DEO FAVENTE und ZEUS trafen sich gestern auf Kilometer 742. Heute kam MATRIX flussabwärts. Viel Futter für die Schiffsnamenpoesie. Ich komme gar nicht mehr nach, kann nicht immer zum Fenster eilen, um das Fernglas zu zücken, die Namen zu lesen und damit zu arbeiten. Es reicht, der Schiffe sind zu viele. Ich sollte viel mehr hinaus an die frische Luft, um am Ufer des Rheins auf Schatzsuche zu gehen. Vorher will ich von einem wiederkehrenden Traum erzählen: Dem Auffinden von besonders schönen klaren Kristallen im Erdreich. Ich grabe dann bewußt unauffällig, damit keiner der im Traum anwesenden Personen etwas von meinen kostbaren Entdeckungen bemerkt. Oft sind es rutschende, lehmige Böschungen in freier Natur, auf denen ich glänzende Flächen von farbigen Turmalinen oder einfachen Quarzen bemerke. Oder auch auf Baustellen, die ich heimlich betrete, finde ich große einzelne Steine, wie die schönen gleichmäßigen Oktaeder des Fluorits. Heute Nacht war es eine große Quarzstufe, wasserklar und an einer Stelle rötlich gefärbt, wie von Hämatit. Ich fand sie an einem sandigen Hang, wieder rutschend, so dass ich sie schnell bergen musste. Meist findet die Schatzsuche nach einer Naturkatastrophe statt. Der Himmel ist wild, man sieht eine Feuersbrunst oder eine haushohe Welle am Horizont, rasch näher kommend. Ein großer Wind ist zu spüren. Das unebene Gelände wechselt ständig, tiefe Abgründe tun sich auf oder ganze Teile brechen weg. Ich aber behalte den Boden stets im Blick und finde die überraschend schönen Steine.
Musik
An einem der ersten Tage des Neuen Jahrs habe ich bis in die tiefe Nacht hinein die Musik der 60er und 70er Jahre in Filmausschnitten gehört und gesehen. Ich konnte mich nicht mehr losreißen. Die Live-Auftritte verschiedener Künstler hatten es in sich. Mir war nicht klar, dass Otis Redding sein The Dock Of The Bay schon im Dezember 1967 aufnahm und dies erst posthum nach seinem tragischen Tod im Januar 1968 veröffentlicht wurde. Ich hatte dieses schöne Lied (das leider zu oft bei passenden und unpassenden Gelegenheiten medial verwurstet wird) für Jahrzehnte älter gehalten. Otis Redding wurde nur 26 Jahre alt. Vom wunderbaren B.B. King konnte man dagegen The Thrill Is Gone noch 2010 und 2011 hören und sehen. Jimi Hendrix, John Lennon – auch sie waren jung, als sie starben. Ihre Musik und die Musik überhaupt ist die beste Möglichkeit, auf Zeitreisen zu gehen und mit Haut und Haaren wirklich da zu sein.
Fotografie von RW, im Winter 2004 auf der Reitallee, Hofgarten Düsseldorf, mit den illuminierten Bänken von Stefan Sous.
Die Heiligen Drei Könige
Morgen am 6. Januar ist Epiphanias, der Tag der Erscheinung des Herrn, das Fest der Heiligen Drei Könige. Ich habe vor drei Jahren in Köln im Museum Schnütgen und in der Schatzkammer des Domes die Ausstellung zu den Heiligen Drei Königen gesehen. Dort habe ich mindestens fünf Postkarten des Motivs vom Traum der Könige/Weisen/Magier gekauft. Heute stellte ich eine davon zwischen meine Wunderkammerexponate (Am Rand der Fotografie sieht man Achat aus dem Saarland, Landschaftsmarmor aus Italien, und eine Geode aus Südtirol). Das auf der Postkarte abgebildete Teil eines Figurenkapitells, aus der Kathedrale Saint Lazare in Autun, war für die Ausstellung zum ersten Mal ausgeliehen worden. Die Darstellung hat mich tief beeindruckt. Wie der Engel zum Stern deutet und gleichzeitig die Hand des ersten Königs berührt, der daraufhin die Augen öffnet, gehört zum Schönsten, was ich in diesem Zusammenhang gesehen habe. Die Heiligen Drei Könige liegen mit ihren Kronen im Bett, unter einer gemeinsamen Decke, die mich in ihrer konzentrischen Faltung an eine Muschelklappe (z.B. Globivenus effossa) erinnert. Leider ist das Motiv auf der Karte an den Rändern beschnitten, so dass man die Bettpfosten der Liegestatt nicht sieht. Kopfkissen und Decke, sowie die Kronen sind kostbar und detailreich geschmückt. Die Schatten auf der Aufnahme sind allerdings etwas zu stark, daher wirkt hier die Mimik des Engels strenger als im Original, obwohl der Augenblick ja höchst dramatisch ist. Wie schön sich die Zahl Drei im Bild der drei Könige, drei Kronen wiederholt: in den drei Händen und Armen, die dann wieder in einem Dreieck zusammengeführt werden! In dessen Innerem bildet die Faltung ein wiederholtes, neues Kreisen. So ist die Darstellung bei allem Detailreichtum gleichzeitig durch die Abstraktion der Linien und Formen in eine Botschaft gehöht, die über das rein Erzählerische weit hinaus geht.
