Heilung durch Zahlen 2. 3. 23

Den Platanen wurden die Triebe des letzten Jahres abgeschnitten, dabei brachen auch große Äste. Die knotigen, runden Wucherungen, das ist die Wundheilung des Baumes, haben bizarre Formen gebildet. Wie sich herausstellte, waren viele Äste innerlich rot, teils verfault, daher bei der Frühjahrspflege der Bäume mit abgefallen. Die Hitzeperioden der letzten Jahre haben die widerstandsfähigen Bäume wohl doch geschädigt. Mir gefielen die abgeschnitten Baumskulpturen, so dass ich zwei aufhob und mit nach Hause nahm. Hatte Glück, denn kurz danach wurde der gesamte Baumschnitt in kleinste Späne gehäckselt.
In den rohen Stumpf steckte ich zwei Bergkristallnadeln und drei Narrenglöckchen. Zwei weitere legte ich noch zu Füßen des Foo-Hundes  ab – denn in diesen hatte sich der Stumpf verwandelt. Der männliche Wächterlöwe oder Foo-Hund hat unter seiner Pranke eine Kugel versehen mit Glückssymbolen. Mein Foo-Hund braucht das Glück doppelt und dreifach und vertraut auf die heilende Wirkung seiner neuen Kristallohren.

«Foo Hund» Platanenholz vom Rhein bei Düsseldorf, Narrenglöckchen aus Messing und zwei Bergkristalle aus Brasilien, Fotografie RW, Sammlung RW 2. 3. 23

23-2-23

Die Rheinschiffe heißen ESCAPE – SENSATION – EMPIRE
Nach dem Platanenschnitt ist der Blick ist wieder frei. Die Schiffe fahren direkt durch meine Räume und zeigen mir mit ihren Namen, wie ich den heutigen Symmetrietag mit den richtigen Motti zu feiern habe.

«Equilibrist 23» Messingschlüsselanhänger, Ästchen, Feuersteingeode, Grünsandstein. Eine meiner Erfindungen zum Symmetrietag 23-2-23, Sammlung RW, Fotografie RW 2023

Inbrunst


Die steinalte Sophia hört ihre Vögel im großen Garten wieder singen. Vor dem Haus auf der Südseite blühen in zartvioletten Kissen die Krokusse, auch erste üppige, rosaweiß gefleckte Blüten am Kamelienstrauch sind in der Sonne aufgebrochen. Die Stieglitze turnen übermütig im hohen Lebensbaum. So dumm fragt sich die steinalte Sophia, wie kann das Schöne jedes Jahr auf’s Neue kommen?
In der vorösterlichen Zeit vor etwa zehn Jahren beobachtete sie in Brügge eine junge Konditorin. In der Hingabe und Zartheit ihres Tuns erkannte Sophia den Frühling. Und beim Betrachten des alten Fotos erinnert sie sich daran, dass sie fest vorhat, im April nach Amsterdam zu fahren, um die Spitzenklöpplerin von Vermeer zu besuchen.

Schokoladenladen in Brügge, Fotografie RW Frühling 2012

Vermeer

Der indische Prinz war zu einer der Previews eingeladen. Fernsehen, Internet und Zeitungen, Magazine und social media berichteten seit Tagen über die kommende Vermeer-Ausstellung in Amsterdam. Er genoss das Privileg, vorab in ruhiger Atmosphäre mit wenigen Fachleuten vom Rijksmuseum durch die Ausstellung gehen zu können. Die großen abgedunkelten Räume waren mit hohen Samtvorhängen versehen worden, so gelang der Blick auf die meist kleinformatigen Gemälde intimer, wie Juwelen leuchteten sie ihm an den Wänden.
Der Prinz sah all seine Lieblingsbilder wieder, war mit ihnen seit Jahren vertraut, hatte auch 1996 in Den Haag das Mauritshuis besucht, dort gab es schon 23 von den insgesamt nur 37 Bildern des Künstlers zu sehen. Im Rijksmuseum versammeln sich nun 28 Bilder, ein Ereignis, was kaum zu wiederholen ist. Ein ungeheurer Eindruck, sie wie eine geliebte Familie zusammen zu sehen, nicht chronologisch gehängt, sondern thematisch. Das Wiener Bild war nicht dabei. Aber vor De Schilderconst hatte er schon bei seinen häufigen Reisen nach Wien immer wieder mit höchster Konzentration gestanden. Die Perlenwägerin, en Vrouw met de weegschaal, aus Washington kannte er bislang nur von Abbildungen. Wunderbar genau konnte er nun zum ersten Mal die grauen und weißen Perlstränge neben den Goldketten auf dem Tisch vor der jungen Frau aus dem Halbdunkel herausleuchten sehen und das Jüngste Gericht auf dem Bild im Bild studieren.
Zum exklusiven Diner am Vorabend der Eröffnung hatte der Prinz sein offizielles indisches Gewand angelegt. Aus gelber Seide war seine Jacke, die Stickereien des Pektorale schmückten eingenähte Rubine und Diamanten. Im Zentrum des Turbans prunkte eine Agraffe mit einem blauen Saphir umgeben von Diamanten. Große Perlen hingen an seinen Ohren. Kleidung und Edelsteine hatte er nach den Farben Vermeers ausgewählt. Die Ohrgehänge trägt er zu Ehren des Meisje met de parel. Auf dieses Bild hatte er sich trotz des unsäglichen Vermeer-Merchandising-Rummels sehr gefreut. Der Blick des Mädchens, die Wendung ihres Kopfes, ihre leicht geöffneten blassroten Lippen, das Inkarnat, die Variationen von Gelb- und Blautönen, der Schmelz der Perle, die Feuchtigkeit von Augäpfeln und Mundwinkel, all das verblüffte ihn nur vor dem Original immer wieder aufs Neue.

