De Omval

Bij de Omval aan de Ouderkerkerdijk malte Piet Mondrian um 1906/7 sein geheimnisvolles Abendbild. Am Ufer der Amstel leuchten in der Ferne die Lichter eines Gehöftes auf und Nebel scheinen über die Wiesen zu ziehen. Das Kupferlicht der untergegangenen Sonne bleibt noch, bevor es ganz dunkel wird.
Sofort, als ich das Bild heute in Bochum sah, dachte ich an Rembrandts wunderbare Radierung de Omval von 1645 mit dem versteckten Liebespaar im Ufergebüsch. Ob er sein Motiv genau an derselben Stelle aufnahm wie Mondrian Jahrhunderte später, weiß ich nicht. Vielleicht hat ja Mondrian diese Stelle zu Ehren Rembrandts aufgesucht.
Heute stehen auf der Landzunge des Omval die höchsten Bürowolkenkratzer von Amsterdam – die Türme Rembrandt, Breitner und Mondrian. Benannt nach den berühmten Malern der Stadt. Wie man in Luftaufnahmen im Internet sehen kann, eine ziemlich hässliche Angelegenheit…

Piet Mondrian, Aan de Ouderkerkerdijk bij de Omval in den Avond II, 1906/7, Museum unter Tage, KUNSTSAMMLUNGEN DER RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM, SITUATION KUNST (FÜR MAX IMDAHL) Fotografie RW, 2020

 

La Fornarina 23

Manchmal erhalte ich von Freunden und Freundinnen Beiträge für meine Sammlung zur Zahl 23. Aus Rom schickte mir Pia am 28. 11. 2018 zwei Fotografien per mail. In der Galleria Borghese hatte sie die Fornarina betrachtet und gesehen, dass der Audioguide die Zahl 23 trägt und die Inventarnummer des Bildes die 2333 ist.
Heute entdecke ich, dass die Quersumme der Zahlen des Empfangsdatums der mail ebenfalls 23 ergibt. Die Summe der Zahlen des Geburtsjahrs und Sterbejahrs von Raffael heißt 24. Das ist die Glückszahl, die ich laut meines Traums von 1986 eigentlich hätte finden sollen. (siehe auf ruth23weber.de unter der Kategorie Wort)

per mail geschickte Fotografien von Pia Fries, 2018
für den Beitrag bearbeitet von RW, 2020

Musik


Im April des Jahres 2001 befanden sich 116 Personen im Ausschnitt meiner Aufnahme. Von einer hohen Warte aus, mit Sicht auf den Burgplatz, erfasste ich das Rheinufer der Düsseldorfer Altstadt und einen schmalen Streifen Grün vom Oberkasseler Ufer gegenüber. Damals ahnte ich nicht, dass ich in dieses Gegenüber umziehen würde, dorthin wo ich auch geboren wurde und als Kunststudentin eine Weile wohnte. An diesem sonnigen Frühlingstag schrieben die Silhouetten der Personen ein rhythmisches Lied, das ich heute gern einmal hören würde.

Burgplatz Düsseldorf, Fotografie RW, April 2001

Die Welt im Hohlspiegel


Zur Genesung von einer schweren Erkrankung hatte die steinalte Sophia sich eine kräftige Hühnersuppe gekocht. Sie aß sie voller Genuss in ihrer Bibliothek zusammen mit einem Freund, der ihr in schweren Tagen geholfen hatte. Als sie gerade wieder den Löffel füllen wollte, sah sie, dass sich ihre gesamte kleine Welt in seiner Laffe spiegelte.

Hühnersuppe, Fotografie RW, 18. 10. 2020

Averno


Vor zwanzig Jahren fotografierte ich den Lago d’Averno, der nicht unweit der vulkanisch hoch aktiven phlegräischen Felder liegt. Über den See, den Vogellosen, heißt es, dort stiegen gefährliche Gase auf, die die Vögel vergiften könnten. Auch sei er den Römern das Tor zur Unterwelt gewesen. In Solfatara fotografierte ich die brodelnde, rauchende Erde voll ausblühendem Schwefel und den giftigen Fumarolen. Bei der Grotte der Cumaeischen Sibylle fotografierte ich die über hundert Meter tief in den Berg gehauenen Gänge.
Der Name des Sees in der Bucht von Neapel fiel im Zusammenhang mit der Vergabe des Nobelpreises für Literatur an die Lyrikerin Louise Glück. In ihrem Gedichtband Averno finde ich:

THE NIGHT MIGRATIONS

This is the moment when you see again
the red berries of the mountain ash
and in the dark sky
the birds’ night migrations.

It grieves me to think
the dead won’t see them—
these things we depend on,
they disappear.

What will the soul do for solace then?
I tell myself maybe it won’t need
these pleasures anymore;
maybe just not being is simply enough,
hard as that is to imagine.

Zur Zeit ist die von Ulrike Draesner ins Deutsche übersetzte Ausgabe vergriffen.

