Das Meer im Stein

In den Morgenstunden träumte ich vom Meer – mit einer anderen Person, die mir vertraut war, beobachtete ich die blaugraue See. Mehrere Boote und Schiffe waren unterwegs. Wir standen sehr nah auf dem gemauerten Kai. Die Wellen wurden heftiger. Ein langes Schiff wie eine Fähre, gefüllt mit Personen und Fahrzeugen – rot, rot war es – schob sich durch das Wasser. Dann wurde der Sturm so stark, dass es heftig auf und nieder tanzte in den steigenden Wogen bis sie gewaltig über das ganze Schiff klappten und es verschwand. Kurz zuvor hatte ich noch einen laufenden, dunklen, sehr großen Menschen an Deck gesehen.
Am Frühstückstisch las ich in der FAZ ein fragmentarisches Gedicht von Thomas Mann.

Ich bin ein Bergmann

Ich bin ein Bergmann in der Seele Schacht
Und steige still und furchtlos dunkelwärts
Und seh‘ des Leidens kostbar Edelerz
Mit scheuem Schimmer leuchten durch die Nacht …

Diese Zeilen erscheinen im 23. Kapitel seines «wildesten Romans», dem Doktor Faustus von 1947 schreibt Mathias Mayer in der Frankfurter Anthologie der FAZ. Sofort funkelt bei mir die Verbindung mit der 23, und weiter auch meine Steine, die aus den Tiefen der Berge stammen. Das Edelerz, Silber und Gold schimmern in meinen Kästen und in der Nacht und im Dunkeln leuchtet das Leiden und im Traum wird es wahr und der Träumende wird stets gerettet, darf furchtloser Betrachter sein. Ich finde mein stürmisches Meer abgebildet im Stein aus der Tiefe und füge alles zusammen.

Achat, wohl aus Brasilien mit Feder- oder Wellenfiguren, Sammlung RW, Fotografie RW, 7. 6. 25