Altenhundem

Das kommt mir fremd vor, mit welchen Worten meine Mutter im Sommer 1941 aus dem Sauerland an ihre Familie in Düsseldorf schreibt. Sie ist gerade 19 Jahre alt und wohl zur Sommerfrische in Altenhundem. Die Postkarte ist am 17. 7. 1941 abgestempelt. Der Blick auf der Karte geht wohl in Richtung Langenei, unten die Lenne, die später in Altenhundem auf die Hundem trifft. Der zweite Weltkrieg hat schon begonnen, mein Großvater, der Vater meiner Mutter, muss, nachdem er im ersten Weltkrieg bei der preußischen Garde gedient hat, ein zweites Mal in den Krieg. Mein Vater kommt, in Russland schwer verwundet, im Winter 1942 schon wieder nach Deutschland zurück. Er kennt die Familie seiner späteren Frau zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Meine Mutter schreibt also nach Düsseldorf: Ihr Lieben! Leider hat der schöne Sonnenschein der vorigen Woche einem Regen Platz gemacht, der fast für einen Landregen zu halten ist. Aber dennoch streife ich durch Felder und Wälder… Ich stelle mir eine junge Frau vor, die sehr freien Raum für sich beansprucht, den sie im späteren Leben für meinen Vater, mich und meine fünf Geschwister wohl aufgegeben hat.
Ich freue mich sehr, dass wir in der Familie die alten Zeugnisse der Vergangenheit nicht direkt nach dem Verkauf des Elternhauses weggeworfen haben und so nach Jahren neue Seiten und Geheimnisse der Familie kennenlernen dürfen. Die Geschichten unserer Vorfahren prägen uns durch das Verborgene, dieser Ahnung nachzuspüren, ist ein Schatz.

Postkarte von 1941 aus Altenhundem, bzw. Langenei, Archiv RW, 12. April 2026