Nimm und lies

Heute findet die steinalte Sophia eine Scherbe mit einem großen L, eine mit einer blauen Leiter, eine mit Boden und Horizont, eine mit einem Bogen, Katzenohr und Schnurrhaaren – diese alle blauweiß. Und zum Schluss findet sie eine Scherbe mit einer rosafarbenen Blüte, ziemlich gut ausgeschnitten.
Sie erzählt dazu die folgende Geschichte: Es war einmal der Junge Ludovico, der eine Leiter bestieg, damit er den Horizont sehen konnte. Aber er konnte ihn nicht erkennen. Er kletterte wieder hinunter und auf dem Boden sah er seinen Kater Murr, sich im nassen Grase wälzend. Der Kater sprang jäh auf, warf sich im hohen Bogen gegen das Mandelbäumchen, nahm den Stamm und die drei ersten Äste, krallte sich an einem Zweig fest, scheiterte und fiel. Die rosafarbenen Blüten tanzten umher. Ein kräftiger Windstoß fegte auch die noch Knospen vom Baum.

Scherben vom Rheinufer Düsseldorf, Fotografie RW 11. März 2026