Raureif

Liste weiterer Worte, die ich hören möchte.

Raureif
Rheinbogen
Mondsichel
Morgenlicht
Elfenbein
Ebenholz
Klang

Raureif am Rhein, Fotografie RW 2007, siehe auch Beitrag vom 2. September 2019

Der Dresdner Grüne nicht

Der Dresdner Grüne. Er glänzt temporär in New York, ausgeliehen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. 1768 hatte Hofjuwelier Franz Diespach den 41 Karat schweren Diamanten mit der ungewöhnlichen Farbe in eine Hutagraffe mit weiteren wunderbaren weißen Steinen in frühen Brillantschliffen umgearbeitet. Durch seine Überseereise ist das Schmuckstück unberührt geblieben von dem gestrigen schändlichen Raub in der Schatzkammer August des Starken.
In den 90er Jahren war ich etwa zweimal in der kostbaren Sammlung, damals noch im Albertinum untergebracht. Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das 2006 eröffnete, rekonstruierte Grüne Gewölbe im Residenzschloss noch nicht gesehen habe. Nun ist die historische Unversehrtheit der Sammlung dahin. Zehn gestohlenene Schmuckstücke werden heute im Internet veröffentlicht.
Über die Postkarte mit dem Nicht Gestohlenen, die in meinem alten Führer des Grünen Gewölbes von 1994 steckte, freue ich mich heute besonders.

Ein Zepterquarz mit Libelle, ein Herkimer Diamant, drei Ringe mit Altschliffdiamanten und Brillanten und ein farbloser Zirkon in Brillantschliff, alle  auf der Postkarte liegend, Kunstverlag Brück und Sohn, Meissen, Foto Jürgen Karpinski Dresden, Sammlung RW, Fotografie RW 2019

Edvard Munch

Heute war ich in der Edvard Munch Ausstellung. Schon lange ist er mein Maler. Bewußt suchte ich sehr selektiv in jedem Bild nach meinen Edelsteinen und habe kostbare Bilddetails aufgesammelt. Und was soll ich sagen, am Ende waren es 23.
Karl Ove Knausgård hat die Ausstellung kuratiert und in vier Werk-Gruppen hängen lassen: Licht und Landschaft, Der Wald, Chaos und Kraft, Die Anderen.

Edvard Munch gesehen von Karl Ove Knausgård, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, bis 1. März 2020
Details aus:
Edvard Munch, Baumgruppen am Strand, der Linde-Fries, 1904, Öl auf Leinwand
Edvard Munch, Wellen am Strand, 1911/12, Öl auf Leinwand

Die schönen Zahlen

Ich addiere:
Vier und zwei ist sechs,
sieben und zwei ist neun,
vier und vier ist acht,
sechs und neun ist fünfzehn,
fünfzehn und acht ist
DREIUNDZWANZIG.
Also für mich,
danke Bruno Goller.

Gemälde von Bruno Goller (1901 – 1998) Insel Hombroich, Neuss.
Fotografie RW, Februar 2018, siehe auch Einträge zur 23 auf ruth23weber.de

Traum, abstrus

Heute in den frühen Morgenstunden träumte ich von Menschen, die Seltsames mit ihren Körpern veranstaltet hatten. Durch ihre Haut schimmerte an Arm, Kopf oder Oberschenkel Licht, als wären ganze Lampen implantiert worden. Andere hatten Lautsprecherboxen im Brustkorb oder am Rücken, eckig wie Koffer. Ihre Membranen waren wie Loch-Gewebe und vibrierten in dunklen Bässen. Einer spielte auf seinem Brustbein Gitarre, die Saiten im Knochen eingelassen.
Ich fotografierte alles, war aber oft nicht schnell genug, denn die Truppe bewegte sich in eiligen Bewegungen fort.
Auch war da ein kleines hölzernes Pult. Durch ein stecknadelgroßes Loch konnte ich hindurchsehen und sah zu meiner Freude ein winziges Kind darin, das lachte und mir zuwinkte. Auch dies wollte ich fotografieren – so ein lustiges Bild. Zum Größenvergleich stellte ich einen Bleistift daneben, doch er zerfiel schlangengleich in eine andere Ebene – vorbei. Beim Aufwachen war ich versucht, die Ausbeute der Fotos auf meinem Handy zu betrachten.

Geköpfte Weide in Zons am Rhein, Fotografie RW, 2019

Abwehrzauber

Equilibrist ein Lieblingswort,
Gleichgewicht das Ziel,
waagrecht senkrecht, fast im Lot –
rechts und links und alt und neu,
nachgemacht hervorgebracht,
nicht geschafft.

Keramik von RW, 2019, ergänzt mit «Hühnergott» vom Brodtener Steilufer, Ostsee, (Feuerstein mit Loch) und zwei antiken Kinderrasseln aus dem Familienerbe, Sammlung RW, Fotografie RW 2109

Aus der Zeit gefallen

Ein alter Mann tritt ohne Aufforderung in das Zimmer und spricht freundlich mit klarer Stimme, seine Worte sind deutlich zu verstehen. Immer wieder beginnt er eine neue Rede, weiß schöne Floskeln. «Ja ja, zu Weihnachten kein Urlaub. Um 17.00 gehen wir los.» Mit Blick auf den Kuchenteller meiner alten Tante: «Das Köpfchen nehm ich.» Er legt den abgeschnittenen Kopf des Weckmanns in seine Handfläche und schaut in die Rosinenaugen. «Nun fällt mir der Begriff nicht ein…». Ich sage: «Ja, lachen kann der noch…» Das freut den Mann und spricht von den Frauen, ihre Namen sind ihm entfallen. «Ihre Gefährtin aus dem Nachbarraum, da kann ich Ihnen nicht helfen, weiß auch nicht, wie sie heißt…» entgegne ich. Er streicht mir über den Arm. Meiner Tante ist das Ganze nicht geheuer, sie fährt mit dem Rollstuhl aus dem Zimmer in den weiten Flur.

Sonnenbild auf dunklem Display, Fotografie RW, Geldern 2019

Königsallee

Aufgeblasener event
in der unmittelbaren Nähe
dieses gefundenen Fressens.
Laute Musik.
artsy people
bodyguards
Geschminkte Gesichter.
Glatter Kommerz. Grell.
influencer
Mein Gejammer nützt nichts:
ich werde andere
Welten besuchen.

Spiegelung in einem Schaufenster an der Königsallee Düsseldorf, am Rande der gerade eröffneten Photo-Pop-up-Fair, Fotografie RW 2019