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Spes blickt zum Himmel,
lässt gleich den Falken frei,
der Anker zu ihren Füßen.
Tief im Berg wird ein Bild geformt,
verborgen in einer Druse.
Gefunden und aufgeschlagen
wird es angeschaut.
Ein Fest zum Dreiundzwanzigsten: Die Farben des Turmalin

Das Rote bleibt innen,
wenn der Turmalin aus dem Quarz heraussteigt,
wird er mit Grünblautürkis gekrönt.
Rubellit, Verdelith, Indigolith,
Elbait, farblich zoniert.
Das Grün ist ein Mantel
und das Herz ist rot, aber im Innern der Stufe
ist der Mantel dünn oder ganz verschwunden.
Der Quarz übernimmt wohl die Umkleidung.
Wassermelonenturmalin, ein profanes Wortbild
für eine viel festlichere Erscheinung.
Zweifarbiger Turmalin in Quarz, gesehen 2016 im Senckenberg Naturmuseum, Frankfurt
Wintergeist
Knorriges Wurzelwerk aus einem Gemälde von Thomas Gainsborough,
das alte Pelzfutter eines warmen Mantels,
die Laute mit Kopf aus einem Gemälde von Orazio Gentileschi,
der Heliodor aus einem Mineralienbuch
– eisiger Wintergeist –
Detail aus einer Materialcollage von RW und LB, invertierte Fotografie, November 2018
Melancholia animalis
Heute Nacht um 4.14 Uhr hörte ich
einen leisen, hellen, rufenden Ton,
wiederholt in gleichmäßigem Rhythmus.
Ich hielt die Luft an.
Aber der Ruf ertönte weiter,
mit den Geräuschen unseres Atmens im Zimmer
hatte er nichts zu tun.
Er kam aus der Winternacht draußen.
Das Klagen eines Vogels?
Das Fiepen eines Nagers?
Nach einer Weile verstummte der Laut.
Später träumte ich den Namen
Franziskus von Hochfeld.
Ausgestopfter Vogel, gesehen 2015 im Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main
Urban knowledge
Wir waren zurückgekehrt in die Großstadt am Rhein. Winterliche Kälte empfing uns am Abend. Der Mond hatte gehörig zugenommen und beleuchtete den Turm am Ende der Königsallee. In der von uns besuchten Ausstellung hatte das Partyvolk nicht nur die Lichtregie übernommen, sondern wie mir schien, auch die Auswahl der Arbeiten. Die Musik übertönte all unsere Gespräche. Wir hatten schnell erkannt, dass das Hinsehen sich bei den meisten Werken nicht lohnte. In der hintersten Ecke des Raumes blickte ich aus dem Fenster und erholte mich bei der Frage, wer draußen all diese Geraden, Flächen und Körper zusammengestellt hatte.
Der junge Brahms

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Der Blick des jungen Brahms zielt auf mich.
Schon seit Jahren hab ich diese Fotografie gespeichert.
Seine Züge sind mir verwandt,
er sieht aus wie ein möglicher Bruder, Onkel, Neffe.
Zur Zeit der Aufnahme, in der Mitte des 19. Jahrhunderts,
war er in seinen 20ern und weilte sogar in Düsseldorf.
Bei Robert und Clara Schumann ging er ein und aus.
«Lieben Sie Brahms?»
Aber ja, selbstverständlich, wie viele besonders
die Sinfonie Nr. 3 F-Dur op. 90.
Clara Schumann sah dazu einen
«geheimnisvollen Zauber des Waldlebens.»
«Es ist lauter Liebe und das Herz geht einem dabei auf»
kommentierte Dvorak, dessen Musik mir ebenfalls sehr nah ist.
Brahms war um die 50, als er diese Sinfonie komponierte,
und erst in den 30ern, als er Ein deutsches Requiem schrieb,
das ich zur Zeit leider nicht im Stande bin zu hören.
https://www.swr.de/swr2/musik/musikstueck/brahms-johannes-sinfonie-nr-3-f-dur-op-90
https://www1.wdr.de/radio/wdr3/musik/wdr3-werkbetrachtungen/brahms-dritte-sinfonie
Der sichere Hafen
Zufällige Begegnung von Bergkristall, bedrucktem Papier und Tierfell auf dem Arbeitstisch von RW und LB: Hommage à Lautréamont ou Isidore Lucien Ducasse.
Das «zufällige» Zusammentreffen ist fast wie eine Illustration zu unserer derzeitigen Lektüre von Hanns-Josef Ortheils neuestem Buch «Die Mittelmeerreise».
Scheidewege
Und dann schauten wir von der Hohensyburg hinunter in das weite Land, dort wo Lenne und Ruhr sich treffen. Die Bäume des Steilabhangs hatten ihre gelben Blätter schon weitgehend abgeworfen, während die Wiesen in den Flussauen noch kräftig grün waren. Genau unter der Eisenbahnbrücke tangieren die blauen Kurven der Flussläufe einander, um sich dann zu einem breiteren Band zu vereinen. Im Dunst konnten wir in der Ferne die Kuppen des Rheinischen Schiefergebirges Richtung Sauerland sehen. Kaiser Wilhelm auf dem Pferde, flankiert von Bismarck und Moltke, in unserem Rücken ignorierten wir trotz seiner imposanten Größe.
Novemberausflug auf die Hohensyburg, 2014
Orioniden
Gestern kurz nach Mitternacht sah ich eine große, sehr helle Sternschnuppe, direkt aus dem Sternbild des Orion herabstürzend. Wir kamen von einer schönen Martinsfeier bei meiner jüngeren Schwester auf dem Land am Niederrhein, gingen nun auf der Landstraße zu unserem Hotel. Der Himmel erschien viel dunkler als in der Stadt. Zwischen Wolkenfetzen blitzten die Sterne auf. Ich hatte schnell den Orion, den ich so liebe, entdeckt, darüber der rote Riese Aldebaran aus dem Sternbild Taurus und selbst die Plejaden sah ich kurz. Bei neuerlichem Hochschauen dann plötzlich der Meteorit. Er startete relativ tief, fast beim unteren Rocksaum des Orion, stürzte scheinbar direkt nach unten und war leuchtend kaltweiß. Nicht so farbig mit feurigem Schweif, lang anhaltend und waagerecht fliegend wie der Feuerbolide, den wir in einer Nacht in Göttingen in den 90er Jahren sahen. Ich betrachte mich als glückliche Finderin der Ereignisse. Der vertraute Orion ist das Sternbild meiner Kindheit.

