenner, auf dass sie ewig an ihn denke.
Jugendstilring von Gustav Hauber auf Rhodonit, Fotografie RW, Sammlung RW, 29. Mai 2026
23 und 24
Inzwischen ist bekannt, dass ich die Zahl 23 besonders beachte und sammele. Kürzlich dachte ich zurück an die 90er Jahre, als ich, um meine Sammlung der Zahl 23 zu erweitern, an alle an einem 23. Geborene standardisierte Briefe verschickte. Diese Briefe enthielten unter anderem eine Gratulation, dass man jetzt in den Kreis der Betroffenen aufgenommen worden sei.
Auch an meine Künstler-Freundin Claudia hatte ich den Brief geschrieben. Diese ist am 23. Januar 1961 geboren worden und – am 28. Juli 2023 leider schon verstorben. Ich erinnere mich noch so gut an die vielen wunderbaren Feste zu ihrem Geburtstag in dem großen, gastfreundlichen Haus. Dort traf man zahlreiche Freunde aus Künstlerkreisen und wunderte sich, dass auch der berühmte X oder die einflussreiche Y anwesend waren und war froh, ebenfalls zu den Eingeladenen zu gehören.
Heute, am 23. Mai will ich ihrer besonders gedenken. Die 23 ist in ihren Lebensdaten schon zweimal vorhanden. Ich errechne die Quersumme ihres Geburtsdatums – heraus kommt die 23. Dann errechne ich die Quersumme ihres Sterbedatums – heraus kommt die 24. So bin ich mit Claudia besonders verbunden, da ich in meinem Traum die 24 finden sollte, stattdessen aber eine 23 fand.
Mein Traum von 1986 wird in diesem Blog des Öfteren erwähnt und auf meiner Website findet man ihn wortwörtlich. Bald wollen wir im Künstlerverein Malkasten in einem Gespräch ganz besonders an die Künstlerin Claudia van Koolwijk denken.
Anfang der 2000er Jahre fotografierte sie mich vor violettem Samt. Dazu musste ich, wie auch andere Frauen, die sie alleine oder in Gruppen fotografieren wollte, meinen Kopf durch den Schlitz eines großen Samttuches stecken.
«Ruth Weber, Kopf auf lila Samt», Fotografie Claudia van Koolwijk, Anfang 2000er Jahre, Ausschnitt RW, 23. Mai 2026
AKTUELL IM MALKASTENFORUM Künstlerverein Malkasten Düsseldorf
reMember. Claudia van Koolwijk / Stefan Demary
und Adolph Schroedter (1805-1875) aus dem Malkasten-Archiv
10. Mai – 8. September 2026
Die kalte Sophie
Die steinalte Sophia mag die Eisheiligen nicht. Auch nicht ihre Namensvetterin, die kalte Sophie. Sie überlegt und spricht zu sich: Dass ich so erkältet bin, hab ich ihr zu verdanken. Mir geht es nicht gut. Bin ein wenig verwirrt. Vielleicht weil ich zu viel schlafe. Und da kommt mir das Märchen vom eiskalten Herz in den Sinn. Es wäre wunderbar, zum Glasmännlein, auch Schatzhauser genannt, zu gehen, um mir Kraft und Klarheit zu wünschen. Der Schatzhauser wird mir helfen und er soll mir ein so schönes altes Kristallherz mit lauter funkelnden Steinen schenken, das ich so sehr lieben werde, dass all seine heilende Kraft auf mich übergehen wird und ich es als Medizin etwa jeden Sonntag um Mittag anschauen und anfassen möchte und so seine Kräfte auf mich übertragen werden und ich einen geheimen Quell der Lebensfreude habe, den ich sorgfältig hüten werde und auch sicher Gutes tun werde, um diesen Quell gerecht und wirklich zu verdienen.