Lago d’Averno, Fotografie RW, Oktober 2020

Vom Sehen

Ich weiß nicht, ob ich noch richtig sehen kann. In den vielen Ausstellungen, die ich zur Zeit besuche, gehe ich zügig herum, werfe einen kurzen Blick auf das Ausgestellte (Nur weniger als 30 Sekunden schauen Museumsbesucher durchschnittlch auf ein Bild, wie Forscher ermittelten.) und halte stets das Smartphone oder die Kamera bereit, um den Blick für die Bereitstellung in den social media zu prüfen. Dies finde ich als Handlung nicht schlecht, denn so kann ich mich später im Internet mit Gleichgesinnten treffen. Aber habe ich wirklich etwas aufgenommen, mir einverleibt? Oder bleibt das Bild als durchsichtige Lichthaut nur sekundenkurz in meinem Wahrnehmungsapparat, um schnell wieder zu verschwinden? Nachts rufe ich oft Bilder aus der Erinnerung auf, gehe durch längst verlassene Räume, um Details in diesen wieder aufzurufen. Nicht immer gelingt dies.

Fotografen im Park des Künstlerveins Malkasten Düsseldorf, Fotografie RW, 2014

Spacegirl

Die steinalte Sophia hatte als Kind in der zweiten Schulklasse auf die Frage der Lehrerin nach ihrem Berufswunsch «Mutter» geantwortet. In der dritten Klasse durfte sie die Rolle der heiligen Maria im Krippenspiel übernehmen. In der Sexta des Gymnasiums hielt sie schriftlich in einem Aufsatz «Innenarchitektin» als mögliche Zukunft fest. Sie wusste sicher, dass es irgendetwas mit Zeichnen sein sollte. Während ihrer Schulzeit spürte sie, wie mit den sechziger Jahren eine neue abenteuerliche moderne freie – Weltraum – Zeit begann. In der vergangenen Nacht war sie sogar im Traum durch das Weltall geflogen.

Alte Werbung der 70er Jahre auf einer Seite des großen Wunderkammer-Buches,
digitale Collage RW 2020, Fotografie RW 2020
Cabinet of Curiosities – Das Buch der Wunderkammern. Massimo Listri, Taschen Verlag

Vom Finden


Ich bin eine glückliche Finderin.
Heute Nacht zwischen vier und fünf Uhr zählte ich besondere Fundstücke auf:
Eine Kupfermünze von 1700 im Bauschutt eines alten Hauses in der Eifel bei Bitburg
Eine lange Schörl- oder Ägirinnadel auf Glimmergneis am Ufer des Lago Vernago, Vernagttal (Geburtstagsfund!) in Südtirol
Ein Fragment eines römisches Siebes aus grün oxidiertem Kupfer am Ufer der Seine bei Jumièges
Einen goldenen Ring mit einem Aquamarin am Rhein bei Düsseldorf
Einen großen Rinderzahn auf einer Baustelle bei der Porta Nigra in Trier
Einen kleinen klaren Quarzkristall zwischen Rheinkieseln auf einer Fensterbank in der Kunstakademie Düsseldorf
Eine alte blauweiße Porzellanscherbe mit dem Schriftzug Syriah auf einer Bausstelle in Amsterdam
23 natürliche Perlen in einem Geburtstagsgeschenk von JK
Ein Rheingeröll mit Seelilienstängelfossil in einem Kiesbett auf dem Fußboden des Lehmbruckmuseums in Duisburg
Einen großen Ruthilkristall im Muttergestein auf dem Albrunpass in der Schweiz

Natürlich gewachsene Perlen auf einer Calcitdruse, Fotografie RW 2020, Sammlung RW

Bild und Ort

1935 fotografierte August Sander die Barbarossa-Pfalz direkt vom Rheinufer aus. Er muss mit seiner Kamera kurz vor der Mündung des Kittelbachs gestanden haben. Dort, wo ich vor kurzem das vermeintliche Pflanzenfossil gefunden hatte. (Siehe den Blog-Beitrag vom 10. Juli 2020) Die beiden Türme im Anschluss an die Ruine der Pfalz gehören zur Kirche St. Suitbertus. Heute hat die Basilika nur einen Dachreiter mit Glocke. Beide Türme sind im 2. Weltkrieg zerstört worden. Sie waren im 19. Jahrhundert an die Kirche angebaut und nach dem Krieg nicht wieder aufgebaut worden. Von der Fotografie August Sanders (Abzug von 2020) zeige ich nur einen Ausschnitt. Das vollständige Bild  hängt zur Zeit im Kaiserswerther Kunstarchiv in der Ausstellung „Flusslandschaften“. Das Archiv liegt genau am Stiftsplatz mit Blick auf die Basilika. Nicht weit von hier ging ich zur Schule. Fast jedes Jahr am Fest des heiligen Suitbertus zogen wir in weißen Kommunionkleidern mit gelber Schärpe in einer großen Prozession vom Gymnasium zur Kirche.

„Flusslandschaften“ Fotografie-Ausstellung mit Arbeiten von Bernd & Hilla Becher, Laurenz Berges, Andreas Gursky, Axel Hütte, Bernard Langerock, August Sander und Josef Schulz im Kunstarchiv Kaiserswerth, Photographische Sammlung/SK Stiftung Köln, Studio Becher, Kulturamt Düsseldorf