Grausilber

Ich habe heute am 23. Juni nach einem passenden Beitrag zur 23 gesucht und nichts Gescheites gefunden. So habe ich den Zufallsgenerator bei der Bildersuche eingesetzt. Dieses Graustufenbild wurde durch blindes Antippen in der Datenbank gefunden. Es entstand vor sechs Jahren in Kaiserswerth am Rhein. Sicher ist irgendwo die 23 verborgen, entweder in der Vielfalt an Strukturen von Gräsern, Rinde und Blättern oder in der Anzahl der Tonstufen.

Am Kittelbach, Fotografie RW, 2014

Sonnenwende vorbei

In der Sonne glänzen die verholzten Unterblättchen der einstmals violetten Blüte. Sie haben silbrig seidige Oberflächen und an den Enden zerzauste Fransenfüßchen. Sie bilden einen tanzenden Stern um das Körbchen in der Mitte. Dort sind die Samen alle ausgeflogen und haben ein orientalisch anmutendes Relief hinterlassen.

Verholzte Blüte am Rhein, Fotografie RW, Juni 2020

Himmel des Lebens

Heute sprach ich mit meiner Schwester über Joseph Joubert. Sie empfahl mir zur Lektüre: «Alles muss seinen Himmel haben.» Der Titel allein war schon Grund genug, mir das Buch besorgen zu wollen.
Ich erinnerte mich später an einen Beitrag in Hanns-Josef Ortheils Blog über Joubert, von dem wohl zu Lebzeiten kein einziges Buch erschien.
Die Lebensdaten von Joubert sind 7. 5. 1754 – 4. 5. 1824. Er ist also drei Tage vor seinem siebzigsten Geburtstag gestorben. Eigenartig, in den Zahlen des Geburtsjahrs sind Geburtstag und Todestag verborgen.
Die beiden Schafe am Rhein haben sich unter der Silberpappel zur Ruhe niedergelassen. Welcher Himmel ist gemeint?

Schafe am Rhein, Fotografie RW Juni 2020
https://www.ortheil-blog.de/2018/08/15/grosse-ferien-12-ein-sommer-mit-joubert/

Nightview

Heute Nacht war an Schlaf nicht zu denken. Nichts hatte mich beunruhigt. Vor nichts hatte ich Angst. Ich wälzte keine schlimmen Gedanken. Das Kissen hab ich hin und her gedreht. Mein Herz hörte ich schlagen. Ich habe kein Licht angemacht, nichts gelesen, nicht auf das Display des Handys geschaut. Habe ins Dunkel gesehen und gelauscht. Nur einmal hörte ich einen kurzen, fremden Ton. Er wiederholte sich nicht. Als die ersten Vögel mit ihrem Gesang begannen, bin ich eingeschlafen.

Illuminierter Rheinturm, Düsseldorf, Fotografie RW Juni 2020

Cephalopodin mit Diamant


Über das Scherbensammeln am Rhein kommt der Künstlerarchäologe wieder zurück zum Prinzip Collage. Das Zusammenbringen heterogener Einzelteile birgt Überraschungen, mit denen er nicht gerechnet hat. Dabei lässt er die Schnittstellen bewußt sichtbar. Die Einzelstücke müssen sich auf dem ihnen fremden Grund nur wenig anpassen. Sie dürfen sich nicht vollkommen einrichten wie in der berühmten Collage Richard Hamiltons von 1956  «Just what is it that makes today’s homes so different, so appealing?» Nein, eher denkt er an Hannah Höchs «Schnitt mit dem Küchenmesser» von 1919, auf der alle eingeklebten Dinge disparat durcheinanderwirbeln und deutlich auch als solche zu erkennen bleiben.

Cephalopodin mit Diamant, Papiercollage RW, Juni 2020, Fotografie RW 2020

23 Verhext

Dem Uth fehlt der Anfangsbuchstabe R. Die 23 auf dem Rücken wird ergänzt durch eine 1 zu 24. Das ist die eigentliche Glückszahl, die (R)Uth in ihrem Traum finden sollte. (siehe dazu oben unter LB & RW) Fünf (aus der Überschrift) ist die Quersumme aus 23.
Die gesuchte Vier wird auch noch einmal extra betont – sie taucht als passgenau in vier Lücken gesetzte Lampen, Punkte, Knöpfe in den Maschen des Tores auf. Der wissende Ball macht aus Neo ein Noo.
Der Fußballer verschießt den Elfmeter. Der Torwart mit der Rückennummer 1 konnte den Ball halten, sonst wäre das Spiel 2:3 ausgegangen. Verhext. Dass es sich um Geisterspiele handelt, tut nichts zur Sache.

