Beteigeuze

Mein Lieblings-Sternbild Orion soll sich verändert haben? So wird berichtet, dass der linke helle Schulterstern, die Betelgeuse, arabisch Ibt al Gausa, nicht mehr so stark leuchtet wie eh und je. Das könnte ein Anzeichen für eine zukünftige, gewaltige Explosion sein, eine Supernova. Morgen oder in Millionen von Jahren. Nur noch ein schwarzes Loch am Schulterstück? Ich will mir nicht vorstellen, dass es zu meinen Lebzeiten passiert. Der Orion ist mir der Wächter und Trost am Himmel in sternklaren Nächten. Meine Mutter hat ihn mir einst gezeigt und erklärt. Es ist seine Treue, die mich so beeindruckt, zuverlässlich steht er jeden Winter im Süden über dem Rhein.

Makroaufnahme eines Rutilsterns mit Hämatith-Zentrum in Bergkristall,
Fotografie RW, iPhone mit Lupenaufsatz, 2020, Sammlung RW

FAZ vom 12. Januar 20, «Warten auf den großen Knall»
https://www.swr.de/wissen/Wird-Beteigeuze-bald-zur-Supernova,stern-beteigeuze-kann-explodieren-100.html
siehe auch meinen Blog-Beitrag vom 1. Februar 2018

Festgehaltene Blicke


Drei Schwestern treffen sich hinter dem alten Fachwerkhaus am Holzschuppen. Sie sind von der Küche aus direkt in den Garten gegangen, um sich auf der verborgenen Terasse niederzulassen. Es ist ein erhöhter Platz, wo die Frühlingsonne noch länger scheint als unten. Mit einem Cremant aus dem Elsass wird auf den Geburtstag angestoßen. Ein Fell, auf dem Boden ausgebreitet, schützt vor der aufziehenden Kälte. Die eine Schwester hat ihren Fotoapparat aufgestellt, den Selbstauslöser betätigt und sich schnell wieder zur Gruppe dazu gesetzt.

Drei Schwestern W., Fotografie RW, 1998 bei Kassel

Auf ein Neues

Wir haben gefeiert, gelacht, getrunken und gegessen mit der Familie und den Freunden – an Weihnachten, Neujahr und am Fest der Heiligen Drei Könige. Sollte ab jetzt eine Umkehr stattfinden, die Ernüchterung kommen? Schmalhans Küchenmeister sein? Der Gürtel enger geschnallt werden? Verzicht geübt werden? Nein, das alles sind nicht unsere Themen! Was wir jetzt vorhaben, wird Folgendes sein: Wir widmen uns wieder mit Feuereifer unseren Leidenschaften – der Arbeit an der Kunst, der Mineralogie, Paläontologie und Archäologie. Glück auf!

Weihnachtsessen, invertierte Fotografie Ruth Weber, 25. Dezember 2019

Alles Gute zum Neuen Jahr

Um kurz vor Mitternacht gingen wir auf den Balkon zur Rheinseite. Eiskalt war’s, der Himmel wunderbar klar. Die schöne Mondsichel war zu sehen, das Sternbild Orion hoch aufgerichtet. Am Flussufer hatten sich einige Leute versammelt und ließen krachend die Böller sausen, Fontänen spritzen, Lichtblumen platzen. Wir tranken unseren Champagner und gingen, als es zu kalt wurde, wieder hinein, um mit Grace Kelly und Cary Grant das Feuerwerk über Nizza anzuschauen, wohl wissend, dass es in dieser Szene von Hitchcocks To catch a Thief um mehr geht als um bloßes Feuerwerk.

Feuerwerk in der Silvesternacht, Fotografie Ruth Weber, 2020

Aberglaube

Meine Großmutter pflegte einen soliden Aberglauben. Man solle über den Jahreswechsel nur ja keine Wäsche auf der Leine hängen lassen. Sonst hätten wir im Neuen Jahr einen Todesfall in der Familie. Ihre Tochter, meine Mutter, übernahm sehr treu diese Regel und ich kann nicht anders, ich habe heute noch schnell die Wäsche vom Trockner genommen, gefaltet und in die Schränke geräumt.