Sogleich geht es der steinalten Sophia besser. Sie nimmt ihre Schmuckschatulle hervor und betrachtet das schöne Bergkristallherz mit den Diamanten, das schon seit dem 19. Jahrhundert in ihrer Familie immer weitergegeben wird, bis sie es zu ihrem 23. Geburtstag von ihrer Großmutter bekommt. Ihre Ururgroßmutter hat es einst von einem englischen Verehrer zum Namenstag bekommen. Bis heute kann man die Liebe direkt spüren, die es aussendet. Zwei Herzen dicht aneinandergeschmiegt, eine flatternde Schleife hält alles zusammen.
Bergkristallherz mit Diamanten auf glasierter Keramik und Silberkette, Sammlung RW, Fotografie RW, am Tag der kalten Sophie, 15. Mai 2026
Das Kalte Herz, Märchen von Wilhelm Hauff, 1827
Zwei Diamantherzen
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Der indische Prinz sah Anfang des Jahres in der Zeitung ein Foto mit Konrad Adenauer und einer älteren Dame, die an einer langen Kette ein Diamantherz trägt. Es ist Amélie Thyssen, die Witwe von Fritz Thyssen. Das Foto wurde 1960 aufgenommen, als sie als erste Frau das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband von dem damaligen Bundeskanzler verliehen bekam. 1959 hatten Amélie und ihre Tochter die Fritz Thyssen Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung mit Aktien im Nominalwert von nahezu 100 Mio. DM gegründet. Ihr Privatvermögen floss in die Stiftung mit ein. Adenauer war ein Freund der Familie und würdigte sie mit der Verleihung des Ordens an Amélie. Heute sitzt die Stiftung in Köln im ehemaligen Amerika-Haus. Die Stiftung hat in zahlreichen Projekten wichtige archäologische Grabungen unterstützt. Jetzt, wo der indische Prinz fürchtet, dass das traditionsreiche Institut für Archäologie der Humboldt-Universität in Berlin aus Sparmaßnahmen umorganisiert würde oder sogar schließen könnte, hofft er auf voraussehende, großzügige Unterstützer und Förderer der Archäologie als eine der grundlegendsten Wissenschaften.
Sein diamantenes Herz, das der indische Prinz erst seit heute besitzt, ist aus England – etwa um 1880 entstanden, aus Bergkristall geschnitten und mit zwei großen, in Gold gefassten Diamantrosen besetzt, beide in Herzform, mit einer Schleife bekrönt. Heute am frühen Morgen hat er das Liebesstück als Lotnummer 5 bei einer Auktion erstanden und will es auf einer Reise nach Berlin zu Ehren der Amélie Thyssen (1877–1965), tragen, um sich dort im Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie einzuschreiben, solange dieses noch existiert. Dort wird er die Antikenbegeisterung Goethes kritisch bearbeiten und ein paar Gipse abzeichnen.
Adenauer und Amélie Thyssen, Ausschnitt einer Fotografie in der FAZ Februar 2026, Fotografie RW, 2026, Diamantherz, Sammlung RW, 7. 5. 2026
Treue und Zuversicht als Vademecum
Die Rosen blühen schon üppig und es ist Ende April. Die im letzten Winter geschnittenen Platanen sprießen wieder. Gestern wäre unsere Tante 100 geworden. Die Sonne scheint ununterbrochen und es soll noch Tage so bleiben. Der Rhein fällt.
Ich arbeite an neuen Köpfen, diesmal sollen sie kindskopfgroß werden. Es werden ein Vogel-, ein Hunde-, ein Affen- und ein Menschenkopf. Es benötigt Muskelkraft, um den Ton zu formen, das große Werkstück in Händen zu halten. Ich gehe bis über das Handgelenk in die hohle Figur, um innen zu versäubern. Sie biegt und verbiegt sich im feuchten Zustand. Im lederharten Zustand ist sie schon ordentlich stabil. Ich kann aber noch Änderungen vornehmen.
Ich schaue aus dem Rheinfenster in den schönen Abend. Da sehe ich die zwei ersten Mauersegler nahe am Haus durch die Luft jagen. Sie heißen Treue und Zuversicht.
