Im Norden

Und dann wanderten wir weiter
durch die Dünenlandschaften des Nordens.
Das Meer hörten wir zu unserer rechten Seite,
sahen es diesmal nicht.
Ein wenig hatten wir uns verlaufen,
fanden aber genügend windgeschützte Plätze,
um uns zu einer Rast zu setzen.
Zur Farbe des Sandes wirkte der bedeckte Himmel zinngrau,
dagegen leuchteten wie warmes Restlicht
die Sanddornfrüchte in den Büschen.
Den silbrigen Wermut rochen wir,
wenn wir seine Blätter zwischen den Fingern zerrieben.
Ab und zu bemerkten wir in der Ferne wilde Pferde.

Einfache Wahrheiten

Ich hatte einen Vater, hatte zwei Großväter, hatte vier Urgroßväter. Meinem Vater verdanke ich mein Leben, der Großvater väterlicherseits war mein Pate, einer der Urgroßväter väterlicherseits ist wie ich an einem dritten August geboren. Er hat als einziger Urgroßvater meine Geburt noch miterlebt. Mein Vater wäre heute 95 Jahre alt geworden.

EAW, fotografiert von meiner Mutter, auf ihrer gemeinsamen Reise ins Gebirge Anfang der 50er Jahre.

Rote Schuhe aus Bologna

Erinnerungsbild aus RWs Lebensabschnitt von 28 bis 35 Jahren
46. Bild
Einst kaufte ich mir rote Schuhe in Bologna. Mit ein paar Freunden erkundeten wir die Stadt, wir waren überwiegend im Universitätsgelände unterwegs – und sahen dort die damals berühmt-berüchtigten, politischen Graffiti an den Hauswänden. Bei einem Schuhhändler, der Schuhe aus Altbeständen verkaufte, sah ich Pumps aus einem wunderbar weichen, kirschrotem Leder. Sie hatten damals schon etwas Altmodisches. Der circa 7 cm hohe Absatz war nicht so dünn und gebogen wie bei einem Damenstöckelschuh der 50er, sondern gerade und eckiger, trotzdem schmal. Nur die Ferse und die Fußspitze waren mit Leder bedeckt, der Spann und die seitlichen Ränder des Fußes blieben frei. Sehr elegant  diese italienischen Schuhe – sie wurden von mir zu einem roten Jerseykleid oder einem knallroten Plisseerock bis zum Anfang der 80er Jahre getragen.

Den roten Fiat Jagst fuhr RW in den späten 70ern. Den roten Citroën deux chevaux fuhr eine ihrer Schwestern.

Am Niederrhein

Nicht nur in südlichen Gefilden sondern auch am Niederrhein in Düsseldorf Niederkassel kann man unter alten Weinstöcken mit reifenden Trauben sitzen und gut und lecker speisen. Spezialität des Hauses ist der Speckpfannekuchen für zwei Personen.
Meuser, Zum alten Bierhause, Alt-Niederkassel 75

Düsseldorferin findet einen Zahn bei Oberkassel


Am Tag des sogenannten Rhine Cleanup fand RW einen Zahn am Rheinufer. Er ist  etwa 6 cm lang, vielleicht ein Hauer von einem unglücklichen Schwein oder ein Hakenzahn von einem ebenso unglücklichen Hengst, die vor etwa 250 Jahren in den Rhein stürzten. Wer weiß, vielleicht wurden früher auch die Fleischerabfälle einfach in den Rhein gekippt. Fossil ist der Zahn wahrscheinlich nicht, aber er klingt beim Anschlagen wie ein Kiesel. RW fand das Exemplar an einer durch das Niedrigwasser trockenliegenden Buhne an Kilometer 742. (dazu auch RWs Beitrag vom 25. August)

Der Traum von der schwarzen Ziege

Ein großer, dunkelhaariger Mann
führt seinen kleinen Hund
jeden Tag mehrmals aus.
Ich sehe ihn auf den Rheinwiesen,
unter den Platanen, auf dem Weg, auf dem Deich.
Er geht so lange langsam hin und her,
bis der kleine weiße Hund seinen Kot abgelegt hat
oder der Bewegungsdrang erlahmt.
Manchmal trägt der Mann den Hund.
Wahrscheinlich gehört der Hund seiner blonden Frau.
Gestern Nacht im Traum sah ich den Mann
schräg links durch die Platanendächer hindurch
nicht nur mit dem weißen Hund,
sondern auch mit einer schwarzen, zotteligen Ziege.
Er rief sie, zog und zog sie an einer kurzen Leine,
sie aber stemmte sich mit aller Kraft gegen die Zugrichtung,
so dass ihre Hufe tief in den Boden gedrückt wurden.
Das dunkle Tier liess sich nicht und nimmer mehr bewegen.

Urdenbacher Funde


Der tiefschwarze Lydit, manchal auch mineralogisch nicht korrekt Kieselschiefer genannt, ist ein aus den Kieselskeletten mariner Mikroorganismen gebildeter, sehr harter, meist metamorpher Stein. Kohlenstoffhaltige organische Reste sind für die schwarze Farbe verantwortlich. Er wird auch von alters her Probierstein genannt. Mindestens seit Georgius Agricola, der das Verfahren in seinem 7. Buch (De re metallica libri XII, Bergbau und Hüttenwesen, 1556, Faksimile in meiner Bibliothek) beschreibt, haben Goldschmiede nicht punzierten Goldschmuck oder auch Münzen darauf abgerieben und dann die Strichfarbe mit dem Abrieb von geeichten Goldnadeln verschiedener Legierungen verglichen, um so den wahren Goldgehalt eines Stücks zu finden. Mit Scheidewässern, das sind Säuren, die das Gold angreifen, kann man das Ganze noch absichern.
Den winzig kleinen Achat fand meine Freundin Maggie B. bei unserem Gang zum Urdenbacher Rheinufer. Er ist so klein wie ein Fingernagel und erinnert mich in seiner Zeichnung an einen karibischen Fisch. «Das ist der einzige Stein, den ich heute mitnehmen werde.» sagte meine Freundin. Ich nahm allerdings mehrere Steine mit, unter anderem den Lydit und die Urdenbacher Druse (Beitrag von gestern). Meinem Hang zur Pareidolie wird auch der Lydit mehr als gerecht.
Foto des Achats von Margit Bauer