Die Ordnung der Dinge wird fortgesetzt:
Rang und Wert
Kupfer, Silber, Gold
Die Drei
Element, Metall, Farbe
Pfeil, Berg, Adler
Jahr und Zahl
1809 1964 1881
Die Symmetrie
18 20 18
Archivieren
In diesen vielen Stunden zu Hause betrachten wir unsere Sammlungen. Sortieren, ordnen, forschen wir wie Archäologen nach Alter, Herkunft und einstiger Bestimmung der Artefakte. Das gelingt uns nicht immer. Dann geben wir uns zufrieden und freuen uns an ihren Farben und Formen. Und vor allem erinnern wir uns an die vielen Fundorte, die wir ja dokumentiert haben. Hier waren wir frei durch die Landschaften gestreift, an den Hängen hochliegender Burgen im Sauerland, an den Flussufern des Rheins und der Mosel, in Baugruben der rheinischen Städte und bei römischen Brennöfen der Eifeler Wälder und nahe gelegenen Äcker.
Wir haben auch die leidenschaftlichen Sammler an den Ufern der Themse entdeckt: sie betreiben das Mudlarking. Sie finden im Uferschlamm Artefakte aus allen Zeiten der Geschichte Londons. Es sind Künstler und Kunsthistoriker darunter, die ihre Funde bestimmen können und Vergleiche mit Museumsstücken veröffentlichen. Das macht die Sache so spannend.
Artefakte aus der Sammlung RW, Fotografie RW 2020
Auf instagram zum Beispiel @jasonmudlark, @flo_finds oder @london.mudlark

Ankunft
Wenn der Wind richtig steht, ist der Rhein manchmal so glatt wie ein See. Eine ganz besondere, ruhige Stimmung. So an diesem frühen Abend, wenn die Flusstouristen sich verzogen haben, es wieder kälter geworden ist, wie es der April eigentlich vorschreibt, kann ich das glatte Streichen des Wassers sehen.
Am nächsten Morgen schaue ich erneut auf den Fluss und erinnere mich an das schöne Licht vom Vorabend, die Schafherde auf dem anderen Ufer ist allerdings weitergezogen und – in den Himmel blickend sehe ich leicht und gaukelnd, nicht torkelnd, den einzelnen Mauersegler. Welch eine Kraft muss er haben, als Vorflieger, als früher Bote. Er hat die widrigen Winde gemeistert. Er kann sich ausruhen in der warmen Dachluke und später weit in den Himmel steigen, um nach Fliegen und Mücken zu suchen, die in den letzten warmen Tagen am Fluss sicher schon geschlüpft sind.
Glatter Rhein am Abend, Fotografie RW, April 2020
Das kann nicht sein
Gestern am frühen Abend sah ich einen einzelnen Mauersegler direkt auf die Lücke unter unserem Dach zufliegen, in der die Vögel jedes Jahr Quartier einnehmen. Schon so früh – so früh war ihre Ankunft noch nie. Und es stand doch letztens in den Zeitungen, dass ungewöhlich viele Mauersegler und Schwalben in Griechenland verendet seien, wohl aus Erschöpfung, da widrige, sehr starke Winde sie von der Route abgetrieben hätten… Oder hatte ich mich getäuscht und es war eine Fledermaus, aber nein, dafür war es noch zu hell… Aber so wie mir der Flug in Erinnerung ist, war es wohl doch eine Fledermaus, weil sie so torkelnd flog.
Mauersegler am Rhein, Fotografie RW 2019
Frohe Ostern

Der Leib ist klar, klar wie Kristall,
Rubinen gleich die Wunden all,
die Seel durchstrahlt ihn licht und rein
wie tausendfacher Sonnenschein.
Halleluja, Halleluja!
