Wieder hat sich eine Wolke passend platziert, diesmal fast mittig über dem Ozeanriesen, der keiner ist. Sein Mast gehört zu einer fernen Brücke, sein Bug zu einem Haus. Um halb Acht hat der Rhein das Blau des Himmels angenommen. Das westliche, erstaunlich kühle Restlicht beleuchtet weiter links die drei Gebäude von Frank O. Gehry. Zwei Schiffe rahmen die Szene und zwei Spaziergänger behaupten den Goldenen Schnitt.
Im Malkasten zu Düsseldorf am Rhein
An Ostern entdeckten wir in der Kunsthalle Willingshausen zu unserer Überraschung diese kleine Arbeit von Hugo Mühlig. Auf einem Format so groß wie eine Postkarte hatte er den Düsseldorfer Malkasten gemalt, von der Gartenseite aus mit blühenden Magnolienbäumen und Fliederbüschen. Der schöne Park existiert noch heute, das alte Malkastengebäude (Einweihung 1867) wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, da steht nun das Gebäude aus den 50er Jahren von Helmut Hentrich (1905 – 2001). Die Entwürfe des alten Malkasten-Hauses stammten von dem Maler und Architekten Louis Ammy Blanc (1810 – 1885), dem Namenspaten von LB. Wie wir in den 90er Jahren herausfanden, befindet sich seine Grabstätte auf dem Golzheimer Friedhof in Düsseldorf. RW und LB sind ja seit den frühen 90er Jahren Mitglieder des alten Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten, gegründet 1848. Das ehemalige Anwesen des Kaufmanns und Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi (1743 – 1819) hatte der Künstlerverein in den 1860er Jahren erwerben können, finanziert unter anderem durch eine beispiellose, weltweite Lotterie mit Werken der beteiligten Künstler. Bis heute wird satzungsgemäß dafür eingestanden, die Kunst durch Ausstellungen, Konzerte, Theater, etc. zu fördern, sowie durch Denkmalpflege die Gebäude mitsamt Park zu erhalten.
Rechts auf der Karte schreibt Hugo Mühlig im Juni 1903 seinen Gruß aus Düsseldorf, es unterzeichnen weitere Künstler, darunter auch Freunde aus der Willingshauser Künstlerkolonie, zu der er auch gehörte. Zum Beispiel Adolf Lins, genannt der Gänselins, Heinrich Otto und auch Anna Mühlig, Tochter von Hugo Mühlig. Die anderen Namen konnten wir nicht zuordnen. Vielleicht war diese Postkarte an den Maler Erhard Ludwig Winterstein gerichtet, in dessen Ausstellung wir sie entdeckten.
RW ist im Besitz eines ebenso schönen kleinen Arbeit von Hugo Mühlig, einer mit Tuschfeder gezeichneten Karte zum Neujahr 1895 an den Maler Christian Kröner.
Hugo Mühlig, Malkasten, 1903, Fotografie RW, 2019,
Kunsthalle Willingshausen, Erhard Ludwig Winterstein (1841 – 1919) Maler, Bilder aus der Sammlung Felix und Herlinde Peltzer-Stiftung, 9. März bis 28. April 2019
Zwei gute Geister
Früh morgens wachten wir auf im kleinen Hüttchen auf dem Lande. Da hatten die ersten Strahlen der noch roten Sonne zwei gute Geister auf den Kamin gesetzt. Durch das mit dichtem Efeu bewachsene Fensterchen tasteten sich die Lichtflecken bis auf die Steine. Beim österlichen Abendessen vorgestern hatte uns CS noch von dem guten Geist des Haupthauses erzählt, der seine Bewohner beschützt hatte, als der alte Kamin einstürzte. Und zum Beweis hatte er ein Foto gezeigt, auf dem alle Pareidoliefreunde ein rundliches Gesicht erkannten, das hinter dem Kamin hervorlugte.
Die beiden neuerlichen Geister haben unterschiedliche Charaktere. Der obere scheint ein mürrisches Katzentier zu sein und der untere im Profil erinnert uns an den alten Lehrer von RW, Joseph Beuys, dessen Filmporträt von Andres Veiel wir gestern Nacht noch im Haupthaus zusammen mit CS und RMW angesehen hatten.
