Zweimal hörte ich in zwei Nächten ganz deutlich meinen Namen rufen. Die Stimme war männlich, aber hell. Ich richtete mich ruckartig auf und antwortete Ja? Nichts. Ein Fehler der Wahrnehmung? Eine Interpretation eines Geräuschs durch das Gehirn?
Im Konzert konnte ich mein Gehirn, mein Bewußtsein, meine Wahrnehmung derart beinflussen, dass ich nicht auffällig wurde durch einen Laut, durch das Aufreißen des Mundes, durch eine plötzliche Wendung meines Kopfes. Ich richtete mich auf, nahm das Gesicht hoch und ließ die Musik in mein Gehör, weiter in meinen Kopf, ja durch meinen ganzen Körper strömen. Ich war gefasst.
Vor mir nahm ich eine Frau wahr, die ihren Kopf entschieden rhythmisch bewegte. Auf dem Rang rechts sah ich einen Mann, sein helles Gesicht von dunklen Locken umrahmt, der mit geschlossenen Augen lauschte. Ich sah die junge Violonistin, die in der Einsatzpause der Geigen als einzige lächelte, dem Gesang der über hundert Stimmen des großen Chors aufmerksam zuhörend.
Der Bariton schaute mich direkt an, nachdem er gesungen hatte: Siehe, ich sage euch ein Geheimnis… Er stand weit weg von meinem Platz, hinter dem Orchester, unter dem Chor – gemeint waren alle, die imstande waren zu hören.