
Der Himmel ist schwer von Schnee, die Dächer weiß, die Straße nicht. Schnurgerade geht sie in die Ferne und glitzert golden durch Elektrizität oder fahles Sonnenlicht. Im heiligen Tempel leuchtet es hinter den vier dorischen Säulen, als lade man zum Gottesdienst ein und vorne auf der Straße scheint die Treppe aufwärts zu führen, aber das ist ein perspektivischer Spuk. Oben rechts nah bei meinem Fenster wirft ein Balkongitter, gerade noch erkennbar, ein Herz. Ein Wintertag in Paris.
In Wirklichkeit ist es Nacht und es gibt keinen Schnee. Die festlichen Lichter der Straße führen das Auge tief bis zum dunklen Himmel über dem Horizont. Der Zebrastreifen glänzt wie eine goldene Treppe. Auf dem Dach der Kirche das hell erleuchtete Kreuz. Ich weiß, dass im Tympanon die Religion thront mit ihren Attributen Kelch und Kreuz. Darunter erkenne ich geschrieben D.O.M.SUB.INVOC.SANCTI.PHILIPPI.APOSTOLI. Einem der zwölf Apostel, Philippus, dem Pferdefreund, ist die Kirche geweiht. Ich denke an ein Gemälde von Camille Pissaro – glitzernde nasse Rue Saint-Honoré, fluchtende Straße mit vielen schwarz gekleideten Menschen, Pferdekutschen und ganz vorne beim Café mit den rotweißen Markisen sehe ich das Pferd vor seiner Droschke, es senkt den Kopf, eine Futtersack kann ich nicht erkennen. Gern nehm ich alle verstorbenen Tiere in mein Allerheiligen auf.