Abfotografiertes Zeitungsfoto, Detail, Spiel Köln gegen Hoffenheim,
Fotografie RW 13. Juni 2020

Meeresbewohner

Aus der Eifel brachte ich einige Gesteinsbrocken von einem Bauhof mit. Sie stammen wohl aus einem Steinbruch bei Waxweiler und sind sehr fossilreich. Es ist Grauwacke, ein Sedimentgestein. Das Sediment wurde dort abgelagert, wo sich vor Millionen Jahren ein Meer und riesige Flussmündungen befanden. So entdeckte ich in den Steinen Brachiopoden, Einzelkorallen, Muscheln und Seelilienstängelglieder. Die fossilen Meerestiere kommen aus dem Devon, etwa 400 Millionen Jahre alt, genauer aus den Clerf-Schichten. Zu Hause habe ich die größeren Steine mit dem Hammer beklopft, um das Innere aufzuschließen und siehe da, sie ließen sich gut spalten und gut erhaltene Abdrücke kamen zum Vorschein, manchmal sogar mit Schalenerhaltung.

Fossilien aus Waxweiler, Fotografie RW 2020

Legere

Das Sammeln ist ein Auflesen, Anhäufen von Dingen, die der sammelnden Person ein Echo geben.
Die Dinge spiegeln das Staunen der sammelnden Person wider – vor der Schönheit der Natur, der Kunst, vor den Fragen nach dem Sein, dem Universum, der Zeit und dem Tod.
Die Dinge haben Form angenommen – stellvertretend für diese Fragen.
Die Nymphe Echo wird von Narziss nicht wiedergeliebt, da er nur sich selbst liebt. Sein eigenes Spiegelbild im Wasser (Echo hört er nicht).
Das Betrachten der gesammelten Dinge befriedigt die sammelnde Person durch den Erkenntnisgewinn, der von den Dingen ausgehen kann.
Beim Wiederfinden von vergessenen oder lange nicht betrachteten Dingen der Sammlung kommt Freude und Abenteuerlust auf, wie bei der Reise in ein fernes Land, der Erinnerung an den Moment des Findens/Auflesens.
Ein Verlust oder das Nicht-Wiederfinden eines aufgelesenen Gegenstandes lässt die sammelnde Person unruhig werden und ihre Gedanken hören nicht auf, darum zu kreisen.
In der Sammlung gibt es Hierarchien – Kerne, Anzeiger, Begleiter.
Die Sammlung wird im besten Fall in einer Datenbank erfasst.
Die sammelnde Person möchte ihre Sammlung mit anderen teilen, sie teilhaben lassen an der Freude und an den Fragen. Manchmal verschenkt die sammelnde Person auch Exemplare ihrer Sammlung.
Das Publikum der Sammlung kann durch das Besuchen vor Ort direkt in Kontakt mit der sammelnden Person treten, oder aber in den sozialen Medien an der Sammlung teilhaben.
Wenn die Sammlung zur Last wird, ja zur Bedrohung, dann kommt es zur Trennung, zum Neuanfang.

Bodenfunde im Eifeler Haus und am Rhein bei Düsseldorf, Nägel, Schraube, Messer, Sammlung RW, Fotografie RW, Juni 2020

Lesen

Bei den Bauarbeiten im Eifeler Haus wurden im tieferen Bodenbereich und in vom Putz befreiten Bruchsteinwänden viele Artefakte und Spuren früheren Lebens gefunden – ein gerieftes, unglasiertes, grobes Keramikstück mit Mörtelresten, Waldglas mit dem durch lange Bodenlagerung typischen Regenbogenschiller, ein halbes Glasröhrchen mit länglichen Luftblasen, ein Milchglasknopf, eine Münze von 1700, Scherben von Keramik, an die Westerwälder Art erinnernd, rötliche Stücke mit gelber und grüner Glasur, ein Pfeifenkopf, Pfeifenstielfragmente und viele zarte Knochen, meist Rippen von kleineren Tieren, Ziegen (?) … Zu gern wüßte ich mehr über diese Dinge.

Eifelfunde, Fotografie RW, Juni 2020

Rencontre «fortuite»

 Hommage an Isidore Ducasse, der sich Comte de Lautréamont (1846 – 1870) nannte und zu meiner Freude eine Zeit lang in Paris in der Rue Notre-Dame-des-Victoires Nr. 23 wohnte. Von ihm stammt die viel zitierte Beschreibung einer ungewöhnlichen Begegnung
« … schön … wie das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch!» « beau … comme la rencontre fortuite sur une table de dissection d’une machine à coudre et d’un parapluie.» Les Chants des Maldoror, 1869

«Pantoffel», Silex, Silber, geschliffener Bergkristall,
Arbeit RW Juni 2020, Fotografie RW 2020