Frost und Maulwurf


Die Erde auf dem Friedhof von Kloster Knechtsteden ist gefroren. Die Maulwürfe haben trotzdem fast vor jedem kleinen Grabstein der verstorbenen Mönche und Kriegstoten einen respektablen Haufen aufgeworfen. Unter der Erde ist es wohl wärmer. Die Hügel wirken so frisch, sie sind jedoch steinhart und fest gefroren – ich konnte nichts losklauben.
Es kommt so manches an die Oberfläche und leuchtet dann auf, da es lange verborgen war. Seltene oder gewöhnliche Steine, kleine Fragmente von Knochen, ein Ring, ein Knopf, eine kleine Perle von einem Rosenkranz, ein Abzeichen aus Metall, eine Scherbe aus Porzellan, ein Henkel aus Blech und ein Stück Horn von einem Messergriff.
Heute weiß ich, dass ich Dinge liebe, besonders die sehr alten, die schon durch so viele Hände und Jahre gewandert sind. Sie sprechen zu mir und ich nehme sie mit nach Hause, wasche sie, betrachte sie unter der Lupe und bereite ihnen einen würdigen Platz auf einem Sockel, den ich eigens für sie bauen werde.

Friedhofserde von Kloster Knechtsteden, Fotografie RW, 2. Februar 2025