Aufzählung der gesehenen Tiere

Ein winziges Wiesel sehe ich an einer Hecke zweimal auftauchen, rotbraunes Fell mit weißer Brust. Eine kleine Haselmaus huscht über den Weg, wohl auf der Flucht vor dem Wiesel. Über die Hecke hin zum tief geduckten Backsteinhaus weiter zu den Apfelbäumen fliegen an die dreihundert lärmende Spatzen auf und nieder. An der zweihundertjährigen Eiche dösen etwa zehn braunfellige Stuten mit sechs Fohlen. Nahe dem gestauten Mühlenbach versuchen Miniaturausgaben von graugrünfleckigen Kröten über den Kies zur nahen Wiese zu kommen. In hohen Kastanien, Linden und Kiefern rund um die Schlosskapelle gegenüber dem Herrenhaus singen Buchfinken, Amseln und Singdrosseln. Auch einen Eichelhäher höre ich. In Scheune und Stall schwärmen die Schwalben unermüdlich aus und ein. Über dem großen Teich fangen sie ihre Beute mit einem Glitzern direkt an der Wasseroberfläche. Blau leuchten die Libellen. Die Luftfeuchtigkeit ist hoch, müde Fliegen setzen sich auf die Haut und springen beim Verjagen nur ein Stückchen weiter. Lediglich eine Wespe kommt vorbei, um sich etwas vom gefüllten Teller zu holen. Ein Kabeljau zeigt unter der Panade seine Flosse und die langen bleichen Knochen. Am sanften Meer entdecke ich weit draußen einen Seehund, sehr groß, nur ab und zu auftauchend, mit langem Leib und kurzer Flosse und weiße kleine Seevögel haben sehr spitze Flügel. Die Ostsee sehe ich vom Fenster des Gästehauses je nach Himmelsfarbe als blauen oder grauen Streifen am Horizont. Das Klappern von Hufen auf den kopfsteingepflasterten Wegen und das kurze Wiehern aus den Ställen beruhigt die Sinne, ich könnte schlafen und schlafen und im Schlaf erinnere ich mich an das milde freundliche Ostmeer, in dem ich mit zwölf Jahren schwimmen lernte.

Kirchengitter von St. Michaelis zu Lützenburg, Ostholstein, Fotografie RW, 15. 7. 2025