Die Zahl π


Die letzten zehn Ziffern von 62,8 Billionen Nachkommastellen der Zahl Pi sind von Schweizer Wissenschaftlern benannt worden. Es sei nicht wichtig, dass man jetzt die Nachkommastellen genau benennen könne, sondern dass man den Weg zur Errechnung der Ziffernfolge wisse. Die Bewältigung riesiger Datenmengen in der Forschung wird mit Hilfe von Mega-Computern erledigt, was noch vor Jahrzehnten nicht möglich war. 108 Tage hat es gedauert, bis man die letzten Ziffern hatte. 7 8 1 7 9 2 4 2 6 4 heißen sie. Das geht aber noch weiter, da die Zahl Pi, wie man heute weiß, unendlich ist.  In der Medizinforschung, in der Astronomie und anderen Wissenschaften, wo Millionen Daten berechnet werden müssen, kann man nun erheblich schneller zu Ergebnissen gelangen.
Ich hab ein bisschen gezählt und gerechnet. Natürlich verbirgt sich die 23 in den hier im Text genannten Zahlen, aber nur fast. Zählt man die ersten 4 Ziffern der letzten zehn Nachkommastellen zusammen ergibt sich 23, zählt man die ersten 5 Zahlen zusammen, kommt man auf 32. Zählt man alle Zahlen zusammen, ist es die 50… die 5 ist die Quersumme von 23 und 32… ein bisschen gertrickstert klar. Aber das macht eben Freude.

Seifenblasen, Fotografie RW, 2021

Aus Afghanistan

Vor mehr als 20 Jahren hatte der indische Prinz verschiedene edle Steine mit der Herkunft Afghanistan gekauft – Aquamarin, Hiddenit, Kunzit, Hekmanit, Lapis Lazuli und Phlogopit. Ihre Fundorte heißen Badakhshan und Kunartal, Nuristan. Er legte die Steine heute vorsichtig auf seinen kostbaren Teppichen aus. Diese waren aus der Wolle der Ziegen geknüpft, fast alle tief dunkelrot mit feinen schwarzen, auch dunkelblauen und ockerfarbenen Mustern – aus Herat, Kabul, Kandahar. Von den Belutschen hatte er kurz nach dem 11. September 2001 einen sogenannten Kriegsteppich erworben, graublau, darauf in stilisierten Ornamenten Panzer, Flugzeuge, Maschinengewehre und zwei Türme.

Aquamarin aus Afghanistan, invertierte Fotografie RW, 22. August 2021

Verwirrung an Maria Himmelfahrt


Am Tag der kirchlichen Trauung ihrer Tochter trug die Mutter eine weiße Bluse. Sie hatte die goldene Königskette angelegt und eine lange Perlenkette dazu. Ich weiß, dass sie dieses lange Sautoir sehr mochte und es später nicht schön fand, dass die Perlen zu einer zweireihigen, engen Halskette umgearbeitet wurden, nur weil ein rubinbesetztes Kettenschloss übrig war. Am rechten Ringfinger kombinierte sie mit ihrem Ehering einen weißgoldenen Brillantring. Den Ring mit dem 0.42 Karäter hatte sie von ihrem Ehemann bekommen. Am Mittelfinger der linken Hand trug sie einen goldenen Ring mit 5 Brillanten (was mich wundert, war er ihr zu weit für den Ringfinger geworden? Überhaupt sieht sie auf diesem Foto sehr schmal aus) ebenfalls von ihrem Mann geschenkt, vielleicht aus Anlass der Geburt des fünften Kindes.
– Nun bin ich komplett verwirrt, die rechte Hand ist links und die linke rechts. Ist das Foto seitenverkehrt? Nein, das konnte ich anhand anderer Details überprüfen. Trug sie den Ehering links, weil ihr sämtliche Ringe zu weit geworden waren? Ich sehe auch eine Uhr unter ihrer Blusenmanschette hervorblitzen, die Uhr trägt man links. Außerdem hält sie ja mit rechts die Kuchengabel und sie war Rechtshänderin –
Die Mutter war vor dem Hochzeitstag beim dörflichen Friseur gewesen und hatte sich, was außerordentlich selten war, die Fingernägel lackiert. Für die Hochzeitsgäste hatte sie am Nachmittag kleine Kirschtörtchen vorbereitet.
– Weiß die Mutter, dass sie fotografiert wird ? Sie lächelt mit geschlossenem Mund. Sie blickt nicht auf, schaut auf ihren Kuchenbissen –
Aus ihrer feinen Miene, die ich ja sehr gut gekannt habe und die oft wie von innen kontrolliert wirkte, schließe ich, dass sie an diesem Tag doch sehr froh und stolz war.

