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Der indische Prinz sah Anfang des Jahres in der Zeitung ein Foto mit Konrad Adenauer und einer älteren Dame, die an einer langen Kette ein Diamantherz trägt. Es ist Amélie Thyssen, die Witwe von Fritz Thyssen. Das Foto wurde 1960 aufgenommen, als sie als erste Frau das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband von dem damaligen Bundeskanzler verliehen bekam. 1959 hatten Amélie und ihre Tochter die Fritz Thyssen Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung mit Aktien im Nominalwert von nahezu 100 Mio. DM gegründet. Ihr Privatvermögen floss in die Stiftung mit ein. Adenauer war ein Freund der Familie und würdigte sie mit der Verleihung des Ordens an Amélie. Heute sitzt die Stiftung in Köln im ehemaligen Amerika-Haus. Die Stiftung hat in zahlreichen Projekten wichtige archäologische Grabungen unterstützt. Jetzt, wo der indische Prinz fürchtet, dass das traditionsreiche Institut für Archäologie der Humboldt-Universität in Berlin aus Sparmaßnahmen umorganisiert würde oder sogar schließen könnte, hofft er auf voraussehende, großzügige Unterstützer und Förderer der Archäologie als eine der grundlegendsten Wissenschaften.
Sein diamantenes Herz, das der indische Prinz erst seit heute besitzt, ist aus England – etwa um 1880 entstanden, aus Bergkristall geschnitten und mit zwei großen, in Gold gefassten Diamantrosen besetzt, beide in Herzform, mit einer Schleife bekrönt. Heute am frühen Morgen hat er das Liebesstück als Lotnummer 5 bei einer Auktion erstanden und will es auf einer Reise nach Berlin zu Ehren der Amélie Thyssen (1877–1965), tragen, um sich dort im Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie einzuschreiben, solange dieses noch existiert. Dort wird er die Antikenbegeisterung Goethes kritisch bearbeiten und ein paar Gipse abzeichnen.

