Korona cupriana


Neue Zusammenstellung aus dem Atelier. Gediegen Kupfer mit Muttergestein, gefunden in Michigan USA, auf einem Schwemmholz, gefunden am Rheinufer in Düsseldorf.

Kupfer und Holz, Fotografie RW, 2020, mehr «pedestals for rare things» auf @ruth_und_louis

Jetzt schon zwei

Heute sind schon zwei Mauersegler da,
ich sah sie fliegen, ziemlich niedrig,
in schnellen Kurven Insekten fangend,
hörte auch ihre schrillen Rufe.
Ein bisschen diesig ist es heute,
aber es will nicht regnen.
DEO JUVANTE fuhr wieder vorbei,
gegenüber am anderen Ufer.
Man hatte zum Rhein hin
ein großes Banner aufgehängt,
um die Helden des Alltags zu ehren.

Düsseldorfer Rheinufer zu Altstadt hin, Fotografie RW April 2020
siehe auch den Beitrag vom 8. März 2019

Korrektur im Archiv

Das ist ja alles nicht wahr, was auf Fotografien suggeriert oder behauptet wird. Als Zeitzeugen sind wir in der Lage zu korrigieren. Der goldgelbe Hippie-Mantel, der farblich so schön, fast komplementär zu den Blautönen im Bild passt, gehörte ebenso wie die gelbe Tasche nicht der Dargestellten, sondern dem Studenten A, der sie auf einen Trip nach Amsterdam eingeladen hatte. Schmetterlinge in bunten Farben auf Papier gemalt und dann ausgeschnitten auf der Wand dekoriert – das wäre das Allerletzte, was die Studentin im zweiten Semester an der Kunstakademie Düsseldorf produziert hätte. Sie empfand das Motiv schon damals als abgegriffen … und so banal, die Assoziationskette junge Frau, Blumen, Hippie und Schmetterlinge… Auch der Raum, in den sie gebeten wurde, war nicht ihre Klasse, die war unten im Parterre in den Räumen 19 und 20, die Klasse von Professor Joseph Beuys. Der Fotograf hatte sie gebeten, in einem kleineren Raum im ersten oder zweiten Stock auf der blauen Kiste Platz zu nehmen. Er wanderte damals durch die Flure der Akademie, um Studierende (überwiegend Frauen) zu fotografieren. Einmal hatte sie beim Aufsteigen zu den Räumen der Maltechnik zufällig gesehen, wie er ein unbekleidetes Modell zwischen den Gipsen antiker Statuen unter dem Dach der Kunstakademie fotografierte.
Er wolle die Aufnahme mit ihr noch einmal wiederholen, deutete er an, als er die fertigen Ektachrome der oben Dargestellten zeigte. Man spüre den Fotografen zu sehr auf dem Bild, die Porträtierte sei also nicht ganz sie selbst gewesen. Sie hatte keine Lust auf ein weiteres Treffen, sie lehnte ab. Wahr ist aber ihre Kleidung auf dem Bild, das weiß sie genau, sie hatte sich nicht verkleidet. Dunkelbraune Cordjeans mit Schlag und ein selbst gefärbtes Baumwoll-Rippenhemd, der kleine blaue Madonnenanhänger, vom Großvater aus Rom mitgebracht, die wildledernen Boots. Die Haare wollte sie sich wachsen lassen und ihre Brille nur noch in den Seminaren der Kunstgeschichte tragen.

Studentin der Kunstakademie Düsseldorf, Fotografie von 1971,
Archiv RW 2020

Nachtmahr

Übungen nachts zwischen 2.30 Uhr und 5.00 Uhr

Das kleine Einmaleins aufsagen.
Die Besonderheit der 9er-Reihe erkennen.
Daraufhin das große Einmaleins versuchen.
Die Einfachheit der 19er-Reihe erkennen.
Das Nichts denken wollen.
Ganz kurz aufstehen, um am Himmel nach Sternen zu suchen.
Die Ohren spitzen, um Geräusche zu hören, die nicht da sind.
Das Rauschen im Ohr herausfiltern.
Um 3.38 Uhr den Zeitungsboten hören.
Alle Überlegungen zum Tage verbannen.
Das jede Stunde wiederkehrende Schleifen
der Straßenbahn zur Ruheformel werden lassen.
Das rote Licht des Rauchmelders alle 45 Sekunden als feindliches Signal werten.
Die Lage der herabhängenden Hand als gültig akzeptieren.
Nicht auf den Morgen warten.