Spiegelkugeln im Teich, Schloss Dyck, Fotografie RW 2021

Das geht nicht

Im Traum wurde mir klar, dass ich die Bilder, die ich sah, nicht fotografieren konnte, wie aber festhalten? 12 Bilder, die nur mein Gehirn gesehen hat, wollte ich konservieren. All meine Überlegungen kamen mir des Nachts ernsthaft, logisch und sinnvoll vor. Jetzt am Tag erinnere ich mich nicht mehr, warum, wie war das noch, warum gerade 12? Um ein Jahr mit Bildern abzudecken? Ich kann die Bilder ja nicht einmal mehr beschreiben. Nur ein Garten kam vor, und Bäume.
Die künstliche Intelligenz kann auf Aufforderung Traumbilder zeichnen, die keiner geträumt hat. Sie kann Träume nacherzählen, wenn man sie nur lässt. Aber das stimmt ja alles hinten und vorne nicht.

Düsseldorfer Rheinufer gegen Südosten von der Laterne des Schlossturmes aus gesehen, Fotografie RW, Anfang Februar 2023

2*2*23


Ich lege sie aus:
Dreiundzwanzig ist eine Primzahl.
22 nicht, 24 auch nicht, 21 auch nicht, 20 sowieso nicht, 25 schon gar nicht
Die ersten Primzahlen bis 100 sind 25 Zahlen
2, 3, 5, 7, 11, 13, 17, 19, 23, 29, 31, 37, 41, 43, 47, 53, 59, 61, 67, 71, 73, 79, 83, 89, 97
Am liebsten mag ich den Anfang der Primzahlen, da ist die 23 schon genannt und als nächste Zahl die 5, ihre Quersumme. Bis auf die 2 sind alle Primzahlen ungerade. Wie kommen die Abstände zustande und wie groß sind sie?
Die 24 Abstände zwischen den Primzahlen bis 100 sind
1, 2, 2, 4, 2, 4, 2, 4, 6, 2, 6, 4, 2, 4, 6, 6, 2, 6, 4, 2, 6, 4, 6, 8
Gibt es da ein Muster?  Wieviel größer können sie werden? Auch die Primzahlen sind unendlich.
Die Fibonaccizahlen steigen naturgemäß schneller an und es sind auch Primzahlen dabei…. aber die 23 ist nicht dabei, trotzdem mag ich die Fibonaccizahlen, weil in ihnen der goldene Schnitt verborgen liegt.
1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144

Ich habe meine Freude an Reihen, Prozessionen, Auffädelungen, an all dem, was vorbeizieht wie die Rheinschiffe, angereichert durch das Tuckern und Klopfen der Motoren, jetzt im Dunkeln mit Lichtern in langen Ketten oder beleuchteten Fensterreihen geschmückt. Die heute am hellen Nachmittag ausgelegten Schlüssel auf der Fensterbank zum Rhein hin warten noch auf ihre Aufgaben.

23 geschenkte Schüssel und fünf bezahlte Schlüsselanhänger vom lokalen Schlüsseldienst, Fotografie RW am 2. 2. 23

An der Pforte

Tief aus dem Basalt heraus schlug ich das Gold,
ließ es einschmelzen
ließ mir einen Löffel gießen
den konnt ich dann am Ufer des Styx
abgeben
als Obolus für den Hades
und nach geraumer Zeit in der Unterwelt
gilt er noch oben als Eintritt für Sankt Peters Port.

