Der Elfenbeinturm des indischen Prinzen ist nicht aus den Stoßzähnen eines prähistorischen Olifanten, sondern aus leicht transluzentem Carrara-Marmor gemacht. In Italien ließ der Prinz die Stockwerke, Stufen, Fensterchen und Türmchen in präziser Säge- und Meißelarbeit aus einem soliden Block herausarbeiten. Den Vorwurf des Kitsches wies er weit von sich. Stattdessen hatte er für das Türmchen in der Stadt am Rhein ein großes Gebäude als Aufbewahrungsort in Auftrag gegeben. Auf der 23. Etage des großen Ebenbildes sollte das kleine Kunstwerk in einem gläsernen Tresor stehen. Das große Gebäude war fast 90 Meter hoch und bislang mit Baugerüsten und Planen abgedeckt. Die Passanten auf der Königsallee ließ das Ganze unberührt. Sie gingen vorbei, schauten vielleicht einmal in ein Schaufenster oder auf das Display ihres Smartphones.
Eingerüstete Johanneskirche in Düsseldorf, Beitrag zum 23. 9. 23, Fotografie RW

In der Früh verfolgen sich zwei Eichhörnchen nur zum Spaß auf den borkigen Ästen der kaukasischen Flügelnuss. Die grünen Halsbandsittiche kreischen, aber wenig aufdringlich. Ein Morgentaunebel bildet den Hintergrund. Die jungen Fruchtstände am Baum hängen sehr altmodisch wie Christbaumlametta unter den gefiederten Blättern. Eine Taube ist allein, sucht weiter unter dem Baum unbeirrt nach Krumen. Aber die Elstern, die Elstern hab ich vergessen, sie scheppern ein wenig dazwischen. Die sonnigen grünen Schattenflecken auf dem Rasen zeigen den kommenden Mittag und so schlägt auch die nahe Kirchenglocke zur elften Stunde. Ein schöner Ort.





