Irritierend auf diesem Foto aus dem Jahre 1969 ist, dass alles offenbar nur vorgetäuscht wird. Die Frau schaut ihren Gesprächspartner gar nicht an. Auch scheint die Perspektive im Fernsehbild nicht zu stimmen. Das kann Gründe im Motiv haben, sicher wollte der Fotograf die junge Dame nicht als Rückenfigur abbilden, sondern im attraktiveren Profil.
Wie immens die Fortentwicklung bis heute sein würde, hat sich wohl keiner damals vorstellen können.
Dreiundzwanzig
Vorgestern Nacht im Traum wünschte
mir mein Vater ein «Frohes Neues Jahr»
und das, obwohl
wir erst Oktober haben.
Täusche ich mich,
oder werden die Sonnenuntergänge
in diesem trockenen Jahr
immer farbenreicher, intensiver, länger?
Seit Mai hat es kaum geregnet
und heute ist der 23. Oktober.
Könnte es sein, dass die Luft
von Staubpartikelchen so angereichert ist,
dass deren Reflektionen die schönsten Bilder erzeugen?
Neujahrskarte aus Eritrea von Michel Leiris für Pablo Picasso, gesehen im Musée Picasso Paris, schönes Exemplar für die Sammlung 23 von RW und LB
Sturm und Drang
Ein Bild für meine zweitjüngste Schwester und meinen Bruder. Genau vor acht Jahren auf den Tag genau und etwa zur gleichen Uhrzeit trafen wir uns an der Nordsee. Der Wind warf die Wellen hoch auf und die heranrollende Brandung lärmte ungeheuer. Wie Fehlfarben schien das Abendrot nur hier und da durch die tief hängende Wolkendecke. Wir fuhren später vier Kilometer landeinwärts nach Bergen und tranken in den «Pilaren» noch ein paar Glas Wein. Ich erinnere mich, dass wir drei wie eine ausgelassene Bande nicht mehr aus Lachen herauskamen.
Agricolas Irrtum
Georgius Agricola bezeichnet um 1546 in seinem Buch De Natura Fossilium den Lapislazuli als Saphir, dies war wohl in alter Zeit ein Synonym für «blauer Stein». Jedenfalls kann er nicht die durchsichtige blaue Varietät des Korunds meinen, den wir bis heute Saphir nennen, da er von den goldenen Pünktchen spricht, die sich in seiner blauen Matrix befinden. Wie in einem alten Ring meines Vaters mit Lapislazuli und Pyriteinschlüssen, die wie Sternbilder im Himmel leuchten. Der Pyrit wurde nicht als Unreinheit des Lapis gesehen, sondern im Gegenteil als Echtheitsbeweis gegenüber gefälschten Steinen und gefärbten Imitaten.
Das betreffende Zitat habe ich in meiner Ausgabe von De Natura Fossilium gefunden: Von blauer Farbe ist der Saphir und der Kyanos, der daher seinen Namen bekommen hat. Der Saphir strahlt außerdem mit goldenen Punkten. Beide ähneln dem heiteren Himmel, doch der Saphir wegen der goldenen Punkte dem Himmel im Sternenschmuck.
Übersetzung Georg Fraustadt, hrsg. von Fritz Krafft, Marixverlag, 2006
In einer englischen Übersetzung nach Agricola von Thomas Nichols
A Lapidary, or, The History of precious stones, Camebridge 1652, wird dieser Irrtum auch schon berichtigt.
Sapphirus (lapis-lazuli) and cyanus (sapphire) are dark blue, hence the name of the latter gem. (…) Lapis-lazuli is enlivened by small golden points. Both gems are blue as the heavens but lapis-lazuli especially resembles the heavens because of golden points which represent the stars.
Da mir das Wort Sternenschmuck in der Übersetzung von Fraustadt gefiel und ich die englische Wortwahl so versachlicht fand, wollte ich wissen, wie Agricola es selbst formuliert hatte und war fasziniert, als ich die lateinische Fassung auf der Seite der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek gefunden hatte.
Caeruleum colorem esse in sapphiro & cyano. CAP. XVII
Caerulei autem coloris est sapphirus, & cyanos, quae inde nomen traxit: sed sapphirus insuper aureis punctis collucet, … similis est coelo sereno: verus sapphirus, propter aurea puncta, stellis ornato.
Georgius Agricola, De Natura Fossilium, Liber VI, Ausgabe von 1612, Wittebergae
Lateinischer Text: http://digital.slub-dresden.de
Deutscher Text: aus meiner oben zitierten Agricola-Ausgabe
Englischer Text: gefunden bei der Lektüre des wundervollen Buches von Karin Leonhard, Bildfelder, Stilleben und Naturstücke des 17. Jahrhunderts, S. 244, Akademieverlag, 2013
Zeus als Kollege
Natur, Kunst und deren Wissenschaften, im besonderen ästhetische Phänomene, Probleme der Wahrnehmung, Mineralogie, Fotografie, Traum und Vergänglichkeit sind Bereiche, denen ich mich leidenschaftlich widme.