Negativbild einer weißen Landschaft aus gebranntem Ton mit einem blauen Plastiklöffel, Reiseandenken aus dem Erbe der Eltern und blauem Azuritmineral, Fotografie RW, Sammlung RW, 30. Januar 2023

Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer

Die Gebiete, in denen ich mich herumtreibe, sind zahlreich. Der Kontinent der Steine, das Reich der Zahlen, die Welt der Wunderkammern, der Wald der Fiktionen, das Haus der Kunst, der Garten der Natur und über allem der Kosmos der Gestirne.
Den Steinen will ich mich heute wieder widmen, Unmut kommt sonst auf. In der Zeitung las ich über den Granit. Dieses magmatische Tiefengestein finde ich sehr, sehr selten am Rheinufer in Düsseldorf. Und nur in runden, abgerollten, kleinen Exemplaren, vielleicht aus dem Odenwald oder Schwarzwald hierher transportiert.
Den kleinen Stein auf dem Foto hab‘ ich an der Ostsee (wahrscheinlich am Brodtener Steilufer) aufgehoben, es ist also ein Geschiebe aus der Eiszeit, ein skandinavischer Granit mit grauem Quarz, blassrosa Feldspat und hellem Glimmer, dem Muskovit, der hier im Licht weiß aufblitzt. Der große Stein ist aus den gleichen Bestandteilen, aber eher ein Pegmatit, da seine Mineralien sehr mächtig sind. Den Stein habe ich frisch aus einem westschwedischen Steinbruch (auf dem Weg nach Tanum) mitgenommen. Er besteht aus großen rosa Kalifeldspat-Anteilen, weißem Quarz und einem dunklen Glimmer, dem Biotit, zum Teil als riesige Plättchen. Eben hab ich ihn nass gemacht, da leuchteten die Farben so hell und frisch – Lachs, Salz und Kaviar. Den kleinen Stein hab ich später auch unter Wasser gehalten. Sein Feldspat färbte sich ebenso leuchtend orange und man sieht eine unregelmäßige Körnung.


Zwei magmatische Tiefengesteine, Sammlung RW, Fotografie RW Januar 2023


23-1-23


Litanei zur Feier des heutigen Datums 23-1-23
Der 23. Januar 23 fällt auf einen Montag.
Der 23. Februar 23 fällt auf einen Donnerstag.
Der 23. März 23 fällt auf einen Donnerstag.
Der 23. April 23 fällt auf einen Sonntag.
Der 23. Mai 23 fällt auf einen Dienstag
Der 23. Juni 23 fällt auf einen Freitag.
Der 23. Juli 23 fällt auf einen Sonntag.
Der 23. August 23 fällt auf einen Mittwoch.
Der 23. September 23 fällt auf einen Samstag.
Der 23. Oktober 23 fällt auf einen Montag.
Der 23. November 23 fällt auf einen Donnerstag.
Der 23. Dezember 23 fällt auf einen Samstag.
MODODO
SODIEFREI
SOMISA
MODOSA
Diese Kürzel könnt‘ ich sogar singen!
Warum tritt der Donnerstag dreimal auf, der Sonntag und der Montag zweimal, der Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils nur ein einziges Mal? An einem Freitag bin ich geboren. Am Dienstag, den 23-5-23 (5 ist die Quersumme von 23) werde ich meine Ausstellung zur 23 zeigen. Der Mittwoch fällt in den August, in diesem Monat bin ich geboren.
Zweimal Mond, zweimal Sonne und zweimal Saturn, dreimal Jupiter, einmal Mars und einmal Venus. Das sind die Himmelskörper der 23 im Jahr 23.

Korallenbäumchen aus Pappmaché mit 16 (ich könnte auch 23 hängen) Schlüsselanhängern aus Messing. Fotografie und Sammlung RW 23. Januar 2023

Korrespondenzen XLIV

Abends und nachts höre ich seit geraumer Zeit immer wieder das Huh eines Eulenvogels vom Garten her. Er ruft in regelmäßigen Abständen. Nicht aufdringlich laut, sondern als tiefe Stimme der Beruhigung. Und am vorgestrigen Morgen sah ich ihn endlich. Er war groß, nicht übermäßig, aber mit mächtigem runden Kopf, beide Augen vorne, kurz zu mir herüberblickend. Geflecktes Federkleid. Dann flog er fort Richtung Osten. Wo blieb er am Tag?
Am gestrigen Morgen stand die Sichel des Mondes noch über dem Rhein, als ich die Zeitungen unter einer kleinen Leselampe las, der große alte Kronleuchter mit seinen vielen verstaubten Kristallen war noch dunkel, das Licht sollte allmählich kommen. Beim kurzen Aufblicken sah ich zwei der goldfarbenen Schlüsselanhänger mit der Zahl 23 blinken. Das kleine Leselicht hatte gerade dieses Pärchen erwischt, von insgesamt sechzehn Stück, die ich in ein Korallenbäumchen aus Pappmaché gehängt hatte. Guten Morgen wünschten die zwei.

«Goldene Zahl 23» und «Mondsichel über dem Rhein am Morgen», Fotografie RW, Januar 2023