Der indische Prinz wünscht sich seit langem alles, was man celestial jewelry nennt, als da wären Sternenhimmelringe, Sichelmondbroschen, Diamantsterne und Kometenbroschen. Nun hat er endlich einen Bague au Firmament im Nachverkauf eines Versteigerungshauses gefunden. Der indische Prinz läßt sich einige unverkaufte Ringe zeigen, die allesamt aus dem Besitz eines Juweliers vom Niederrhein stammen, der selbst historische Ringe sammelt. Alle drei Ringe sind mit schöner königsblauer Emaille überzogen und in oblonger Form, teils als ein reines Oval, teils an den Enden zugespitzt, ausgeführt. Alle haben Diamant- oder Perlbesatz. Der mit der strahlendsten Emaille hat sogar noch ein kleines Sichtfenster mit Haareinlage und eine Gravur auf der goldenen Rückseite. Der indische Prinz entscheidet sich für den teuersten mit 25 Diamanten im Altschliff oder Rosenschliff. Der Ring ist für ihn ein typischer Sternenhimmelring – funkelnde Diamantensterne auf blauem Himmelsgrund. Oben in Silber gefasst, unten mit Gold verbödet und mit schönen Ringschultern versehen, die eine etwas abgetragene, aber aufwendige Verzierung aufweisen, zeugt der Ring von hohem Alter. Ein winziger Diamant fehlt in der Entourage, was aber nicht auffällt. Als der indische Prinz den Preis noch zu hoch findet, schlägt die Dame des Auktionshauses vor, man könne ja den Besitzer kontaktieren, ob er noch heruntergehen könne, da der Ring ja nicht verkauft worden wäre. Dem indischen Prinz ist das zu umständlich, er will ihn möglichst gleich kaufen und sofort tragen. Der Ring hat eine kleine Größe, gerade passt er ihm am kleinen Finger. Er will sich noch überlegen, ihn etwas weiten zu lassen, was bei der empfindlichen Emaille aber nicht ganz risikolos sein könnte. Nun – er kauft den Ring. Zu Hause unter der Lupe entdeckt er etwas Schmutz unter dem großen Diamanten in der Mitte. Er nimmt einen befeuchteten Wattebausch und drückt ihn fest in die Öffnung unter dem Diamanten, ein- und auch zweimal. Plötzlich springt der große Diamant vorne aus der Öffnung heraus und ist verschwunden. Ruhig bleiben, sagt sich der indische Prinz, ich werde dich wiederfinden. Auf dem alten Parkettboden sieht er ihn nicht, die Spalten zwischen den Holzscheibchen sind so groß, dass er dort hineingekullert sein könnte. Er holt sich eine Taschenlampe, in deren Schein ein Funkeln den Stein verraten möge. Er rückt Stühle und Tische, er sieht Spinnweben und Staub, eine lang verloren gegangene Perle rollt ihm entgegen. Dann unter dem Heizkörper blitzt es hervor. Er bringt den Altschliffdiamant mitsamt dem Ring zur Reparatur und erhält ihn nach wenigen Tagen zurück und ist glücklich. Allerdings kann er ihn nur tragen, wenn seine Hände kühl und schlank sind, also nennt er seinen Bague au Firmament Winterring. Und freut sich, in den nächsten Tagen bei einem Antiquitätenhändler eine Sichelmondbrosche mit über drei Karat Diamanten anschauen zu dürfen.
