Die steinalte Sophia wusste nichts von dem Märchen, das Goethe 1795 herausgab. Sie fragt den indischen Prinzen danach und sogleich kann er ihr davon berichten, ja es fast wortwörtlich zitieren. Er spricht von den zwei Irrlichtern, dem Fährmann, dem Fluss, dem Schatten des Riesen und vor allem von der Schlange, die zu leuchten beginnt, nachdem sie die Goldstücke des Fährmanns fraß. Die Augen des indischen Prinzen glänzen, als er von den acht Edelsteinen erzählt, die im Märchen vorkommen. Onyx, Jaspis, Prasem, Smaragd, Chrysopras, Chrysolith, Beryll und Topas. Alle hatte Goethe in seiner Mineraliensammlung. Der indische Prinz freut sich, dass er ebenso alle besitzt und wundert sich, dass der Prasem dabei ist – eine grüne Quarzvarietät und auch, dass dieser zu Goethes Zeiten bekannt war. Ebenso ist im Märchen von den Metallen die Rede – Gold, Silber und Erz. Und vor allem das Licht scheint ein Leitmotiv zu sein – Irrlichter, leuchtende Schlange, die Sonne, der besondere Alte mit der Lampe, der Lichtstrahl, der durch die Kuppelöffnung im Felsengebäude fällt (der indsche Prinz weiß sofort, dass Goethe bei diesem Erzähl-Bild an das Pantheon in Rom gedacht hat), der Spiegel, den der Habicht hoch in die Lüfte trägt, um die Strahlen der noch verborgenen Sonne zu reflektieren und damit Schlafende zu wecken. Die schöne Lilie, den Jüngling, die Alte, den Mops (verwandelt in dunklen Onyx) und den Kanarienvogel (verwandelt in einen goldenen Topas) erwähnt der indische Prinz auch – aber den Ouroboros, den wird er nie vergessen und ist so froh, dass er ihn im Märchen erkannt hat. Denn die freundliche und hilfreiche, wohlthätige, Smaragd-leuchtende Schlange formt mit ihrem Körper den Kreis um den Körper des toten Jünglings – kein Anfang und kein Ende – und beschützt ihn, bis er wieder zum Leben erweckt wird.