Die steinalte Sophia mag die Eisheiligen nicht. Auch nicht ihre Namensvetterin, die kalte Sophie. Sie überlegt und spricht zu sich: Dass ich so erkältet bin, hab ich ihr zu verdanken. Mir geht es nicht gut. Bin ein wenig verwirrt. Vielleicht weil ich zu viel schlafe. Und da kommt mir das Märchen vom eiskalten Herz in den Sinn. Es wäre wunderbar, zum Glasmännlein, auch Schatzhauser genannt, zu gehen, um mir Kraft und Klarheit zu wünschen. Der Schatzhauser wird mir helfen und er soll mir ein so schönes altes Kristallherz mit lauter funkelnden Steinen schenken, das ich so sehr lieben werde, dass all seine heilende Kraft auf mich übergehen wird und ich es als Medizin etwa jeden Sonntag um Mittag anschauen und anfassen möchte und so seine Kräfte auf mich übertragen werden und ich einen geheimen Quell der Lebensfreude habe, den ich sorgfältig hüten werde und auch sicher Gutes tun werde, um diesen Quell gerecht und wirklich zu verdienen.
Sogleich geht es der steinalten Sophia besser. Sie nimmt ihre Schmuckschatulle hervor und betrachtet das schöne Bergkristallherz mit den Diamanten, das schon seit dem 19. Jahrhundert in ihrer Familie immer weitergegeben wird, bis sie es zu ihrem 23. Geburtstag von ihrer Großmutter bekommt. Ihre Ururgroßmutter hat es einst von einem englischen Verehrer zum Namenstag bekommen. Bis heute kann man die Liebe direkt spüren, die es aussendet. Zwei Herzen dicht aneinandergeschmiegt, eine flatternde Schleife hält alles zusammen.
