Alte Pinakothek München 2008, Art Basel 2011
Ein Bild – südliche helle Steilküste –
ist plötzlich da
so vertraut
aus ferner Vergangenheit
so intensiv
dass es den Atem verschlägt
Ausgelöst durch einen
Geruch
einen Blick oder – durch Nichts –
geboren aus der bloßen Erinnerung
Steilküste südlich
Häuser hoch oben Blick von unten nach oben
Agave deserti
Gelb Rost Kalk
verschwiegenes Siegel
Gefühl des Südens
so dicht
Gründungsanlass von The Fake’s Progress und Motiv für die Sammlung 23
Die Auffindung der Zahl 23 durch Ruth Weber
Ein Traum im August 1986 am Lago di Garda:
Wir saßen zusammen im hellen Raum. Eine Frau sah mich an und sprach: «Wenn Du mir innerhalb kürzester Zeit die Zahl 24 vorweisen kannst, wird das große Glück auf Dich zukommen.» Ich dachte eine Weile nach, glaubte auch kurz, einer Lösung nahe zu sein, aber dann sagte die Frau: «Deine Zeit ist verstrichen! Hier aber ist die Lösung:
Nimm das Wort
IDEE
Jeder Buchstabe im Alphabet
hat gemäß seiner Stellung
eine ihm zugeordnete Zahl.
Die Quersumme von Idee ist demnach 24.»
Diese Lösung fand ich sehr schwierig. Nun fiel mir eine einfachere ein. Ich ging zu einem Bücherschrank, nahm ein Buch heraus, schlug die Seite 24 auf und zeigte die Zahl. Aber zu spät, die Gelegenheit war verpasst!
Ich wachte auf und rechnete im schlaftrunkenen Zustand nach:
I = 9
D = 4
E = 5
E = 5
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23
FINIS ET POST EST OCCASIO CALVA
Angeregt durch Hanns-Josef Ortheils Buch «Die Pariser Abende des Roland Barthes» durchsuchte ich meine Bibliothek und fand «Die helle Kammer» von Roland Barthes, mein gebundenes Suhrkamp-Bändchen von 2009. (Schutzumschlag und Banderole noch vorhanden) Im Buch sah ich die Fotografie «Ernest» von André Kertesz. Was ist mit dieser Fotografie? Sie hatte mich schon in den achtziger Jahren sehr angerührt. Sie war eins meiner Lieblingsbilder – und André Kertesz mein Lieblingsfotograf. Roland Barthes schreibt: «Es ist möglich, daß Ernest heute noch lebt: doch wo? wie? welch ein Roman!»
Was ich sehe oder besser spüre: irgendwann einmal 1931, als die Fotografie aufgenommen wurde, sind Elemente des Lichtes zurückgestrahlt worden von dem kleinen Ernest. Das Licht, welches ihn 1931 sichtbar machte, gelangt in unsere Augen zurück. Es ist immer noch eine Spur von diesem Licht in der abgedruckten Fotografie enthalten. Kann man diesen Vorgang in einem Austausch von Lichtteilchen definieren? Wird das Licht nicht eigentlich in Wellen gemessen? Hat eine Übertragung der Photonen von A nach B stattgefunden? Vielleicht findet sich ein ganz leiser Widerhall dieser Elementarteilchen immer noch in der Fotografie, zwar millionenfach abgeschwächt. Aber er ist noch da, sonst würden wir die Spuren nicht erkennen und nichts sehen. Der Lichtreiz wird allerdings zu einem Abbild der physischen Präsenz von Ernest, zunächst durch geschwärztes Silber. Unzählige mediale Verfahren erhalten das Abbild bis heute. Wird es dadurch schwächer und schwächer? Aber die mikroskopisch kleinen Lichtteilchen scheinen immer noch heraus und wir können das neben seiner Schulbank stehende Kind sehen.
Dieser kleine Junge mit dem feinen Gesicht lächelt so weise. Wie kann er mit vielleicht vier oder fünf Jahren so viel an Lebensweisheit haben? Der Junge hat mich so beeindruckt, dass ich ihn in einer großen Arbeit auf Papier, Schwarz und Weiß auf türkisfarbenen Hintergrund, untergebracht habe. Die Zeichnung wurde 1989 gezeigt in meiner Ausstellung «Vorrat» in der Galerie Kiki Maier-Hahn, Düsseldorf.