Neuerdings haben die schönen Eichelhäher meine Sympathie vollkommen verloren. Die Alarmrufe der Buchfinken, das Gezeter der Amseln und seltsame Flugattacken haben mich irritiert. In den Platanen am Rhein existieren wohl viele Brutstätten kleinerer Vögel. Die Eichelhäher kommen beobachtend näher, hüpfen von Ast zu Ast, um sich dann im Sturzflug direkt auf die Nester mit Jungvögeln zu katapultieren. Natürlich kenne ich die Regeln der Natur. Die einst scheuen Wächter des Waldes haben sich an das Stadtleben angepasst und finden bei anderen Stadtvögeln ausreichend Eiweißnahrung für ihre Jungen.
Jetzt ist wieder Ruhe und eine Amsel singt ein betörendes Mittagsliedchen.
Reisen

Im Jahre 2000 war ich in London, um unsere Schweizer Freundin Pia Fries zu besuchen, die dort Artist in Residence war. In ihrem Atelier trafen wir auch weitere Freunde, zwei angehende Kunsthistorikerinnen und einen feinen älteren Herrn, der sich mit mir über meine Sammlung der Zahl 23 unterhielt. Er schickte mir später in einem schönen Brief vom 23. Oktober 2001 eine englische Münze aus dem Jahr 1923.
Ich habe in London natürlich auch das National History Museum besucht, um die wunderbare, altertümlich präsentierte Mineraliensammlung zu sehen. Dort fand ich auch Exemplare von Schweizer Mineralien unter anderem auch Rutilkristalle aus dem Binntal. Genau in diesem mineralisch so besonderen Tal, in der Nähe des Albrunpasses, unweit von der Binntalhütte entfernt, hatte ich ja vor 22 Jahren meinen Initialstein gefunden – eine schwarzrote, längs geriefte, etwa einen Zentimeter hohe, relativ dicke Rutilnadel.
Trafalgar Square, London, Fotografie RW 2000
siehe auch meinen Blog-Eintrag vom 1. Februar 2020
Nicht Maus, aber Hase

Die chinesischen Tierkreiszeichen sagen für das Jahr 2020 die Ratte oder Maus an. Es gibt zwölf verschiedene Tiere, die immer wiederkehren je nach Jahr. Nach meinem Geburtsjahr bin ich Hase. Meine Geschwister sind Tiger, Drache, Affe, Hahn und Schwein. Zum Zeichen Hase meines Jahrgangs gehören die Glückszahlen 2 und 3. Die Glücksfarben sind Blau, Golden und Grün. Als Kind schon hatte ich Blau als meine Lieblingsfarbe angesehen und setzte sie synonym für schön. Gold ist eines meiner Lieblingsmineralien, Grün ist die Mischung aus Blau und Gold. Die 23 ist meine Zahl. (siehe Ruth23weber.de)
Heute ist der 23. 5. 2020. Ein besonderer Tag, denn 5 ist die Quersumme von 23. Und morgen hat die Schwester mit dem Tierkreiszeichen Hahn Geburtstag. Ich besuche sie aber schon heute am 23. Mai.
Goldmünze Lunar III Maus 2020, Fotografie RW2020
Nähe

Vor dem leibhaftigen Farbkasten des genialen Malers Gustave Moreau stehend, frage ich mich, ob hier noch Spuren seines Lebens erhalten sind. Eine Wimper oder Hautschuppe des Künstlers. Oder noch winzigere DNA, für das menschliche Auge nicht sichtbar, nur mit dem Elektronenmikroskop erfassbar. Was könnte angesichts dieser Spuren erforscht werden, welche Gene der Maler hatte? Wo kam die Familie her, wer sind die Nachfahren, sind da auch Künstler dabei? Welche Farben benutzte er? Waren sie giftig? Welche Vorlieben bei der Ernährung hatte er, welche Krankheiten, wie war das Pariser Klima zu seiner Zeit? (Gustave Moreau – 6. April 1826 in Paris; † 18. April 1898 ebenda) Arbeitet die Gustave-Moreau-Forschung an solchen Themen? Ich denke bei meinem Empfinden angesicht des alten Farbkastens eher an die Rezeptionsforschung, insbesondere an das Stendhal-Syndom oder Florenz-Syndrom, wenn Kunst zu nah wird… Stendhal schreibt um 1817 «Ich befand mich bei dem Gedanken, in Florenz zu sein, und durch die Nähe der großen Männer, deren Gräber ich eben gesehen hatte, in einer Art Ekstase. […] Als ich Santa Croce verließ, hatte ich starkes Herzklopfen; in Berlin nennt man das einen Nervenanfall; ich war bis zum Äußersten erschöpft und fürchtete umzufallen.»*
In dem großen Atelier und ehemaligen Wohnhaus von Moreau in Paris atmet man heute noch den Geist des 19. Jahrhunderts und die Spuren der Vergänglichkeit sind zum Glück nicht beseitigt. Hoffentlich bleibt das so und das Museum wird nicht renoviert, mit Displays und anderem störenden Schnickschnack versehen. Hier kann man das umfängliche Konvolut von Malereien und Skizzen studieren, zum Teil in riesigen Planschränken gelagert. In einigen Räumen sind auch persönliche Dinge erhalten. Chinesisches Porzellan, eine Krügesammlung, Andenken von seinen Reisen nach Italien und Griechenland, ein großer Glassturz mit funkelnden exotischen Vögeln – Kolibris, Kleinspecht, Pitta und Gimpel auf mit Papierblüten und -blättchen bestückten Zweigen – so überladen und schillernd wie viele Gemälde des Künstlers.
Im Augenblick ist das Museum noch wegen Corona geschlossen.
Im Musée National Gustave Moreau Paris, Fotografie Jan Kolata 2017
* Stendhal: Rom, Neapel und Florenz In: Stendhal: Gesammelte Werke (Hrsg. Manfred Naumann). Rütten und Löning, Berlin 3. Auflage 1985, S. 229 f.
Blassblauviolett