Filmstill aus «Der Gorilla von Soho» von Edgar Wallace, Fotografie RW, 2020

Archivieren

In diesen vielen Stunden zu Hause betrachten wir unsere Sammlungen. Sortieren, ordnen, forschen wir wie Archäologen nach Alter, Herkunft und einstiger Bestimmung der Artefakte. Das gelingt uns nicht immer. Dann geben wir uns zufrieden und freuen uns an ihren Farben und Formen. Und vor allem erinnern wir uns an die vielen Fundorte, die wir ja dokumentiert haben. Hier waren wir frei durch die Landschaften gestreift, an den Hängen hochliegender Burgen im Sauerland, an den Flussufern des Rheins und der Mosel, in Baugruben der rheinischen Städte und bei römischen Brennöfen der Eifeler Wälder und nahe gelegenen Äcker.
Wir haben auch die leidenschaftlichen Sammler an den Ufern der Themse entdeckt: sie betreiben das Mudlarking. Sie finden im Uferschlamm Artefakte aus allen Zeiten der Geschichte Londons. Es sind Künstler und Kunsthistoriker darunter, die ihre Funde bestimmen können und Vergleiche mit Museumsstücken veröffentlichen. Das macht die Sache so spannend.

Artefakte aus der Sammlung RW, Fotografie RW 2020
Auf instagram zum Beispiel @jasonmudlark, @flo_finds 
oder @london.mudlark

Ankunft

Wenn der Wind richtig steht, ist der Rhein manchmal so glatt wie ein See. Eine ganz besondere, ruhige Stimmung. So an diesem frühen Abend, wenn die Flusstouristen sich verzogen haben, es wieder kälter geworden ist, wie es der April eigentlich vorschreibt, kann ich das glatte Streichen des Wassers sehen.
Am nächsten Morgen schaue ich erneut auf den Fluss und erinnere mich an das schöne Licht vom Vorabend, die Schafherde auf dem anderen Ufer ist allerdings weitergezogen und – in den Himmel blickend sehe ich leicht und gaukelnd, nicht torkelnd, den einzelnen Mauersegler. Welch eine Kraft muss er haben, als Vorflieger, als früher Bote. Er hat die widrigen Winde gemeistert. Er kann sich ausruhen in der warmen Dachluke und später weit in den Himmel steigen, um nach Fliegen und Mücken zu suchen, die in den letzten warmen Tagen am Fluss sicher schon geschlüpft sind.

Glatter Rhein am Abend, Fotografie RW, April 2020

Das kann nicht sein

Gestern am frühen Abend sah ich einen einzelnen Mauersegler direkt auf die Lücke unter unserem Dach zufliegen, in der die Vögel jedes Jahr Quartier einnehmen. Schon so früh – so früh war ihre Ankunft noch nie. Und es stand doch letztens in den Zeitungen, dass ungewöhlich viele Mauersegler und Schwalben in Griechenland verendet seien, wohl aus Erschöpfung, da widrige, sehr starke Winde sie von der Route abgetrieben hätten… Oder hatte ich mich getäuscht und es war eine Fledermaus, aber nein, dafür war es noch zu hell… Aber so wie mir der Flug in Erinnerung ist, war es wohl doch eine Fledermaus, weil sie so torkelnd flog.

Mauersegler am Rhein, Fotografie RW 2019

Frohe Ostern


Der Leib ist klar, klar wie Kristall,
Rubinen gleich die Wunden all,
die Seel durchstrahlt ihn licht und rein
wie tausendfacher Sonnenschein.
Halleluja, Halleluja!
Zu Ostern eine Erinnerung an die zweite Strophe eines Kirchenliedes, modernisierter Text, ursprünglich verfasst von Friedrich Spee (1623)

Topas im Licht, Fotografie RW 2018, farbloser klarer Topas, Fundort Afghanistan, Sammlung RW

666

Jetzt ist es wohl an der Zeit, die Schiffsnamensammlung abzuschließen, nachdem wir heute die Zahl 666 erreicht haben. Am besten hat uns der Name des Schiffes TRANSITORIUS gefallen, der mit bei den letzten Einträgen war.

Blick aus dem Zugfenster auf den Rhein bei Kaub, Fotografie RW 2015