Zbigniew Herbert

Kiesel
Der kiesel ist als geschöpf
vollkommen
sich selber gleich
auf seine grenzen bedacht
genau erfüllt
vom steinernen sinn
mit einem geruch der an nichts erinnert
nichts verscheucht keinen wunsch erweckt
sein eifer und seine kühle
sind richtig und voller würde
ich spür einen schweren vorwurf
halt ich ihn in der hand
weil dann seinen edlen leib
die falsche wärme durchdringt –
kiesel lassen sich nicht zähmen
sie betrachten uns bis zum schluss
mit ruhigem sehr klarem auge

Gedicht von Zbigniew Herbert (1924-1998), gefunden in Michael Krüger: „Meteorologie des Herzens: Über meinen Großvater, Zbigniew Herbert, Petrarca und mich“ Berenberg Verlag GmbH, 23. 02. 2021
Meine Kiesel: Maaseier aus dem Rhein in der aktuellen Ausstellung in Schloss Reuschenberg, Kunstinitiative Wurzeln und Flügel, bis zum 22. Dezember 2024, Fotografie RW, Oktober 2024