Steil abwärts ging der Weg, tief hinein in eine enge Schlucht, vorbei an der steinernen Drachenfratze bis hinunter zum Ufer des Sees, wo wir ein Boot bestiegen, um die Reise ins Weite fortzusetzen.
Hundert Kuppen
Weiter ging der Weg über hundert Kuppen. Kurz nach der Kantonsgrenze Uri Graubünden in Richtung Sedrun wichen wir vom Pfad ab, um nach Mineralien zu suchen. Aber nur unten an den wilden Wasserfällen, nicht oben in den Klüften. Vielleicht war die eine oder andere Kostbarkeit vom Wasser nach unten transportiert worden. Wir fanden im Schutt der Bäche schöne Gneise mit allerhand Glimmer und winzigen Kristallnädelchen, die den Wassertransport in kleinen Hohlräumen überstanden hatten.
Vor Jahren waren wir vom Oberalppass aufgestiegen und seitlich von der Fellilücke fündig geworden. Dort hingen wir kopfüber in einer Fundstelle, verborgen unter einem Felsen und holten ein paar Bergkristallstufen und Rauchquarze aus dem dunklen Loch.
Alles Gold der Welt


Alles gold der welt
vergeht nicht
wird umgearbeitet
vom nugget zum trauring
zur münze zum barren
rheingoldflitterchen
im schwarzen wasser
lange vergangenheit
kurze zukunft.
Goldfische in einem chinesischen Restaurant, Düsseldorf
Gold in Matrix, West Australien, Great Sandy Desert, aus der Sammlung von RW
Auf himmelblauen Weiden
Mineralstufe mit Kristallen des Demantoids im Muttergestein. Der Demantoid ist eine Varietät des Andradits aus der Granatgruppe, im kubischen Kristallsystem gewachsen und mit einer höheren Dispersion als Diamant. Diese schöne Stufe in meiner Lieblingsfarbkombination Blassblau und Olivgrün stammt aus der Sammlung eines jung verstorbenen Mineralienliebhabers. Sein Freund verkaufte sie mir 2012 in Düsseldorf auf einer Mineralienbörse. Fundort Val Malenco, Lombardei, Italien. Bei Vergrößerung des Fotos kann man die einzelnen Kristalle sehr schön erkennen.
Winziger Zeitmesser

Gestern war ich bei einem Goldankäufer, um zusammen mit anderen, nicht mehr geliebten, goldenen Altlasten das Gehäuse des kleinen, kaputten Ührchens zu verkaufen. Ich wollte das winzige Werk wegwerfen, aber der Blick in dieses Mikroräderwerk mit mindestens sechs leuchtenden Rubinen hat mich fasziniert. Eine Galgenfrist für diese Zwergenwelt. Die Unruh läuft ungeheuer fein und sehr beweglich, wenn man sie zart anstößt. Ein kleines Meisterwerk. Der abgefallene Zeiger des Ührchens ist nur wenige Millimeter lang. Man kann ihn mit den Fingern nicht fassen, sondern muss ihn durch Befeuchten der Fingerkuppe aufnehmen. Erst durch das vergrößernde Fotografieren wird leider auch der Staub von mindestens 70 Jahren auf den Zahnrädern sichtbar. Als Größenvergleich habe ich einen Euro daneben gelegt, einen besonders schönen aus Malta.
23 Millionen
Genau dies haben wir gestern heraufbeschworen, als wir hinter der großen Uhr in Paris standen und zum heiligen Herz auf dem Berg der Martyrien oder besser dem Marsberg hinüberblickten. Warum aber gab es keine Dollars? Weil dann folgende Zahl in der Zeitung gestanden hätte: 27.106.658,81 $.
Schlagzeile aus der Rheinischen Post von heute
Im Norden
Und dann wanderten wir weiter
durch die Dünenlandschaften des Nordens.
Das Meer hörten wir zu unserer rechten Seite,
sahen es diesmal nicht.
Ein wenig hatten wir uns verlaufen,
fanden aber genügend windgeschützte Plätze,
um uns zu einer Rast zu setzen.
Zur Farbe des Sandes wirkte der bedeckte Himmel zinngrau,
dagegen leuchteten wie warmes Restlicht
die Sanddornfrüchte in den Büschen.
Den silbrigen Wermut rochen wir,
wenn wir seine Blätter zwischen den Fingern zerrieben.
Ab und zu bemerkten wir in der Ferne wilde Pferde.
Einfache Wahrheiten
Ich hatte einen Vater, hatte zwei Großväter, hatte vier Urgroßväter. Meinem Vater verdanke ich mein Leben, der Großvater väterlicherseits war mein Pate, einer der Urgroßväter väterlicherseits ist wie ich an einem dritten August geboren. Er hat als einziger Urgroßvater meine Geburt noch miterlebt. Mein Vater wäre heute 95 Jahre alt geworden.
EAW, fotografiert von meiner Mutter, auf ihrer gemeinsamen Reise ins Gebirge Anfang der 50er Jahre.