Wir verbrachten wunderbare Ostertage im gastfreundlichen Haus unserer Familie. Es liegt in der sanften Landschaft des Schwalm-Ederkreises. Die Frühlingsnatur war uns sehr freundlich gesinnt. Wir konnten im Garten des alten Hauses viele Vögel, Blüten und Blättchen, Hummeln und Bienen beobachten. Wir wanderten hoch in den Wald des Hoheberg und zählten unsere Schritte. Wir tauschten Erinnerungen aus und teilten unsere Leidenschaft für das Sammeln und Beobachten.
Lichtflecken am Kamin, Fotografie RW, 21 April 2019
Frohe Ostern
Haben die Gänseblümchen (bellis perennis) hier eine Botschaft geschrieben? Alle laufen zusammen, um sich zu einem dichten Teppich zu formieren. Acht stehen schon eng zusammen. Insgesamt sind es etwa dreiundzwanzig Sternchen, wenn man die zwei verblühten nicht mitzählt, die vom Rand angeschnittenen schon gar nicht. Ein Bild, das Freude verspricht.
Für meine Schwester, die an Ostern Geburtstag hat.
Wiese am Rhein, Fotografie RW, Karfreitag 2019
Wichtig und Gewicht
Die Frage ist ja, was wir aus den beiden Headlines der Presse mitnehmen wollen? Dass im April 2019 noch mindestens zwei Kommunikationsmedien existieren. Das Buch wird singulär betrachtet, die Handys in der Gruppe. Der Verfasser der kurzen Notiz unter A6 nimmt ein fehlendes Verb in Kauf. Er nennt den Buchtitel auch auf Englisch, ohne damit weitere Informationen zu geben. Im Artikel über den Diebstahl ist von 23 Konzertteilnehmern, einem osteuropäischen Trio und 23 Düsseldorfer Handys die Rede – und, dass am 23. April das Amtsgericht über die Anklage des Trios verhandelt.
Diese beiden Zeitungsartikel wollen gar nicht von mir gelesen werden: sie sind einzig und allein deshalb in der Rheinischen Post vom Dienstag, dem 16. April erschienen und von mir ausgeschnitten worden, um meine 23er Sammlung zu bereichern. Was hiermit nun geschehen ist.
siehe auch: https://ruth23weber.de/dreiundzwanzig/
Unsere Liebe Frau von Paris
Wie vielen ging es uns gestern Abend ähnlich, wir konnten unsere Augen nicht abwenden von dem großen Unglück in Paris – Notre-Dame in Flammen. Wie konnte so etwas möglich sein? Gab es denn nicht genügend Gendarmen, Wärter und Schutzengel, die diesen Schatz bewachten? Wie groß ist heute der Schaden im Innern des Gebäudes, werden die noch stehenden Gewölbe halten? Die Orgel unter dem Rosenfenster nach Westen hat das Inferno wohl überstanden, auch die beiden großen Fensterrosen am Querschiff scheinen ganz geblieben zu sein.
Am schlimmsten fanden wir das Foto einer Drohne der Feuerwehr, die das riesige rot und weiß flammende Kreuz des Lang- und Querhauses von oben aufgenommen hatte. Die hölzerne Dachkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert, für die vor über 800 Jahren viele große Bäume gefällt wurden, wird nie wieder zu rekonstruieren sein. Zerstört an einem einzigen Abend und in einer einzigen Nacht.
Wir erinnerten uns an ein altes Gemälde mit einer Darstellung der Hölle, das wir in der Maison Victor Hugo im Marais gesehen hatten. In einer riesigen Höhle stürzten die Seelen in die Tiefe, Gewölbe wirkten instabil und Feuer loderten. (Les enfers – Huile sur toile – 1622 – par François de Nomé, dit Monsù Desiderio)
Die Nachfrage nach dem Glöckner von Notre-Dame von Victor Hugo als Buch oder Film steigerte sich heute bei Amazon enorm.
Die ganze Welt schaut wohl mit großer Teilnahme auf dieses Unglück und alle hoffen, dass die Kathedrale, die uns so viel bedeutet, wieder aufgebaut werden kann.
Blick auf das Steingebirge von Notre-Dame de Paris, Teil des Langhausdachs und die beiden Fassaden-Türme von der Rückseite aus, Fotografie RW, Dezember 2016
Korrespondenzen XXX
Vom Wasser haben wir’s gelernt, vom Wasser!
Das hat nicht Rast bei Tag und Nacht,
Ist stets auf Wanderschaft bedacht,
Das Wasser, das Wasser,
das Wasser, das Wasser, das Wasser.