Teil eines Figurenkapitells, Kalkstein mit Spuren von farbiger Fassung,
«Der Traum der Könige», Autun, Kathedrale Saint Lazare, Kapitelsaal,
um 1125 -35, Fotografie der Postkarte JM Duband
Traube und Träne
Zum Gedenken an Dr. Volker Kahmen, Gründer des Literatur- und Kunstinstituts Hombroich, dessen schöne Mineraliensammlung ich letztes Jahr im Rosa Haus auf der Insel Hombroich sehen durfte.
Grüner und violetter Chalcedon, traubenartiges Aggregat, Mamuju Area, West Sulawesi, Indonesia, Sammlung von RW
Regentropfen am Ende eines Ästchens, Insel Hombroich bei Neuss, Januar 2018
(siehe auch den Beitrag vom 1. Februar 2018, zum Vergrößern die Fotos anklicken)
Zwei
Zwei Perlenfedern auf dem Feldweg,
gelegt, betaut, gekämmt von irgendeiner Fügung.
Im weiten Blick die nassen Wiesen
mit Weide, Pappel, Birke
am Saum des alten Wassergrabens.
Rechts vom Weg der neue Angerbach,
gezähmt, Betonkaskaden inklusive.
Gesehen im Naturschutzgebiet zwischen Anger und Bruchsgraben, Duisburg Huckingen, siehe auch den Beitrag vom 22. Oktober 2018
Prosit Neujahr
Obwohl es so aussieht, kann der Blick in die Zukunft nicht gelingen. Hier handelt es sich um die Täuschung durch ein geschlossenes, selbstreferentielles System. Verschwinden in einer Spalte der Vervielfältigung. Wieso hat die Unendlichkeit eine leichte Krümmung? Das Display des Mediums zeigt zudem die Motive anders als die Spiegel.
Im Bad eines Dortmunder Hotels, Dezember 2017
Nepomuks Zunge
Heute Vormittag kam ich zu Fuß aus der Innenstadt zurück und nahm wieder den Weg über die Oberkasseler Brücke. Die Stimmung am Rhein war trotz trübem Himmel frisch und entspannt. Die vielen Möwen hatten sich auf den Buhnen und in den Kiesbänken niedergelassen, dazwischen stand seelenruhig ein Reiher. Auf den Wiesen des anderen Ufers weideten konzentriert mindestens fünzig Gänse. Als ich am Brückenkopf die Statue des heiligen Nepomuk passierte, sah ich, dass man einen Kranz an ihm befestigt hatte. Und unten am Fuße des Heiligen lag eine ausrangierte Computertastatur. Zunächst ärgerte ich mich über das asoziale Handeln. Aber passte das nicht wunderbar? Hier lag ein Zeichen für Kommunikation und Sprache! War da nicht die Legende vom Beichtgeheimnis? Nepomuk hatte doch Standhaftigkeit und Verschwiegenheit bewiesen und war dafür allerdings gefoltert, von der Brücke gestoßen und im Fluss ertränkt worden. Weiter berichtet die Legende, dass an seinem später geborgenen Skelett die Zunge seltsamerweise nicht verwest war. So wird der Brückenheilige als Schutzpatron gegen Verleumdung oft mit dem Zeigefinger vor den Lippen dargestellt.
Seltsam geformter Sinterüberzug in rosa schimmernden Lagen, Calcit vielleicht mit Cobaltanteil, auf sehr hartem, aber fasrigem Holzrest. Gefunden in einer historischen Grube, Schmiedestollen, Wittichen, Schwarzwald, aus der Sammlung von RW
First Flight
Diese Aufnahme machte ich bei meinem allerersten Flug. Im Sommer 1970 ging es nach London. Gerade hatte ich mein Abitur bestanden. Ich flog zusammen mit meiner Schwester, die noch Schülerin war. Beim Hinausschauen aus dem Fenster des Flugzeuges konnte ich die Nieten in den Tragflächen der Maschine vibrieren sehen. Ich erinnere mich auch an die großen Propeller. War es eine Vickers Viscount? Angst hatte ich damals keine.
Drei Kreuze


Heute morgen alles anders.
Himmel und Rhein in Grau.
Wasser über die Ufer getreten.
Gänseschwarm in großer Aufregung.
TEMPTATION mit hohem Bug vorbeigezogen.
Schafe blökend umhergerannt.
ETERNITY flussabwärts geeilt.
Hütehund nicht aufgepasst.
SERVUS müht sich aufwärts.
Pläne durchkreuzt.
Drei Zäune gesetzt fürs Neue Jahr.


