Katsushika Hokusai –
Gewitter, Regenstreifen, die Welle,
konserviert in Achat.
Non manu factum.
Die Natur als Meisterin.
Aurum
Gold, Element mit der Ordnungszahl 79, nahezu unvergänglich,
wie alle schweren Metalle der Erde aus dem All kommend,
in einem Supernova-Kernkollaps entstanden.
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Durch Erbe erhalten, mit Leid und Freuden der Vorfahren aufgeladen.
Ein junger Ingenieur erhält die goldene Taschenuhr an Weihnachten 1925,
kurz danach stirbt er bei einer Testfahrt im Automobil.
Sein Neffe erbt 1941 die Uhr als 14-jähriger,
stolz darauf in den Krieg ziehen zu können.
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Wir werden das neue Goldmuseum in Frankfurt besuchen und prüfen, ob wir mit der spektakulären Präsentation des edlen Metalls einverstanden sind.
Geerbte Taschenuhr, Sammlung RW, Fotografie RW 2019,
Goldkammer Frankfurt, Kettenhofweg 27, 60325 Frankfurt am Main
Irdische Farben
Widerschein
von Scharlachrot auf leichenblasser Haut.
Perlmutterfarbe, Venenblaugrau,
Steinfarbe, Lakenfarbe
Blutfarbe, Strohfarbe.
Vermittelndes Grauviolett,
komplementäres Grün.
Kornähren und Blut
Eucharistie
Christi Himmelfahrt
Peter Paul Rubens, Grablegung, Detail, um 1612, J. Paul Getty Museum , Los Angeles, Fotografie RW, Frankfurt 2018
Auf der Suche
Versuch, die unbedeutenden Dinge zu beobachten und zu beschreiben, um durch sie zu einer in ihnen verborgenen Substanz (des Lebens) zu gelangen. Dabei ist es förderlich, sie auf einen anderen Untergrund zu legen und damit neue Zusammenhänge zu generieren.
Scherben von Steinzeug, gefunden auf einem Acker bei Speicher in der Eifel, ausgelegt auf geerbten Teppichen, Fotografie RW, 2019
Juwelenmantel
Auf maigrünem, weichem Grund lagen feine Perlenschnüre aus Bergkristall. Sternförmig sollten sie sich ordnen, aber einige begannen zu tanzen und zu schweben, fielen aus dem breiten Mantel heraus. Als Verschluss diente ein großer glatt polierter Cabochon, ebenfalls aus wasserklarem Quarz, der mit seiner radialstrahligen Inklusion den Höhepunkt der Garnitur bildete.
Regentropfen auf Frauenmantel, Fotografie RW, Eifel 2019
Gelassenheit
Zeitlebens werden wir auf Reisen gehen, auch wenn die Haare grau werden und der Stock dem unsicheren Gang eine willkommene Stütze sein wird. Dabei werden wir uns den Zeugen vergangener Zeiten nähern, die weit vor unserem Leben im Abendlicht bei ruhiger See in den Hafen fuhren, im Winterwald die Morgensonne sahen oder einen kleinen Maßliebchenstrauß in eine einfache Vase stellten. Zwischendurch werden wir uns eine Ruhepause gönnen und fragen, warum ausgerechnet die Lichtung im verschneiten Wald uns so gut gefällt.
Für meine zweitjüngste Schwester CD, die heute Geburtstag hat.
Gemäldesammlung, Teylers Museum Haarlem, NL, Fotografie RW 2013
Wohltemperiertes Klavier
Wieder höre ich Bach, Präludium und Fuge Nr. 10, in B Moll, BWV 855a gespielt von Víkingur Ólafsson. Er sagt: «Nach meiner Überzeugung ist Bachs Musik größer als jedes Individuum, jede Generation, jedes Gedankengebäude. Bachs Musik ist sogar größer als Bach selbst.»
Die Amsel kommt wie gestern wieder hinzu, sie sieht ziemlich schwarz und nass aus, zetert aber nicht. Der Regen hat die Rheinlandschaft verschleiert, das Schiff DONAU fährt Richtung Basel.
Die schwarzroten Pfingstrosen fotografierte ich im April 2014. Zunächst in Farbe, dann in Schwarzweiß, weil ich mit der neuen Kamera die schwierigen Rottöne ausprobieren und ihre Kontraststärke in Schwarzweiß vergleichen wollte.
Zum dritten Mal kommt jetzt die Amsel auf ihre erhöhte Position des Fahnenmasts und zuckt manchmal zusammen und schüttelt sich, wohl um ihr Gefieder ein wenig von der Nässe zu befreien.
Für AEW 1922 – 2014
Johann Sebastian Bach, Víkingur Ólafsson, Label: Deutsche Grammophon
Pfingstrosen, Schwarzweißfotografie RW, 2014
Zeit und Musik
Merkwürdig – eher zufällig stieß ich in meinen Datenbanken auf diese Fotografie. Vor genau zwanzig Jahren habe ich sie im elterlichen Garten aufgenommen. Die Pfingstrosen blühen jetzt Ende Mai auf, es muss damals auch etwa diese Zeit gewesen sein. Während ich hier schreibe, höre ich Bachs «Aria variata in A minor, BWV 989» gespielt von Víkingur Ólafsson. Glen Gould hatte ich vorher mit demselben Werk gehört. Nichts sage ich zur Musik, weil ich hier kaum beschreiben kann oder gar beurteilen will. Aber ich weiß, dass ich Bach liebe und diese beiden Virtuosen bewundere. Meisterhaft! Doch eins sei gesagt: diese Musik scheint unsere Zeit zu zählen. So schön, dass man sie immer wieder hören darf.
Draußen regnet es, es ist nicht kühl, die große Tür zum Rhein steht auf, eine Amsel warnt, die Mauersegler jagen durch die Luft.
Ich empfehle, um nicht nur die Musik, sondern auch das Schauen auf gelebte Zeit besser verstehen zu lernen, Hanns-Josef Ortheils neues Buch «Wie ich Klavierspielen lernte».
Pfingstrose, (damals) analoge Fotografie RW, 1999
Vergessen
Im Frankfurter Historischen Museum fanden wir in einer Vitrine unter Hunderten von Zetteln auch eine Botschaft für unsere 23-Sammlung. Hier zentral im Bild. Angeblich sei dem von großen Sorgen geplagten Papst Johannes dem XXIII. im Traum ein Engel erschienen und habe ihm bedeutet: «Nimm dich nicht so wichtig, Giovanni!» Das habe ihn gelassener gemacht, so dass er wieder ruhig schlafen konnte. Diese Episode muss den Schreiber dieser zahlreichen Zettel so beindruckt haben, dass er sie nicht vergessen wollte. Seine Tochter hat die vielen, in der ganzen Wohnung verteilten Zettel nach dem Tode ihres an Demenz erkrankten Vaters aufgesammelt. Über drei Jahre hinweg hatte er alles notiert, was er sich nicht mehr merken konnte.



