Zwei Bilder hängen an der Wand, getrennt durch einen Pfeiler. Mit schwarzer Farbe sind hier ein Blatt und da ein Korb auf weiße Leinwand gemalt. Das dritte Bild, mit hellblauem Grund, wird von den Ausstellungsbesuchern verdeckt. Die Leute stehen in zwei Gruppen – definiert durch eine Lücke, über die jedoch weiter kommuniziert wird. Eine Frau in weißem Pullover wiederholt mit ihrem Ellbogen das Auf und Ab des Treppenhauses. Die Menschengruppe rechts baut sich vom Sitzenden hoch bis hin zum ausstellenden Künstler auf der Treppe, der zurückschaut, als ob er den Fotografen im Nacken spürte.
Sammelsurium am Rhein
Das erste Schiff heute Morgen auf dem Rhein bei Düsseldorf hieß NERODIA, der Name verheißt nichts Gutes. Gegen allen Aberglauben bekamen wir im Verlauf des Tages allerdings schöne Nachrichten und auch die allgemeine Lage beruhigte sich ein wenig, so dass wir uns elegant an den kommenden tollen Tagen vorbeischleichen werden. Die VIA NOVA, die jetzt gerade an Kilometer 742 vorbeifährt, weist uns die Richtung.
Drei Kronen in Köln am Rhein, Fotografie RW, Februar 2020
AMOUREUS
Heute Morgen fuhr als erstes Schiff die AMOUREUS an meinem Rheinfenster vorbei. Das deute ich als schönes Zeichen. Übersetzt in eine Zahlenreihe gemäß der Stellung im Alphabet hieße das Schiff 1 13 15 21 18 5 21 19. Addiert man die Zahlen, ergibt sich die Summe 113. Quersumme 5. Die Zahl 5 spielt in Blinky Palermos Arbeit von 1968 eine wichtige Rolle. Zieht man in jeder senkrechten Reihe die kleinere von der größeren ab, so ergibt sich immer 5. Außerdem sind es auch immer 5 Kästchen übereinander und 15 nebeneinander. Die 5 und die 1 stehen sich in den Ecken jeweils gegenüber. Ein glückliches Zusammentreffen, dass ich gestern diese Entdeckung im Museum Ludwig in Köln fotografierte und heute mit dem neuen Schiffsnamen in meine Sammlung aufnehmen konnte.
Blinky Palermo, Ziffernreihe 1 bis 0, 1968, Offsetdruck auf Offsetpapier, 4 Probedrucke, Auflage unbekannt, Museum Ludwig Köln, Schenkung Ulrich Reininghaus 2018, Fotografie RW 2020
Der Schatz
Als das Hochwasser zurückwich, wand sich eine breite Spur von Schwemmholz am Ufer des Rheins entlang. Riesige Baumstämme, aber auch Wurzelholz und feine Äste hatte der Fluss von den Ufern weggerissen und bis zu mir getragen. Ich durchsuchte den Saum und fand zwei schöne Wurzelknollen, die ich als Sockel für meine kostbarsten Mineralien einsetzen will. So wie die Asiaten ihren Gelehrtensteinen schöne Sockel schnitzen. Nun trocknen die Hölzer in meinem Atelier. Heute legte ich ein winzig kleines chinesiches Kupfergefäß in die Hand der einen Wurzel. Es hat drei Füßchen, auf dem Boden ist eine gelbgrüne Chrysantheme zu sehen. Um den Bauch des Gefäßes windet sich der kaiserliche Drache, um der flammenden Perle nachzujagen. In sehr feiner Cloisonné-Technik sind die Motive aufgebracht. Innen ist das Töpfchen blau emailliert. Eine Neuerwerbung für meine Kunstkammer.
Hölzerne Hand, Fotografie RW, Valentinstag 2020
Cloisonné-Schälchen erworben bei https://boa-basedonart.com
Pareidolie
selbst heilen
frühlings wehen
bleiben gehen
bilder hilfen
Dessert im Gourmetrestaurant, Schoorl, NL, Fotografie RW 2019
Der Fremde
Schwarzopal auf einer Bergkristallstufe, ungleiche Geschwister. Beide gehören zur Quarzgruppe, der eine amorph, die anderen kristallin.
Beide sind Siliziumdioxide – SiO2 – beim Opal jedoch mit Wasser – SiO2·nH2O –
Die Quarzkristalle sind mit Limonit überzogen.
Schwarzopal, Fundort Lightning Ridge, Australien, auf Limonitquarz, Fundort unbekannt. Sammlung RW, Fotografie RW 2020
Der Hund

Der Hund in einem Garten
ein Ast
der Sprung
die Wolken
im Sturm
die Mauer steht fest.
Bruno Goller (1901-1998), «Hund in einem Garten», Öl auf Leinwand, um 1929, Stadtmuseum Düsseldorf, Fotografie RW, 2020
Der Gürtel
Angelika Kauffmann malt 1787 ein Selbstbildnis für die Ehrengalerie der Florentiner Uffizien. Der Gürtel ihres antikisierenden Gewandes zeigt einen Kameo aus zweilagigem Onyx – mehrere Szenen sind in die schwarzweiße Chalcedonvarietät geschnitten – der Sieg Minervas über Neptun im Kampf um Attika. Mich erinnert dies an die Gemma Augustea (Kunsthistorisches Museum Wien), den berühmten antiken Kameo aus der Zeit des Augustus. Der Habsburger Kaiser Rudolf der II. erwarb ihn zu Beginn des 17. Jahrhunderts schließlich für seine Kunstkammer. Angelika Kauffmann wird sicher Abildungen von antiken Steinschnitzereien gekannt haben, oder solche in Italien, Wien oder am Bodensee (Onyx von Schaffhausen) im Original gesehen haben.
ANGELIKA KAUFFMANN. KÜNSTLERIN, POWERFRAU, INFLUENCERIN, eine Ausstellung im Kunstpalast Düsseldorf, 30.1. – 24.5.2020, Fotografie RW 2020
Das Messer
In einem Sommer des 20. Jahrhunderts findet ein Mann bei einem Tauchgang im Hallstätter See ein Messer. Es hat einen Griff aus Hirschhorn und eine scharfe Klinge. Es scheint sehr alt zu sein, die Klinge handgeschmiedet. Eine Frau entfernt nach Jahrzehnten den Rost von diesem Messer und stellt es zusammen mit einigen seltenen Mineralien in ihrer Kunstkammer aus. Die Geschichte des Messers vor dem Fund, die Geschehnisse, die es auf den Grund des Sees beförderten, will sie sich nicht vorstellen.
