In der Hoge Veluwe wächst die mächtige Waldkiefer, die vielleicht mit vielen Artgenossen Ende des 19. Jahrhunderts gepflanzt wurde. Die seit Generationen abgeweidete Heidelandschaft mit ihren Flugsanden sollte damals wieder bewaldet werden. Im Jahr 2026 machen der Kiefer die Hitze und die lange Trockenheit zu schaffen und es kommt zum sogenannten Grünastbruch. Große und schwere Äste brechen in vollem Grün.
Die steinalte Sophia steht heute in den Niederlanden an ihrem 75. Geburtstag dem Baum gegenüber. Glücklich, ihn im erfrischenden Morgenwind entdeckt zu haben, denkt sie, hier habe der Blitz eingeschlagen, aber sie sieht keine Verbrennungen im Baum. Das Phänomen des Grünastbruchs kennt sie nicht. Wohl hat sie Angst vor einem Feuer, das in der Hitze aufflackern könnte und nicht nur den Bäumen, sondern auch ihr schaden würde. Pfade werden abgeschnitten, Straßen versperrt, Fluchtrouten geschlossen – wegen einer bedrohlich rollenden Feuersbrunst. Am Mittag hört sie schon eine Sirene, zum Glück ist es ein landesweiter Probealarm.
Wie schön diese Waldkiefer ist – wie prächtig die Schwünge ihrer Arme, wie elegant deren Richtungswechsel. Die gestürzten Äste im helleren Grün der unteren Nadelseite– ein ausgebreitetes, feierliches Gewand. Diese geburtstagliche Baumbetrachtung will die steinalte Sophia im Gedächtnis behalten – sie soll ein Vademecum für mich sein – gerade heute.
