Zum Glück verlassen 23 untere Dienstgrade das Könighaus.
Uta, die junge Thronfolgerin, 23, verlässt das Könighaus nicht.
Fortunato fährt mit der U23 bis zur Haltestelle Könighaus.
23 Umstürzler im Könighaus werden von Fortuna verlassen.
Mit ein wenig Fortuna gibt es bald den 23. Thronfolger im Könighaus.
Schritte auf dem Mond

Die Fußspuren des Malers auf der am Boden liegenden Leinwand gehen von oben in den Bildausschnitt hinein, vorbei an einem roten Fleck. Wie eine Faust oder ein Herz liegt er über einem Sohlenabdruck. Er wurde also zeitlich nach den Schrittspuren aufgetragen. Die große Aussparung rechts, ein sich neigender Kopf, wendet sich dem roten Fleck zu. Der Höhepunkt meiner Vision ist das fast fotografische, graurosa Gesicht, das sich in der Aussparung oben rechts befindet – ein Mephisto oder ein antiker Gott, der aus den Wolken herabschaut.
Im Atelier von Jan Kolata, Ausschnitt einer wandgroßen Malerei, Acryl auf Leinwand, Zwischenstand, Fotografie RW 2021
Vergissmeinnicht
Heute in den frühen Morgenstunden träumte die steinalte Sophia von ihren Eltern, die längst verstorben waren. Im Traum waren sie in einem dauerwährenden Elternalter. Die große Familie war hier zusammen und hatte Sophia nicht auch Freunde gesehen? Man war in verschiedenen Räumen, die Eltern saßen in heller Umgebung. Man sprach miteinander, sie hörte dann die Mutter schwer atmen, sich die Hand an die Brust haltend, fragte sie nach einem Arzt. Sophia sah den Schweiß auf ihrer Stirn. Eine ihrer Schwestern, die Ärztin geworden war, kam hinzu und beruhigte, das wäre gleich wieder vorbei und legte ihre Hand sachte auf die Mutter. Da wachte die steinalte Sophia auf, begab sich zum Rheinfenster, um tief Luft zu holen und sah das Schiff mit dem Namen PANTA RHEI auf dem Fluss vorbeifahren.
Vergissmeinnicht vom Rheinufer, Fotografie RW, 17. April 2021
Vorbei
Neuerdings sieht sich die steinalte Sophia jede Dokumentation über das englische Königshaus an. Sie trauert so sehr über den Tod von Prinz Philip, als wenn er ihr eigener Vater oder Großvater gewesen wäre, was allerdings von ihrem Alter her nicht gepasst hätte. Sie erinnerte sich noch genau an die Feierlichkeiten, als die Queen mit Prinz Philip 1965 nach Deutschland kam und auch die Hüttenwerke in Duisburg Huckingen besuchte. Mit dem Schiff Stadt Duisburg kam die Königin auf dem Rhein herangefahren und fuhr später weiter nach Düsseldorf. Die steinalte Sophia hatte sich eigens für den Empfang am Rhein ein hellblaues Kostüm mit einem weißen Nerzkragen gekauft, ohne zu wissen, dass auch die Queen in Hellblau kommen würde. Sie stand mit ihrem Mann, der damals einen führenden Posten in den Hüttenwerken innehatte, in der Nähe des Empfangskomittees, so dass sie Prinz Philip und Elizabeth II. genau sehen konnte. Leider sind nur wenige Fotografien, die ihr Mann von diesem Ereignis aufnahm, erhalten, aber immerhin, die Königin und (vielleicht?) der Prinz sind in der Mitte des Bildes zu sehen. Der steinalten Sophia wurde in jungen Jahren eine gewisse Ähnlichkeit mit Elizabeth der II. nachgesagt. Genau wie sie war sie auch am 21. April geboren – Dankbar bin ich, dass Prinz Philip fast 100 Jahre alt geworden ist und nun soll es gut sein.
Elizabeth II in Duisburg, Fotografie des Vaters, 1965
Wirbeln und Leuchten


Wirbelnde Kirschblättchen
die Schneekristalle.
Strahlende Ahornblüten
Schwefelhonig im Grau.
Aprilschnee und Ahornblüte, Filmstill und Fotografie Ruth Weber April 2020
Bitte um die Gnade des Staunens
Digital konserviert sind die Reste eines alten Dias,
ein Bild, aufgenommen an Ostern Ende der 60er Jahre
auf der Terrasse eines großen Hauses.
