Frühling 21 2 21

Kranichzug schon zurück der Frühling platzt gefragt wird keiner einer hält das aus kommt zu schnell ist zu hell siebzig jahr die sonne scheint erinnert an die freude rennt herum fährt vorbei motor heul wohin der zug die freunde ziehen lachen laut.

Kranichzug am 21. Februar 21, bearbeitete Fotografie RW 2021

Federlesen

Eben sah ich im Garten hinter dem Haus auf einer hohen Birke viele Tauben sitzen. Die muste ich natürlich unwillkürlich zählen. Dreizehn waren es an der Zahl. Meinen Blick weiter nach Osten richtend, sah ich auf dem Walnussbaum viele Stieglitze sitzen. Auch diese musste ich zählen. Und glaubt es oder nicht, es waren ebenso dreizehn an der Zahl. Das Schiff GRIFFIOEN fährt genau zum richtigen Moment auf dem Rhein vorbei, um noch einen Vogel drauf zu setzen: das mythologische Tier mit Adlerkopf und Flügeln auf einem Löwenkörper verbindet Luft und Erde – und das auf dem Wasser.
Das alles nehme ich als schöne Zeichen für den heutigen Tag.

Gediegen Silber, Fundort Mexiko, auf Tscharoit, Fundort Sibirien, Sammlung RW, Fotografie RW

12022021


Das Diamantzepter, das Dorje ist ein Ritualobjekt des Buddhismus. Aus Bergkristall wird es geschnitten oder aus Bronze gegossen. Das Exemplar auf dem Bild ist einfach, grob geschnitzt, wahrscheinlich für den europäischen Esoterikmarkt hergestellt. Ich bin keine Buddhistin, keine Esoterikerin, aber ich liebe dieses Zeichen, auch weil es aus einem Mineral geschnitten wurde. Der Diamant, der Adamas, der unbezwingbare Stein wird hier verdoppelt und gegenübergestellt, die Symmetrie des oktaedrischen Kristalls gespiegelt. Auch mein Lieblingssternbild, der Orion, kann im Dorje gesehen werden. Ich fotografierte ihn auf einem Stück blassblauer Seide. Diese hatte deutlich sichtbare Moiréstreifen, die ich sehr attraktiv fand. Das sind kosmische Energiewellen, die von dem Dorje ausgehen, würde der Esoteriker jetzt sagen. Setzte ich allerdings das bearbeitete Foto im Blog ein, war die schöne Marmorierung verschwunden. Vielleicht wurden die Wellen technisch irgendwie eliminiert, weil der Moiré-Effekt als fotografische Störung gilt?
Heute zum Symmetrietag wollte ich ein von der Idee her symmetrisches Objekt fotografieren. Man sieht jedoch deutlich, dass das handgeschnitzte Zepter nicht ganz symmetrisch ist. Auch ein perfekter Oktaederkristall eines natürlichen Diamanten ist nie im mathematischen Sinne symmetrisch. Nur in der Abstraktion gibt es Symmetrie, in der Natur nicht. Selbst die Zahlenreihe oben ist nicht vollkommen: da müsste man die Ziffern ab Mitte spiegeln…

Dorje aus Bergkristall, Fotografie RW 12.02.2021

Glow and Snow

Jetzt fahren die Alpinophilen Ski auf den Rheinwiesen, die Kinder Schlitten auf den Deichen und die Könner Schlittschuh auf den zugefrorenen Hochwassertümpeln. Wie schön die Häuser in der Abendsonne glühen, so festlich feiern sie den Rhein und das Licht.

Abend am winterlichen Rhein, Fotografie RW, Februar 2021

Schnee und Frost

Mein Kopf schmerzt, das kenne ich gar nicht. Im Nacken ein Ziehen, in den Ohren ein dauerndes helles Zischen. Gerade in der Stille des Schnees schwillt es zu einer dringlichen Zirbelmusik an. In den Gelenken spüre ich die Kälte, selbst am Schreibtisch trage ich Schal. So sprach die steinalte Sophie zu sich, stand auf und trat ans Fenster, wo sie am Rhein zwei Gestalten mit Schirmen erblickte. Da wünschte sie sich: Beschirmt und behütet möchte ich sein und möglichst gar nicht allein.

