Nachtrag zur Schiffsnamensammlung. Es ist sechs Minuten vor Fünf am Nachmittag und ich sehe am fünften Tag des Jahres das Schiff mit dem Namen CARPE VESPERUM vorbeifahren. Der Tanker fährt unter der Flagge von Luxemburg, fährt rheinaufwärts Richtung Basel in den Süden. Wir machen uns auf zu einem Abendspaziergang. Draußen ist es dunkel. Und kalt.
Es gibt auch einen Merlot mit dem Namen CARPE VESPERUM, wie ich im Internet erfahre. «Rubinrot» soll er sein, «balsamische und krautige Noten» haben. Er ist recht teuer, kostet über 150 € und ist vom Weingut Madonnina in der Toscana. La Madonnina – da denke ich aber an Milano, an die goldene Madonnenfigur hoch auf dem Mailänder Dom. Auf dessen Dach untersuchte ich vor Jahren in gleißendem Licht die Steinmetzarbeiten aus hellem Marmor. Die Madonnina auf der höchsten Spitze des Doms trägt um den Kopf einen Kranz aus vielen Sternen. Auf dem Etikett des Weines sehe ich ein Sternbild: wie das Kreuz des Südens, hat aber in der Mitte noch einen zusätzlichen Stern, also fünf Sterne. Das Kreuz des Südens sah ich noch nie in meinem Leben, muss dazu reisen auf die südliche Halbkugel weit unter den Äquator.
Der Abend – der Rubin – die Fünf – die Sterne – der Süden – Balsam und Fluss. Das Schweifen und Fliegen in alle Himmelsrichtungen gefällt mir. Heute ist schon der siebte Tag und die Heiligen Drei Könige kamen gestern am sechsten Tag. Wieder ist Abend am siebten Tag.