(Ich weiß, dass es Ostern war, denn es gibt weitere Bilder mit Zeugen.)
Der Blick geht auf den großen Kirschbaum, auf den wir kletterten,
daneben der kleine Pfirsichbaum, den ich immer als Exoten ansah.
Weiter schau ich auf die grünen Felder und Wiesen
bis zu den Büschen des langen Schrebergartens,
den Namen des Besitzers, Jatschek, hab ich nur ungefähr im Kopf.
In der Ferne die mit Bäumen bestandenen Ufer des kleinen Flüsschens Anger.
Frohe Ostern 2021
Altes Dia, aufgenommen vom Vater, Ende der 60er Jahre. Archiv RW
Bitte um die Gnade des Staunens, ausgesprochen von Papst Franziskus, Palmsonntag 2021
Karfreitag
Ein besonderer Ort hier oben auf dem Friedhof bei St. Peter in Syburg. Die Kirche, umgeben von unzähligen Grabsteinen aus vergangenen Jahrhunderten, schaut in das Tal der Ruhr. Das Gebäude, mit Zeugnissen eines Vorgängerbaus aus dem 8. Jahrhundert, steht hoch über dem zum Hengsteysee gestauten Fluss im Ardeygebirge, nicht unweit der Ruine Hohensyburg mit dem übermächtigen Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Hier auf dem Friedhof geht es ungleich bescheidener zu. Die Grabsteine, viele aus der Barockzeit, mit einfach gehauenen Engelsköpfen, andere, schlichte Kreuze, sogar aus dem 9. Jahrhundert, zeugen mit ihren eingemeißelten Namen von vergangenem Leben. Die Schriftstellerin Gertrud von le Fort hat sich 1907 von dem Namen Hanna auf einem Grabstein zu ihrer tragischen Liebes-Erzählung Spökenkieken anregen lassen.
Nachtrag: der Name des Schiffes ETERNITY, das am Nachmittag auf dem Rhein vorbeifährt, kommentiert die Überlegungen zu der vergangenen Reise nach Syburg von einer übergeordneten Warte aus.
Kirche St. Peter in Syburg, Dortmund, Fotografie RW 2014
Suchbild
Am Morgen beobachtete ich zwei Distelfinken in den alten Platanen am Rhein. Sie flogen mir immer ein paar Meter voraus von Baum zu Baum, knusperten in den verkrüppelten Astenden nach Insekten. Gegen das Licht war es schwierig, sie zu fotografieren. Sie taten mir nicht den Gefallen, ruhig sitzen zu bleiben. Und doch sind sie beide auf dem Bild. Wer findet den zweiten Vogel?
Jetzt denke ich an den jungen Carel Fabritius, der 1654 Het Puttertje malte, den Distelfink, auf einem grauen Holzkästchen sitzend, angekettet. Meine Stieglitze sind frei, am Abend turnen sie zu fünft, acht in den mit zarten Blättchen besetzten Silberpappeln. Zum Schreiben setzte ich mich auf die andere Seite des Hauses auf den Gartenplatz. Hier sehe ich eine Amsel, die wild in einer Schale badet, ein Buchfink jubiliert mit immer gleichem kräftigen Träller, ein Rotkehlchen zwirtelt sehr zart und eine weitere Amsel erfindet eine neue Melodie. Die Singdrossel hat auch angesetzt, schweigt dann aber noch, sie kommt wohl später besser zur Geltung. Aber doch – jetzt – beginnt sie so kunstvoll, dass es mir die Sprache verschlägt. Verzeiht, ihr Tauben, Meisen, Elstern und Krähen, ihr Spechte und unsichtbaren Kleiber und lieber Fites, dass ich euch nur am Rande erwähne.
Stieglitze am Rhein, Fotografie RW, 2021
Das Blau, der Wind
Am frühen Morgen raus an die Luft,
arglos, sorglos und Sonne im Osten.
Ein Wind weht die Haare aus dem Gesicht.
Wärmer ist es geworden.
Blüten und Knospen begleiten,
Buchfinken und Rotkehlchen singen.
Zwei Elstern tschakern beim Nestbau.
Ist ja gut, ist ja gut.

