Der gerade aufragende Zeigefinger der kolossalen Hand ist ergänzt, nicht original. Ich sah die Hand 1971 zum ersten Mal auf meiner ersten Romreise. Sie steht bis heute im Cortile dei Conservatori bei den kapitolinischen Museen auf dem Campidoglio, zusammen mit dem riesigen Kopf, den Knie- und Fußfragmenten. Ab 2023 hat man die gigantische Statue Kaiser Konstantins rekonstruiert und eine Version auch nahe den kapitolinischen Museen aufgestellt. Etwa 13 Meter hoch. Der rekonstruierte Konstantin sitzt auf einem Thron, hält in seiner rechten Hand ein Zepter, die linke legt er auf den Reichsapfel. Der Zeigefinger der rechten Hand ist gekrümmt, um den Stab des Zepters umfassen zu können. Um 1778 aquarellierte Johann Heinrich Füssli die großen Marmorfragmente der Hand und des Fußes in Sepia und roter Kreide – darauf ist der Zeigefinger auch gekrümmt – ein neben dem Monument sitzender Künstler legt seinen Arm auf den Riesenfuß, seinen Kopf mit verborgenem Gesicht wie trauernd in die linke Hand gestützt. Dahinter die monumentale Hand, Pflanzen wollen sie überwuchern. Die große Hand erreicht mit 1,66 m fast meine Lebensgröße. Meine Freundin fotografierte mich damals, wie ich fast trotzig mit Sonnenbrille und Umhängetasche unmittelbar davor stehe.
Goethe beginnt seine italienische Reise erst Mitte der 1780er Jahren. Auch er zeichnet Antiken in Rom ab, aber soweit ich weiß, nicht die Trümmer des Kolosses. Er kauft sich viele Gipse und auch 200 Abdrücke antiker Gemmen. Besucht am 25. Juli 1787 mit dem Grafen Fries die Gemmensammlung des Prinzen von Piombino. Dies alles lese ich in Goethes Reiseschilderungen. Ein Bildchen wie einen Schattenriss oder eine geschnittene Gemme möchte ich auf altes Porzellan bringen, um es als ein Souvenir der Grand Tour aufstellen zu können. Ein paar Zahlen werde ich dem Dekor hinzufügen, vielleicht diese:
Ich rechne: Goethes Geburtsjahr 1749 plus sein Sterbejahr 1832 ergibt die Summe 3581. Sofort springen mir meine Geburtszahlen in den Kopf – 3851.