Die Farbe der Feldblumen ist die Farbe der Dämmerung. Erneut zieht das Licht des Tages hinter den Horizont. Heute Mittag, als ich vom Friedhof zurückfuhr, sah ich das Nummernschild DU RW 2301. Ich nehme es als glückliche Anrede dieses einen Tages.
Blaue Blumen am Feldrand, Fotografie RW 2020
Erinnerungsreise nach Greifswald
Wir waren in den hohen Norden gereist, ziemlich weit ostwärts an die Küsten des baltischen Meers. In dieser Gegend suchten wir die Motive des Malers. Richtig verstanden, wohl gemerkt. Denn Caspar David Friedrich setzt in seinem Bild die Ruine Eldena bei Greifswald vor die Höhen des Riesengebirges (!). Seine Zeichnungen und Aquarelle der Ruine, um 1815 vor Ort entstanden und Zeichnungen im Riesengebirge (1810) führen uns auf den Weg, wie er seine Gemälde konzipiert. Im Atelier setzt Friedrich eine erfundene, gleichwohl empfundene Landschaft aus seinem Skizzen- und Studienkonvolut zusammen.
Das mittelalterliche Zisterzienserkloster Eldena (Hilda) wurde schon im Dreißigjährigen Krieg zerstört und geplündert und später als Steinbruch für Bauten der Stadt Greifswald ausgebeutet. Auf einer Skizze Friedrichs sieht man auch das einfache Haus eines Bauern, der sich in den Resten des Klosters niedergelassen hatte. Erst ab 1827 wurde die Ruine dank der Initiative des preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm (1795–1861) im Sinne des romantischen Gedankens geschützt und mit einem Park versehen. Die fehlenden Langhauspfeiler des Kirchenschiffs wurden mit Eichen ersetzt. Der alte Baumbestand ist zum Teil heute noch erhalten und schützt ein wenig vor der Sicht auf die banale Alltagsarchitektur der umliegenden Gebäude des Parks. Innerhalb der Gemäuer der Ruine klaubten wir ein paar Ostseegerölle vom Boden auf, in der Hoffnung, dass sie aus der Entstehungszeit des Klosters (Anfang des 13. Jahrhunderts) stammten. Denn Gerölle und Geschiebe aus den Moränen der Eiszeit, insbesondere Feuerstein, Gneise und Granite aus Skandinavien, hatten wir als füllendes Baumaterial innerhalb des dicken Backsteingemäuers der ehemaligen Klosterwände gesehen.
Ruine Eldena im Riesengebirge, Caspar David Friedrich, um 1830/34, Pommersches Landesmuseum Greifswald, Fotografie RW, 2016
Ruine Eldena Greifswald, Fotografie RW, 2016
Stella hexagon

Ein fragiler Gast. Er vollführt keinen Flug am Rheinhimmel, seine zwei Flügel sind geschlossen. Die Halteren, das sind die Schwingkölbchen, sind deutlich als dunkle Pünktchen darunter zu sehen. Die feinen Äderchen der Flügel sind wunderschön austariert, ornamental, Vorbild für zoomorphe Erfindungen des Jugendstils. Die Beine sehr gleichmäßig gestreckt, wie beim homo vitruvianus. Nur haben wir hier nicht fünf, sondern sechs Strahlen. Stella hexagon – ein kurzes erstaunliches Leben am Rhein.
Schnake am Rheinfenster, Fotografie RW, Mai 2020
siehe auch den Blog-Eintrag vom 6. August 2019
Glück
Was haben wir für ein Glück. Das schöne Wetter hält an. Unsere Wege bleiben die gleichen. Natürlich haben wir am Rhein die Schiffsnamen weiter notiert. Über 900 sind es jetzt schon… Und MUCKI war in den letzten Tagen der Favorit.
Heute fanden wir eine kleine Scherbe am Fluss, die sehr alt sein muss. Sie weist das an römischen oder anderen antiken Gläsern typische Irisieren auf. Überwiegend blau schimmert das Glas auf der konkaven Fläche und auch an der Kante. Sonst ist es bräunlich und sehr stark zerstoßen. Entstanden ist diese Regenbogenpatina durch chemische Prozesse mit Fremdstoffen, die durch die lange Lagerung im Erdreich oder Wasser in die Glasoberfläche eindringen konnten.
Wahrscheinlich bloß eine olle Bierflaschenscherbe…





