Jan K. in Paris

Wir freuen uns über die Einzelausstellung «Grands Formats» von Jan Kolata in der Galerie Le Feuvre, Paris! Die Ausstellung ist noch bis zum 21. April 2018 zu sehen. Ein Katalog ist erschienen.

Abbildung: Jan Kolata 140.180.2018.06

Emmaus

Aus meinem Lieblingsevangelium nach Lukas:

Sie aber bedrängten ihn und sagten: „Bleibe bei uns. Es will Abend werden. Der Tag hat sich schon geneigt.“ Da kehrte er ein, um bei ihnen zu bleiben.
Während er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, segnete es, brach es und reichte es ihnen.
Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; er aber entschwand ihren Blicken.
Und sie sagten zueinander: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns die Schrift erschloß?“

Das Erschütternde und zugleich so Tröstliche dieses alten Textes ist für mich

– die Einladung zum Abendessen zu bleiben, da es dunkel wird
(der Weg ist womöglich gefährlich)

– das gemeinsame Mahl mit den heiligen Gesten

– der Moment des Erkennens, als ihnen die Augen aufgehen

– dass er sich ihnen zeigt, um ihnen Gewissheit zu geben

– dass er dann nicht mehr zu sehen ist

– dass sie nun verstehen, warum schon vorher ihre Herzen brannten

Diese Begegnungen der Liebe (Brennen), der Wahrheit (Verstehen der Schrift) und Erkenntnis (Amen So sei es) sind im Leben selten.

Rembrandt van Rijn, Christus in Emmaus, Radierung und Kaltnadel, große Platte,
2. Zustand, 1654, Ausschnitt, gesehen 2015 im Rijksmuseum Amsterdam, Der späte Rembrandt

Return

Der Rhein fließt einfach weiter,
als wäre nichts geschehen.
Immerhin lässt er heute
die Begegnung zu
mit RETURN SUNRISE,
flussaufwärts fahrend,
paradoxerweise
nach Westen,
weil ich immer noch
am falschen Ufer sitze.

 

Seltsame Begegnung

Vorgestern saß ich mit Jan K. in der Kneipe S. in Düsseldorf. Wir aßen Flammkuchen und tranken Wein. Gegenüber, ein paar Tische weiter saßen Günther J. und Thea S. und aßen ebenfalls Flammkuchen und tranken Wein. Und wie es sich gehört, trank hüben wie drüben jeweils die Frau den Weißwein und der Mann den Rotwein. Am liebsten wäre ich an den Tisch von Günther J. und Thea S. gegangen und hätte gesagt: «Wissen Sie eigentlich, dass meine Mutter Anneliese W. geborene D. mit Ihrer Tante Anneliese W., der Schwester Ihrer Mutter Ursula W., befreundet war? In ihrer Jugend waren sie zu vier Mädels hier im Stadteil O. ein Freundschaftskleeblatt. Tragischerweise ist eine der vier, Liesel H., damals im Rhein ertrunken.» Dann hätten wir noch über die Dominikanerstrasse im Stadtteil O. gesprochen und weitere Gemeinsamkeiten aus Film, Funk und Fernsehen ausgetauscht. Den weißen Wein, der den selben Namen trägt wie Günther J. und neuerdings beim Discounter A. zu haben ist, habe ich probiert und er hat mir ganz gut geschmeckt.