Zu Ostern eine Erinnerung an die zweite Strophe eines Kirchenliedes, modernisierter Text, ursprünglich verfasst von Friedrich Spee (1623)
Topas im Licht, Fotografie RW 2018, farbloser klarer Topas, Fundort Afghanistan, Sammlung RW
Schiffsnamengeschenke
Heute ist die Anzahl der gesammelten Schiffnamen schon auf 654 angestiegen. Wir wissen nicht, wie viele Schiffe täglich an unserem Rheinfenster vorbeifahren. Aber sehen wir aus dem Augenwinkel einen Schatten in der hellen Frühlingssonne, so springen wir auf, nehmen Großvaters Fernrohr in die Hand und notieren fleißig per Hand die neue Beute, später wird sie in das digitale Archiv eingetragen. Und heute ein schönes Geschenk von Vater Rhein und zwar tatsächlich in dieser Reihenfolge:
SOMNIUM BREVE, MAGIC, TIAMO.
Rheingerölle aus der Sammlung RW, Fotografie RW 2008
Ein treffendes Bild
Edward Hopper, A Room in New York, 1932
Im Newsletter «Gemeinsam einsam» des Bochumer Kunstvereins hat unser Freund, der Kunstwissenschaftler Richard Hoppe-Sailer, auf den Maler Edward Hopper aufmerksam gemacht. Im Internet tauchen Bilder dieses Malers jetzt häufiger auf. Scheinen sie etwas mittzuteilen, Momente unseres social distancing in Covid 19-Zeiten widerzuspiegeln? Schon Anfang Januar hatte mir eine Freundin von der sehenswerten Ausstellung des Malers in der Fondation Beyeler erzählt und ich hatte mir fest vorgenommen, nach Basel zu fahren. Eigentlich reagiere ich auf die Hopper-Potenzierung ein wenig kritisch, zu oft gab es die Night Hawks oder Morning Sun auf Sofakissen und Kaffeetassen, auch als billige Reproduktionen. Aber dieses Bild A Room in New York, das Richard Hoppe-Sailer in seinem Text bespricht, hat es mir angetan. Wir schauen von draußen, von den Bewohnern unbemerkt, in das Innere eines Raumes. Die Architektur der Fensterumrandung weist uns aber einen gehörigen Abstand zu. Es gibt keine Reflektionen von einer Fensterscheibe. Das Paar wirkt seltsam kalt (trotz der sich wiederholenden Rottöne im Bild), grell von oben beleuchtet, die Gesichter verschattet, die Köpfe gesenkt. Musik erklingt (noch) nicht, vielleicht gleich – nur ein einzelner Ton, der Mann hat (noch) nicht aufgeblickt von seiner Lektüre. Eine senkrechte Holztäfelung an der Wand, vielleicht eine Tür in den nächsten Raum, trennt das Paar, obwohl beide diese Fläche überschneiden. Unheimlich – eine in der Zeit angehaltene Beziehung – wie in einer Art Filmstill werden Tausende von Bildern des Lebens komprimiert. Ein Bild im Bild an der Wand zeigt das Draußen wie aus einer fernen Erinnerung – eine Landschaft mit Bäumen.
Brief zur Krise von Richard Hoppe-Sailer
Edward Hopper in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel, vom 26. Januar bis zum 17. Mai 2020.
Rheinsonntag
Wie verrückt geworden kommen die Leute in Wind und Sonne an den Rhein, fahren Rad, Skateboard, joggen, packen ihre Surfbretter aus und rasen in die Flutwellen der großen Containerschiffe. Jagen bis zur Erschöpfung von einem Ufer zum anderen. Dort umkreisen die Spaziergänger, immer nur zu zweit, die Schafe mit ihren frisch geborenen Lämmchen.
Das Aufschreiben der Schiffsnamen ist durch das WirbleibenzuHause geradezu beängstigend angewachsen: 614 Einträge haben wir nun schon, von AARBURG bis ZEUS.
Dass heute Palmsonntag ist, bleibt uns trotzdem bewusst.