Meine älteren Themen – Raum und Zeit, Urknall, Sterne, Galaxien und Schöpfungsmythen – kamen mir heute angesichts des malenden Zeus in den Sinn. In meiner Bibliothek sehe ich an den Erscheinungsdaten der Fachliteratur, wie schnell alles veraltet. Im Netz findet man zu jedem Schlagwort Informationen. Aber sie sind nicht überprüfbar. Richtiges von Falschem zu unterscheiden wird immer schwieriger.
Materie besteht nicht aus Materie. Wenn man immer tiefer in die Welt der Atome taucht, ergibt sich ein faszinierender Gedanke. Würde man das Nichts zwischen Atomhülle und Atomkern wegnehmen, wäre alles unvorstellbar klein. Beispielbild von Dr. Josef M. Gaßner ist das Reiskorn als Atomkern im Fussballstadion als Atomhülle. Das Nichts dazwischen ist also sehr groß. Auch die kleinsten subatomaren Bausteine, die unteilbaren Elementarteilchen sind aus nichts anderem mehr zusammengesetzt. Und doch ist Masse nachweisbar. Es sind die Bewegungsenergien, die alles zusammenhalten und diese Energien kann man in eine Masse übersetzen. Sehen können wir das alles nicht und so wie ich es verstanden habe, sind die Phänomene nur in geschlossenen Systemen messbar.
Das große NICHTS scheint ein schier endloser Raum von MÖGLICHKEITEN.
In der Erforschung des Kleinsten finden wir neue Antworten auf das Größte und umgekehrt. Das Universum dehnt sich seit dem angenommenen Urknall aus. Vorher hat es sich ungeheuer komprimiert. Ist das ein in Ewigkeit dauernder Prozeß, der sich immer wiederholt? Das wäre ein tröstlicher Gedanke, dass alles bleibt und kreist.
Wieso hat sich gerade auf unserem Planeten eine Spezies entwickelt, die Bewusstsein hat, sodass sie fragen kann: Wo ist das vollkommen Andere, das wir nicht denken können? Bewusstsein und Seele sind durch die Neurowissenschaften längst in Frage gestellte Begrifflichkeiten. Selbst wenn Philosophie, Psychologie, Medizin, alle traditionellen und modernen Naturwissenschaften und – Religionen sich zusammentäten, gäbe es zwar immer neue Antworten, aber auch immer wieder neue Fragen.
Oben abgebildet ist eins meiner Lieblingsbilder – Zeus/Jupiter als Künstler erfindet auf der Leinwand Falter, dunkle und helle, zugeordnet zu Tag und Nacht. Der Tag ist durch einen Lichtbogen (Regenbogen) von der Nacht geschieden. Hermes/Merkur als Vermittler zwischen Himmel und Irdischem gebietet einer Frau (als Tugend bezeichnet) Schweigen und Geduld. Sie ist üppig mit Blütenkränzen geschmückt und wartet wohl darauf, dass die Schmetterlinge ihre Blüten befruchten. In der Ikonographie wird die Psyche mit Schmetterlingsflügeln dargestellt, also könnte Zeus hier auch Psychen, Seelen malen. Andere Interpretationen beziehen sich auf alte Emblembücher, die Dossi als gebildeter Künstler kannte. Zeus verkörpert die Schöpferkraft, die ohne Inspiration nicht zur Vollendung kommt. Hermes bedeutet deswegen der Tugend, dass sie lieber schweigen möge. Sowohl die Falter als die Inspirationen, wie Mercurio als das Quecksilber sind sehr beweglich und nicht leicht zu halten. Eine Kunsthistorikerin hat in den 60er Jahren das Ganze als planetarische Konjunktion von Jupiter und Merkur im Zeichen der Jungfrau gesehen, die sich auf die Lebensdaten von Dossi beziehen sollen.
«Zeus, Hermes und die Tugend», gemalt von Dosso Dossi, um 1524, Sammlung Lanckoroński auf dem Wawel, Krakau, früher Kunsthistorisches Museum Wien, im Jahre 2000 restituiert.
Ich empfehle die Vorlesungen von Dr. Josef M. Gaßner, die er in seinem Web-Kanal hält.
Süden im Norden
Mitten im Oktober blüht die Artischocke in Nachbars Vorgarten hier am Rheinufer bei sommerlichen 25 Grad. Mindestens zwei, nein drei dicke Bombi lapidarii und zwei Apidae fühlen sich sehr angezogen und tauchen kopfüber nach dem Nektar.
Das Handyfoto, im Vorübergehen aufgenommen, kann man durch Anklicken vergrößern.
Rheinromantik
Müde kamen wir vom Drachenfels herunter und freuten uns, im Burghof einkehren zu können. In der Ferne sahen wir die Drachenburg über dem Rheintal.



