Personenbeschreibung


Sie hat ein großes Gesicht. Sie zieht die Unterlippe ein und kneift den Mund zusammen. Sie fixiert die Dinge in der Ferne, nimmt aber auch gern die Lupe bei der Nahbetrachtung. Sie hört ein ständiges Zirpen im Ohr, wie von Zikaden im Süden. Wie gern möchte sie diese noch einmal wirklich hören, die Mittagshitze spüren und unter den Pinien hergehen über weichen, mit Nadeln bedecktem Boden.
Sie ist sehr groß und schwer für ihr Alter. Sie lässt ihr Haar bis zur Schulter wachsen. Die Füsse bleiben meistens nackt, auch im Winter. Nur auf Asphalt trägt sie Schuhe. Sie kleidet sich nach den aktuellen Moden, mag die Hosen, Röcke und Kleider gern oversized. Für ihre Kleider sucht sie stets Farben von Gewürzen, Früchten und Edelsteinen aus. Am liebsten mag sie Safran, dazu ein tiefes Violettblau von Waldbeeren. Zu Mandarinfarben trägt sie ein dunkles Melonenschalengrün. Zu Amethystfarben ein Kakaubraun. Sie besitzt Gold und Silber, um sich damit zu schmücken. Eitel ist sie nicht. Es ist das glänzend Dinghafte, das sie an Ketten und Ringen liebt.
Sie hat sich schon als Zehnjährige mit Naturwissenschaften und Künsten befasst. Aber nur bis zu einem gewissen Grade, bleibt zwar dran, hartnäckig ist sie jedoch nicht. Ihr genügt oft die reine Andeutung. Sie mag es nicht, Rätsel zu lösen, mag aber die Rätsel. Sie kann sich nicht erinnern, je ein Geheimnis des Glaubens verstanden zu haben. Sie hat auch nie gefragt. Sie will es bei dem Geheimnis belassen. Sie sieht sich als nichts Besonderes. Will auch nicht auffallen. Insgeheim will sie aber gesehen werden. Die vielen Dinge, die sie anhäuft, will sie alle entsorgen. Aber erst, wenn sie die Matura hat. Sie trauert allen Dingen nach, die sie schon verloren hat (ein milchweißes Hermelinfell mit Kopf und Krallen) und sagt: das war alles ich.

Braunglasierte Tonfigur mit Fluoritkristall, Silberkette und norwegischen Münzen der 90er Jahre, Sammlung RW, Fotografie RW, Oktober 2025