Silvesterfeier am Laacher See, Fotografie Ruth Weber, 2003

Aberwitz

Gestern morgen um Viertel vor Neun schaute ich aus meinem Rheinfenster gen Osten. Die Sonne war gerade aufgegangen und welch ein schönes Zusammentreffen – das Schiff, das gerade ins Bild fuhr, hieß SUNRISE 100. Glaube ich an eine Vorhersehung oder freue ich mich über glückliche Zufälle. Ich muss zugeben, dass ich einen Hang zum Deuten alltäglicher Geschehnisse habe. Bei der Zahl Sechs denke ich an unsere Geschwisterzahl. Sehe ich nun sechs Bäume in einer Gruppe, schaue ich, wie sie gewachsen sind. Hat der eine nicht einen zu dicken Stamm, ist das Laub des anderen nicht ein bisschen karg? Und dieser nicht zu wild gewachsen? Und wie herrlich jener proportioniert ist! Die Übertragungen sollte ich dann lieber für mich behalten, weil ich weiß, dass mindestens eine Schwester ähnlich gestrickt ist.
Oder sehe ich an der roten Ampel das Nummernschild des Vordermanns, rechne ich sofort – ist die Quersumme dreiundzwanzig? Oder sogar mein Sterbejahr dort festgeschrieben?
Das Schiff, das jetzt im Moment des Schreibens vorbeifährt, heißt MEDIATION. (Ich schreibe mit dem Blick zum Rhein.) Welche Konflikte soll ich denn lösen? Googlen wir doch das Wort MEDIATION. Eine Heilpraktikerin für Psychotherapie wirbt im Netz mit folgendem Slogan: Mediation – wenn das Schiff der Kommunikation unterzugehen droht…
Ist das nicht alles zum Haareraufen komisch? Das Schiff, das jetzt vorbeifährt, heißt BOLERO. Den tanz ich jetzt.

Morgens am Rhein, Fotografie Ruth Weber, Dezember 2019

Die Natur als Künstlerin

FROHE WEIHNACHTEN allen Leserinnen und Lesern dieses Blogs!

Eine Bronze-Arbeit aus unserem Atelier. Gedacht als Träger für Mineralien und Rheingerölle, zu Weihnachten versehen mit einem Rutilstern in Quarz aus Rio Grande do Sul, Brasilien, einem Dendritenquarz auch aus Brasilien und oben ein Querschnitt durch einen Amethyststalagmit, wohl aus Uruguay.
«Drei» Bronze und Mineralien, 26,5 x 17,5 x 10 cm, Kunstgießerei Schmäke, Düsseldorf 2019, Sammlung RW, Fotografie RW
Siehe auch den Eintrag vom 20. 09. 2019
 

Abends am Rheinfenster

Junge Leute albern im Dunkeln auf der Wiese hinunter zum Rhein. Ihre Stimmen schallen zu mir herüber. Sie rufen und lachen, machen übertriebene Bewegungen wie große Schritte mit gebeugtem Knie. Einer trägt rote Schuhe. Jetzt höre ich jemanden zählen. Eins – zwei – drei – vier – fünf –
Hunde laufen ungerührt den Weg entlang, versehen mit leuchtenden, blinkenden Halsbändern. Die Hundebesitzer bleiben im Dunkeln. Ein Kind schreit wütend auf, der Vater versucht es in einer fremden Sprache zur Ordnung zu rufen.
Dann ist alles still – ein schwarz gekleideter Mann läuft noch schweigend im Dunkel davon. Mir bleibt nur ein Rauschen in den Ohren.
Die glitzernden weißen und grünen Lichtsäulen auf dem Wasser des Flusses schlagen Brücken zum anderen Ufer. Dort fahren die Scheinwerfer der Hafenkräne noch hin und her. Ein flussabwärts kommendes Schiff trägt Lichterketten zwischen Führerkabine und Ladung.
Die lauten Weihnachtsfeiern in Firmen und Büros sind längst vorbei. Morgen am Heiligen Abend will ich ganz ruhig an die vielen Weihnachtsfeste der Kindheit denken.

Tanz an Silvester, Fotografie RW, Aachen 2003

Der kürzeste Tag des Jahres

Freunde haben uns eine irisierende Weihnachtskarte geschickt. Sie fängt jedes Licht, so sparsam es auch sein mag, reflektiert den Regenbogen im Dämmerlicht des vierten Advent. Den ganzen Tag hat es geregnet und wurde gar nicht wirklich hell. Auf der Nordhalbkugel ist heute der kürzeste Tag des Jahres, Winterbeginn und Wintersonnenwende. Da gönnen wir uns ein einfaches, aber schmackhaftes Mahl. Rosenkohl gedünstet und dazu ein Glas Riesling.

Advenire

Wie schnell nähern wir uns dem Jahr mit der außergewöhnlichen Zahl.
20 und 20
Die hundertsten Geburtstage der verstorbenen Eltern stehen unmittelbar bevor.
22 und 23
Ich sehe eine ungewöhnliche Flamme am Adventskranz.
Draußen sind es 17 Grad.
Weihnachtlich ist mir gar nicht zumute.

Adventslicht, Fotografie RW, 19. Dezember 2029