Am Kaffeetisch, Fotografie 1983, Familienerbe RW

Virtuell

Ein simpler Spiegel kann uns schon verstehen machen, dass die Welt nicht nur wirklich sein könnte, sondern auch zumindest in Teilen illusionär. Elon Musk glaubt, das las ich heute in der Zeitung, dass die Welt reine Simulation sei, gesteuert von einem gigantischen Rechner. Die rasante technische Entwicklung zur Generierung virtueller Welten in den letzten Jahren würde dies bestätigen. Verstanden hab ich’s nicht. Doch hört es sich für mich sehr traditionell an, ist dieser Rechner der Schöpfer oder/und füttert Er ihn mit Daten seit etwa 13,7 Milliarden Jahren?

In der Ausstellung Alicja Kwade, Langen Foundation, Neuss, Fotografie RW, 2021

Falsche Natur


Überkopf wurden die Bretter mit der Holzfototapete wiederholt, so dass sich zwei identische Motive treffen. Hat der Bodenverleger das Bild auch gesehen, dass ich auf dem Fußboden eines Eifeler Hotels fand? Dieses Bild – Abbild des blinden Sehers – wie für mich geschaffen. Lacht er mich aus oder in sich hinein? Ich erinnere mich sofort an Max Ernst, wie er in rheinischem Singsang von seiner Histoire Naturelle erzählt. 1925 in einem Hotel am Meer den Holzfußboden betrachtet, die besonderen Maserungen der Dielen mit dem Bleistift auf ein Stück Papier abfrottiert und ein Jahr später seine schönen Frottagen als Naturgeschichte herausbringt.

Verlegefehler im Laminat, Fotografie RW, 4. August 2021

Lucky Tree 23

So ein glücklicher Baum, dachte die steinalte Sophia auf ihrem Spazierweg, er trägt ein Zeichen, das genau das heutige und das morgige Datum erwischt. Der 2. August verliert schon ein wenig an Sättigung und der 3. August verspricht ein geheimnisvolles Glühen. Beschwingt ging sie weiter – rund um den See in der regenreichen Waldlandschaft. Da brach die Sonne durch die Wolken. Sophia nahm Luft und Licht tief auf und empfand eine große Dankbarkeit ob ihrer kleinen Erlebnisse.

Gezeichneter Baum in der Eifel, Fotografie RW, 2. August 2021

Kostbare Sockel für seltene Dinge

Da ist es – mein Buch.
Es ist in Leinen gebunden, hat 172 Seiten mit 76 farbigen Bildern. Sie zeigen Mineralien, Fossilien, Artefakte aus meiner Sammlung auf eigens dafür erfundenen Sockeln. Im Buch verteilt stehen auf 23 (!) Seiten Gedichte und Sätze von Nora Gomringer und Gedichte von Steffen Popp den Bildern gegenüber.
Ein Dialog zwischen mir und meinem Bruder Gregor J. M. Weber führt in die Thematik des Sammelns seltener Dinge und in die Geheimnisse der Kunst- und Wunderkammern ein.
Gestaltet hat das Buch Anke Berßelis. Es erscheint im Salon Verlag & Edition, Köln und über die Buchhandlung Walther König kann man es erwerben.
https://www.salon-verlag.de/book/kostbare-sockel-fuer-seltene-dinge/

 

Herzstärker, Hirnleuchter


Ein Bild finde ich ohne großen Aufwand, ich selektiere wissenden Auges. Den Ausschnitt, das Componere, kann ich hinterher allerdings noch manipulieren. Auf meine Vorlieben für Kontraste, Farben, Formen, Rhythmen, Ordnungen und ureigene Archetypen verlasse ich mich blind. Blind trifft für mich in diesen Tagen zu, da die Reichweite mit dem Körper aufsuchbarer Bilder klein ist, wogegen die immense Bilderflut medialer Art zu groß geworden ist.

Aufgefundenes Bild vom Rheinufer, Fotografie RW, Juli 2021

Fremdkörper

Komm her tilo komm tilo komm tilo tilo schreit der mann am rhein bei drückender temperatur es ist kühl aber schwer der graue tag die kleine scherbe macht ein gesicht wie sieben tage regenwetter ein hohn angesichts der flutkatastrophe ich gab ihr einen roten thron trotzdem weil es mir gefiel die kleinen augen so nah am rand.

Porzellanscherbe in Lilie, Fotografie RW, 24. Juli 21