
Ein Steinschneider hat dieses Bildnis einst aus einem Lagenstein geschnitzt. Ein Goldschmied hat es in den Rahmen gesetzt, verziert mit einer Schleife und 38 Naturperlchen im Verlauf. Auf der Rückseite hat das Medaillon noch ein Fach, aber die Glasscheibe fehlt, so dass keine Haarlocke, kein Stückchen Stoff, kein Zähnchen untergebracht werden kann. Die Abgebildete ist sicher nicht als Porträt einer wirklichen Frau gedacht, sondern als Sinnbild für Anmut, Schönheit und Jugend. Der indische Prinz empfindet das Bild als sentimental, aber merkwürdigerweise hat es für ihn nichts Klischeehaftes, sondern das Mädchen scheint, obwohl im Profil, wirklich zu schauen. Sein Ausdruck ist lebensnah. Der indische Prinz hat es wegen der Perlen Margarete genannt, wie aus einem alten Märchen entstammend.
Der Lagenachat wurde gefärbt, so dass die untere Schicht tiefschwarz erscheint und die weiße Schicht etwas grünlich gräulich, nicht kaltweiß. Die Kamée ist schwer, auch das Gold wiegt schwer. Ein kostbares Stück, meint der indische Prinz, aber teuer war es nicht. Oben an der Haube des Mädchens scheint ein kleines Stück der Schleife abgebrochen zu sein, das fällt aber kaum auf. Am unteren Rand des Rahmens ist noch eine alte Abhängung vorhanden, wahrscheinlich hing dort eine größere Perle. Der indische Prinz hat die Kamée im Hunsrück bei einem Antiquitätenhändler gekauft. Dieser konnte aber nichts zu ihrer Herkunft und Entstehung sagen. Wahrscheinlich wurde sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Idar Oberstein geschnitten, dann nach Frankreich importiert, um in Rouen oder Paris gerahmt zu werden. Der indische Prinz dachte an den berühmten Goldschmied Alexandre-Gabriel Lemonnier, der an der Place Vendome sein Geschäft hatte und Hoflieferant Napoleons III. war. Er gab zu – ein bisschen sehr hochgegriffen – aber französisch kam ihm das Schmuckstück schon vor, er hatte ein Vergleichstück bei einer Pariser Schmuckhändlerin gesehen, natürlich viermal so teuer.