Platane am Rhein, Fotografie RW 26. April 2026
Der Winterring
Der indische Prinz wünscht sich seit langem alles, was man celestial jewelry nennt, als da wären Sternenhimmelringe, Sichelmondbroschen, Diamantsterne und Kometenbroschen. Nun hat er endlich einen Bague au Firmament im Nachverkauf eines Versteigerungshauses gefunden. Der indische Prinz läßt sich einige unverkaufte Ringe zeigen, die allesamt aus dem Besitz eines Juweliers vom Niederrhein stammen, der selbst historische Ringe sammelt. Alle drei Ringe sind mit schöner königsblauer Emaille überzogen und in oblonger Form, teils als ein reines Oval, teils an den Enden zugespitzt, ausgeführt. Alle haben Diamant- oder Perlbesatz. Der mit der strahlendsten Emaille hat sogar noch ein kleines Sichtfenster mit Haareinlage und eine Gravur auf der goldenen Rückseite. Der indische Prinz entscheidet sich für den teuersten mit 25 Diamanten im Altschliff oder Rosenschliff. Der Ring ist für ihn ein typischer Sternenhimmelring – funkelnde Diamantensterne auf blauem Himmelsgrund. Oben in Silber gefasst, unten mit Gold verbödet und mit schönen Ringschultern versehen, die eine etwas abgetragene, aber aufwendige Verzierung aufweisen, zeugt der Ring von hohem Alter. Ein winziger Diamant fehlt in der Entourage, was aber nicht auffällt. Als der indische Prinz den Preis noch zu hoch findet, schlägt die Dame des Auktionshauses vor, man könne ja den Besitzer kontaktieren, ob er noch heruntergehen könne, da der Ring ja nicht verkauft worden wäre. Dem indischen Prinz ist das zu umständlich, er will ihn möglichst gleich kaufen und sofort tragen. Der Ring hat eine kleine Größe, gerade passt er ihm am kleinen Finger. Er will sich noch überlegen, ihn etwas weiten zu lassen, was bei der empfindlichen Emaille aber nicht ganz risikolos sein könnte. Nun – er kauft den Ring. Zu Hause unter der Lupe entdeckt er etwas Schmutz unter dem großen Diamanten in der Mitte. Er nimmt einen befeuchteten Wattebausch und drückt ihn fest in die Öffnung unter dem Diamanten, ein- und auch zweimal. Plötzlich springt der große Diamant vorne aus der Öffnung heraus und ist verschwunden. Ruhig bleiben, sagt sich der indische Prinz, ich werde dich wiederfinden. Auf dem alten Parkettboden sieht er ihn nicht, die Spalten zwischen den Holzscheibchen sind so groß, dass er dort hineingekullert sein könnte. Er holt sich eine Taschenlampe, in deren Schein ein Funkeln den Stein verraten möge. Er rückt Stühle und Tische, er sieht Spinnweben und Staub, eine lang verloren gegangene Perle rollt ihm entgegen. Dann unter dem Heizkörper blitzt es hervor. Er bringt den Altschliffdiamant mitsamt dem Ring zur Reparatur und erhält ihn nach wenigen Tagen zurück und ist glücklich. Allerdings kann er ihn nur tragen, wenn seine Hände kühl und schlank sind, also nennt er seinen Bague au Firmament Winterring. Und freut sich, in den nächsten Tagen bei einem Antiquitätenhändler eine Sichelmondbrosche mit über drei Karat Diamanten anschauen zu dürfen.
