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Mittwoch

Sieben Planeten, Sieben Farben, Sieben freie Künste, Sieben Metalle,
Sieben Tugenden, Sieben Wochentage: seit langem von RW und LB bewundertes Bildprogramm auf der Tischplatte für Asymus Stedelin
von Martin Schaffner (1477/78 – 1546/49), Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel

Giambologna, Mercurius, 1580, Museo Nazionale del Bargello

Lot 5 zurückgezogen: Mars kommt zurück nach Dresden


Mars
Rot
Arithmetik
Kupfer
Fortitudo
Dienstag

Sieben Planeten, Sieben Farben, Sieben freie Künste, Sieben Metalle,
Sieben Tugenden, Sieben Wochentage: seit langem von RW und LB bewundertes Bildprogramm auf der Tischplatte für Asymus Stedelin
von Martin Schaffner (1477/78 – 1546/49), Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel

Lot 5. Giambologna (1529-1608) Italian, The Dresden Mars, Florence, before 1587, inscribed with the 1726 inventory number: 176 in white to the proper left calf; bronze, on an ebonised wood base; bronze: 39.3cm., 15 1/8 in., the ebonised wood base: 8.5cm., 3 3/8 in. Estimate 3,000,000 — 5,000,000 GBP. Courtesy Sotheby’s

Korrespondenzen XXI

 

 

 

 

Details, gesehen bei
Hans Op de Beeck, The Collector’s House
in der Ausstellung Black and White
im Museum Kunstpalast, Düsseldorf, noch bis zum 15.07.2018
und bei Paul Schwer – Von beiden Enden
im Museum Ratingen vom 01.07.2018 – 09.09.2018

Helle Nächte

In den vergangenen, kurzen,
mondhellen Nächten
bin ich regelmäßig gegen Viertel nach vier,
wenn das erste Dämmerlicht sich hob,
aufgewacht und hörte
aus der Stille heraus,
zunächst ganz verhalten,
die Rufe einer Singdrossel.
Sie steigerte sich im Wechsel
zwischen lockenden
Einsilbern
und trillernden,
zwitschernden Melodien,
die sie bei Rotkehlchen, Meise,
Amsel und Stieglitz
gehört hatte.
Immer so variantenreich,
dass ich lange zuhören will,
bis sie plötzlich schwieg und ich wieder einschlief.

Heute heiter

Heute abend haben wir
zum letzten Mal im Jahr
Spargel gegessen,
zwei Tage zu spät,
denn an Johannis ist normalerweise Schluss.
Es gab ihn ganz klassisch mit Kartoffeln,
Butter und gekochtem Schinken,
dazu einen feinen Riesling.

Wir sitzen direkt bei
geöffneter Tür zum Fluß
in der Bibliothek,
hier haben wir unseren Essplatz etabliert,
sehen den Rhein fließen, obwohl die Platanen
fast alles mit ihrem Sommerlaub verdecken.
Wir hören die älteren Schiffsdiesel tuckern,
die modernen Schiffsmotoren rauschen dagegen nur leise.

Vom Wein haben wir jetzt schon ein wenig
rundere Gedanken
und beide schreiben wir auf unseren Notebooks.
Die Aufgaben des Tages
arbeiten wir ab.
Es ist eine große Freude,
die Herausforderung anzunehmen.

Das Westlicht ist wunderbar grüngolden.
Die Farbe des Wassers wird silberblau.
Das leise Tackern beim Berühren der Tastaturen ist schön,
wenn wir parallel schreiben
und unseren Rhythmus hören.

Das Kreischen und Heulen
vereinzelter Jetski-Abenteurer,
die Eile der Jogger und Fahrradfahrer
nehmen wir gelassen hin.

 

Korrespondenzen XX


Keine alten und keine neuen Brillen in der Schachtel,
gesehen in einer Kirche in Bochum-Langendreer am 22. Juni 2018.
Aquamarinkristall, Be3Al2[Si6O18] + Fe2+, Afghanistan, hellblaue Varietät des Berylls,  aus meiner Sammlung. Frühe Augengläser wurden aus Kristallen geschliffen, meist aus klarem Quarz, Topas oder Beryll. Das Wort Beryllus war wohl ein Sammelbegriff für alle durchsichtigen Kristalle und so leitet sich das Wort Brille wahrscheinlich von seinem Plural Berylle her.

Johannis

 

Draußen essen an einem lauen Juniabend,
gezuckerte, rote Perlen zum Nachtisch,
oder war es nur die Johannisbeerdekoration,
dann mit der Gabel von der Rispe gestreift?

Ich kann mich nicht erinnern,
wann ich zuletzt
Johanniskäfer sah.

Im blauen Dämmerlicht
glimmen und tanzen sie
unter dem mächtigen Kirschbaum
von Haus Dorgarten.
Ein Bild aus Kindertagen,
genau wie das Meeresleuchten
der Nordsee, das wir mit den Füßen
am Wellensaum provozierten.

Auslöser für eine Erinnerung

Capriblau –
daraufhin ein frühes Bild:
eine große, breite Treppe
in einem südlichen Land.
Steinerne Stufen zwischen Sand und Rosa.
Hell gekleidete Menschen
gehen diese Treppe auf und ab.
Alles in Untersicht,
Kinoleinwand?
Ein fröhliches Gemeinschaftsgefühl
ist an dieses Bild gekoppelt,
festlich frohe Erwartung,
Musik.

Es ist aber
NICHT
die Treppe des
Hauses auf Capri,
der Villa Malaparte,
auf deren Stufen
BB und MP
zu sehen sind in
Le Mépris
von Jean-Luc Godard.

Immer und immer wieder frage ich mich,
woher dies Bild der Treppe kommt.

Kneipp-Wasserbecken in den Kuranlagen von Grasellenbach, Odenwald,
gesehen im Mai 2018