Der Meteorit

Ein heftiger Meteoriteneinschlag erschütterte die Nacht. Durch ein gewaltiges Pfeifen und Brausen hatte er sich angekündigt. Fensterscheiben barsten. Im Haus an der großen Landstraße stand ich und sah über die weiten Felder hinweg die Zerstörungen des Einschlags. Es war der Blick aus einem Fenster der Kindheit. In meinem Traum war ich Zeuge der Ereignisse und verspürte keine Angst.

Detail einer Zeichnung von Anita Oettershagen, Mischtechnik, Tusche und Ölfarbe auf Papier, 2019, Fotografie Ruth Weber
Traum RW von gestern Nacht

Rechnerei

Ein unwirkliches Licht
gesehen an einer alten Haustür
in Düsseldorf.
Am 23. 9. 2019.
Quersumme 2051 oder 26,
je nachdem wie man rechnet.
Quersumme 8 in beiden Fällen.
Was soll ich mit der 31?
23 + 8 = 31
Verblüffend!
31 + 23 = 54
Quersumme 9,
Aha – September,
also doch geheime Botschaften in dieser Rechnerei.

Gedächtnis

Die Schnecke hat ihr Haus verlassen,
der Baum hat seine Früchte abgeworfen,
das Licht hat seine Schatten gesetzt.
Ehe man sich versieht, sind sie verschwunden.

Für meinen Vater, der heute 96 Jahre geworden wäre.

Auf dem Friedhof, Fotografie RW, 2019
An der Wand, Fotografie RW, 2019

Drei in Variation

Eine neue Arbeit aus unserem Atelier. Gedacht als Träger für Mineralien und Rheingerölle, hier mit Melaphyren (Alter ca. 290 Mio. Jahre, Herkunft aus dem Saar-Nahe-Gebiet) vom Rheinufer bei Düsseldorf

«Drei» Bronze und Rheingerölle, 26,5 x 17,5 x 10 cm, Kunstgießerei Schmäke, Düsseldorf September 2019

Drei

Eine neue Arbeit aus unserem Atelier. Gedacht als Träger für Mineralien und Rheingerölle, hier mit Fluorit, Ametrin und Amethystzepter mit Libelle (bewegliche Inklusion von Wässern oder Gasen aus der Entstehungszeit des Minerals)

«Drei» Bronze und Mineralien, 26,5 x 17,5 x 10 cm, Kunstgießerei Schmäke, Düsseldorf September 2019
 

Das Gedicht des Kindes

Und das war so:
Ich las in der Zeitung einen Beitrag des Schriftstellers Guntram Vesper über die Erinnerungen an sein Groß-Elternhaus in Ostdeutschland, das er schon früh verlassen musste, weil die Familie in den Westen floh. Nach 65 Jahren fährt er zurück nach Frohburg in sein Geburtshaus. Wie an anderer Stelle berichtet wird, soll er schon als Schulkind der ersten Klasse Texte verfasst haben, genannt erstes und zweites Weltgedicht.
Sofort erinnerte ich mich an meine eigene Kindheit, wie ich im Traum ein Lied erfand, eine Wendeltreppe auf- und absteigend. Geh ich in die Welt hinaus, geh ich in die Welt hinein. Dies sang ich mit einer einfachen Melodie.

Es ist doch so:
Wenn die Schriftsteller von den Dingen ihres eigenen Lebens erzählen, sind sie für mich am berührendsten. So auch bei Vespers Artikel. Er formuliert sehr knapp, fast so wie man jemandem etwas unmittelbar erzählen will und sich nicht mit Nebenschauplätzen aufhalten oder durch Ausschmückungen beindrucken will. Mir gefiel das und ich werde mir sein Buch «Frohburg» kaufen, um mehr über ihn zu erfahren.
Bei der Lektüre von Hanns-Josef Ortheils Büchern widerfährt mir Ähnliches. Zuletzt in «Die Mittelmeerreise» und in «Wie ich Klavierspielen lernte». Beide schönen Bücher handeln unmittelbar von seinem Leben. In seinem Blog spricht Hanns-Josef Ortheil vom Lebensbuch dieses Herbstes (Eintrag vom 3. September). Sein akutes Lebensbuch ist das bei Matthes&Seitz neu aufgelegte Exemplar von Roland Barthes’ «Über mich selbst». Wieder und wieder hat er es gelesen, Anmerkungen will er hineinschreiben, ja auf die blanken Passagen der Seiten sogar tagebuchartige Aufzeichnungen notieren.
So schaut man bei den anderen, was sie sagen von ihrem Erleben und erkennt sich darin wieder. Ortheil: «Sie (die Lebensbücher, Anmerkung RW) kommen mir vor wie „für mich geschrieben“, als wären die jeweilige Autorin oder der jeweilige Autor mit mir verwandt.»

Verlassene Straße, Otzenrath, Fotografie RW 2005
Geräumter Friedhof, Otzenrath, Fotografie RW 2005
FAZ von heute «Schiebetür, aufgeschoben» von Guntram Vesper

Doppler

Ich kann in zwei Welten, mindestens, gleichzeitig leben.
Ich kann Perspektiven ausloten,
Räume besuchen, Entfernungen schätzen.
Ich kann Unschärfe von Schärfe unterscheiden.
Ich kann Farben benennen, Jahres- und Tageszeiten erkennen.
Geräusche, Gerüche und Gefühle wahrnehmen.
Die Welten sind echt.

Zwei Welten, Fotografie RW, 2019