Zu Goethes 77. Geburtstag, genau heute vor 200 Jahren, wird ein Gedicht, vorgetragen, das er selbst zum Geburtstage verfasst haben soll. Sohn August trug es wohl vor – mit weiteren Gratulationsversen ausgeschmückt? Ganz sicher bin ich mir nicht über die Behauptungen, die die künstliche Intelligenz äußert. Die späten Geburtstage Goethes wurden groß und öffentlich mit Vorträgen, Musik und gutem Essen gefeiert und nicht nur in Weimar, sondern auch in Dresden, Leipzig und Frankfurt am Main.
Meinem verdrießlichen Mops aus feinstem, falschen, grünen Serpentin widme ich die erste Strophe des Geburtstag-Gedichtes. Mein grünes Exemplar ist auch dem Mops aus Onyx gewidmet, der im einzigen Märchen Goethes eine Rolle spielt. Bald wird mein Tier jedoch befreit, gesegnet sein, da es in naher Zukunft mit seinen Freunden zu Goethes Ehren aufgestellt werden wird. Fünf Freunde werden es sein – verfünffacht so sich Kraft und Rat.
Den Freunden
Des Menschen Tage sind verflochten,
die schönsten Güter angefochten,
es trübt sich auch der frei’ste Blick;
du wandelst einsam und verdrossen,
der Tag verschwindet ungenossen
in abgesonderten Geschick.
Wenn Freundesantlitz dir begegnet,
so bist du gleich befreit, gesegnet,
gemeinsam freust du dich der Tat.
Ein Zweiter kommt, sich anzuschließen,
mitwirken will er, mitgenießen;
verdreifacht so sich Kraft und Rat.
Von äußerm Drang unangefochten,
bleibt, Freunde, so in eins verflochten,
dem Tage gönnet heitern Blick!
Das Beste schaffet unverdrossen;
Wohlwollen unsrer Zeitgenossen,
das bleibt zuletzt erprobtes Glück.
Grünglasierte Keramik auf bemalter Metall/Pappmaché-Vase, eine von fünf grünen Keramiken für Goethe, Sammlung RW, Fotografie RW, 28.8.2026
Gedicht »Den Freunden« von Johann Wolfgang von Goethe, 28. August 1826, Klassik Stiftung Weimar