Wintersonne am Rhein, Fotografie RW, 8. Februar 2021

Hochwasser

Vater Rhein ist randvoll. Von Balkon und Fenster blicke ich auf den mächtigen Strom. Baumstämme segeln vorbei. Die Schiffe, die noch fahren, ziehen hoch und breit – cinemascope – durch meine Wohnräume. Hinter dem Platanenast etwas links im Vordergrund des ersten Bildes sieht man noch die grünweiße Signalstange aus dem Wasser ragen. Bei normalem Wasserstand steht sie frei, dreimal so hoch, auf der ebenso freien Buhne aus Basaltsteinen. Drüben auf dem anderen Ufer sieht man das Kilomterschild 742 schon tief im Wasser. Heute nahm ich diese Ansicht noch einmal auf. Der Rhein ist weiter gestiegen. Die Signalstange ist verschwunden, weggerissen. Jeden Tag fährt ein Arbeitsschiff auf dem Fluss und kontrolliert. Anstelle der versunkenen Stangen, hier grünweiß drüben rotweiß, werden schwimmende Signalbojen verankert. Schon seit Tagen gibt es einen regelrechten Hochwassertourismus. Mit Kind und Kegel, mit Hund und Roller bevölkern die Massen den Rhein. Und jetzt soll es heute Nacht auch noch kräftig schneien.

Hochwasser am Rhein, Fotografie RW Februar 2021

Das liebe Tier und die 23

Maultiere haben einen Esel zum Vater und eine Pferdemutter. Natürlicherweise kreuzen die Tiere sich nicht. Das ist Menschenwerk, Zuchten sind schon seit der Antike bekannt. Pferdestute (2n = 64 Chromosomen, n = 32) und Eselhengst (2n = 62 Chromosomen, n = 31) Dass die Gebirgsjägerbrigade, die mit den Tieren arbeitet, 23 heißt, gefällt mir, allerdings bin ich keine Militärfreundin. Maultiere sind intelligent wie die Pferde, aber nicht so scheu und ängstlich wie sie, dafür aber so tapfer und ausdauernd wie die Esel. Das Muli kann große Lasten (bis zu 120 Kilogramm) tragen und wendig klettern. Das schöne Tier auf dem Zeitungsfoto mag ich sehr. Es schneit. Die Flocken verteilen sich aufs Fell und wirbeln in der Mähne. Die helle Blesse zeichnet sich wie eine leicht bestäubte Schneelandschaft ins braune Winterfell. Kälte scheint dem Maultier nichts auszumachen. Der Gebirgsjäger hat sein freundliches Gesicht geschwärzt. Er kennt das Tier, es gehorcht ihm. Heute schreiben wir 3 2 2 1.

Zeitungsausschnitt, Rheinische Post vom 2. Februar 2021, Fotografie RW, 2021

In der Not frisst der Teufel Fliegen

Welch geheimnisvolle Dinge wir im Alltag übersehen, dachte die steinalte Sophia. Sie hatte beim Kochen zwei Wassertropfen, eigentlich drei, auf der Arbeitsfläche in ihrer Küche bemerkt. Sie haben die Oberfläche von weißen, abgerollten Quarzen aus dem Rhein und wirken garnicht durchsichtig. Sehr seltsam. Heute am Symmetrietag 1.2.21 wollte sie etwas Besonderes anstellen. Die Tage der Einsamkeit und der immer gleichen Abläufe zu Hause kann ich durch diese Miniaturen bereichern, sagte sie sich und beschloss eine Sammlung der kleinen Beobachtungen anzulegen.

Wassertropfen auf Kunststoffbeschichtung, Fotografie RW, 2020

Mein Adalbert Stifter

Ich habe meinen Stifter nach sorgfältigem Suchen in der Bibliothek natürlich (!) gefunden und er stand selbstverständlich in der Nähe von E. T. A. Hoffmann, Werke, Band III und darin besonders viel gelesen Die Bergwerke von Falun und direkt neben Stifters Bergristall das schöne Buch Mein Stifter von Arnold Stadler und daneben ebenso lesenswert Bunte Steine Ein Lapidarium des Wissens von Benjamin Bühler und Stefan Rieger. Und in seinem Vorwort zu Bergkristall und andere Erzählungen schreibt Stifter so schön vom Sammeln der Steine: Weil es unermesslich viele Steine gibt, so kann ich gar nicht voraussagen, wie groß diese Sammlung werden wird. Und wie er als Kind von den Glimmerplättchen, dem Katzensilber, in seinen gefundenen Steinen angezogen wurde. Und als Referenz zu meinem Eintrag zu Odilon Redon von vor ein paar Tagen habe ich das Vollmondbild von Adalbert Stifter gefunden, dass hundertundeins Jahre vor meiner Geburt gemalt wurde und Vollmond haben wir ja gerade und OBSIDIAAN und AVANCE heißen die Rheinschiffe, die vorbeifahren und so geht es weiter rund.

Mondlandschaft mit bewölktem Himmel von Adalbert Stifter, um 1850
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26819595

Drei Vögel nach rechts

Drei schwarze Vögel
sitzen im Wind nach rechts –
da ist der Abend.
Das Foto vom Morgen –
blickt voraus.
Ich finde mein Buch nicht mehr.
Bunte Steine
von Adalbert Stifter
Granit, Kalkstein, Turmalin, Bergkristall, Katzensilber und Bergmilch.

Drei Krähen im Baum, Fotografie RW, 28. Januar 2021