»New Teeth« Objekt mit historischem Bague au Firmament, chinesischer Cloisonné-Vase und Polymerclay-Kopf, Sammlung RW, Fotografie RW, im April 2026
Altenhundem
Das kommt mir fremd vor, mit welchen Worten meine Mutter im Sommer 1941 aus dem Sauerland an ihre Familie in Düsseldorf schreibt. Sie ist gerade 19 Jahre alt und wohl zur Sommerfrische in Altenhundem. Die Postkarte ist am 17. 7. 1941 abgestempelt. Der Blick auf der Karte geht wohl in Richtung Langenei, unten die Lenne, die später in Altenhundem auf die Hundem trifft. Der zweite Weltkrieg hat schon begonnen, mein Großvater, der Vater meiner Mutter, muss, nachdem er im ersten Weltkrieg bei der preußischen Garde gedient hat, ein zweites Mal in den Krieg. Mein Vater kommt, in Russland schwer verwundet, im Winter 1942 schon wieder nach Deutschland zurück. Er kennt die Familie seiner späteren Frau zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Meine Mutter schreibt also nach Düsseldorf: Ihr Lieben! Leider hat der schöne Sonnenschein der vorigen Woche einem Regen Platz gemacht, der fast für einen Landregen zu halten ist. Aber dennoch streife ich durch Felder und Wälder… Ich stelle mir eine junge Frau vor, die sehr freien Raum für sich beansprucht, den sie im späteren Leben für meinen Vater, mich und meine fünf Geschwister wohl aufgegeben hat.
Ich freue mich sehr, dass wir in der Familie die alten Zeugnisse der Vergangenheit nicht direkt nach dem Verkauf des Elternhauses weggeworfen haben und so nach Jahren neue Seiten und Geheimnisse der Familie kennenlernen dürfen. Die Geschichten unserer Vorfahren prägen uns durch das Verborgene, dieser Ahnung nachzuspüren, ist ein Schatz.
Postkarte von 1941 aus Altenhundem, bzw. Langenei, Archiv RW, 12. April 2026
Looking at something, longing for something
Ich fand eine Opalnuss in meiner Sammlung, die genau zu meiner, Santuzza genannten, neuen Arbeit passt. Ich werde sie noch auf ihrem Kopf anbringen. Die Opalnuss stamm aus Äthiopien. Ich habe sie 2008 in Sainte Marie aux Mines im Elsass gekauft. Sie wiegt 58 gr. und kostete 40 €. Sie opalisiert in grünem Flackern an den dunkelbraunroten Flecken. Die Figur Santuzza habe ich mit einer historischen Papiertapete verkleidet, die Birkenholz imitiert. Dann habe ich Augen aus Illustrierten ausgeschnitten und sie einerseits wie Uniformknöpfe und andererseits wie die Augenreihe eines Siebenaugen-Tiers angebracht. Die Hände mit den Metallperlen, die ich in die Ohren klebte, habe ich wieder entfernt. So wie auf der Fotografie von heute Vormittag gibt es die Figur jetzt am Nachmittag nicht mehr. Ich habe fast alle Arbeitsschritte fotografiert. Die Figur hatte anfangs keine Ohren, dafür aber goldene Strahlen, vom Kopf ausgehend wie die heiligen Strahlen bei Moses. Dann bekam sie die Ohren, angeregt durch meine Keramikköpfe, ich dachte dabei an ein Tierchen. Die Santuzza gehört nach Palermo. Dort ist sie eine verehrte Heilige des 12. Jahrhunderts, die im 17. Jahrhundert posthum bei der grassierenden Pest half.
Wie passen die Augen, die Birke, die Opalnuss und die Santuzza zusammen? Und wenn ihr wüsstet, was sich im Inneren der Pappmaché-Hülle verbirgt, dann würdet ihr euch erst recht wundern. Eine grob geschnitzte Holzvase und zwei Hälften von Kokosnüssen habe ich montiert und dann mit Pappmaché beklebt. Die Vase stammt aus dem Nachlass eines alten einsamen Mannes, der zum Ende seines Lebens den Überblick über seine Habe verloren hatte. Die polierten Kokosnüsse aus China gab es als Schalen in einem Billig-Kaufhaus. An einem disparaten Zusammenspiel habe ich meine Freude, bis es passt. Das dauert noch an.










