{"id":8410,"date":"2024-11-12T17:08:19","date_gmt":"2024-11-12T16:08:19","guid":{"rendered":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/?p=8410"},"modified":"2024-11-13T10:43:09","modified_gmt":"2024-11-13T09:43:09","slug":"verheissungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/verheissungen\/","title":{"rendered":"Verhei\u00dfungen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-8411\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee-700x933.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"933\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee-700x933.jpg 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee-225x300.jpg 225w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee-768x1024.jpg 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee-800x1067.jpg 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/024SonnenuntergangRheinallee.jpg 1125w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die steinalte Sophia hat sich vorgenommen, die Tage mit Ereignissen anzuf\u00fcllen. Heute freut sie sich, sie ist mit dem Auto in die fr\u00fchere Heimat gefahren, nicht \u00fcber die Autobahn, sondern \u00fcber die alte Landstra\u00dfe, die beide St\u00e4dte verbindet \u2013 ihren heutigen Wohnort und die Gegend ihrer Jugend. Mitten in der inzwischen verkommenen Stadt, in der N\u00e4he des Bahnhofs, aber auch nicht unweit vom Museum, findet sie das Pfandleihhaus, dessen Adresse sie vorher im Web recherchiert hat. Sie betritt es durch die offene T\u00fcr, h\u00f6rt wie Geld gez\u00e4hlt wird \u2013 1000, 1100, 1200&#8230; Eine Dame tritt an den Schalter und die steinalte Sophia tr\u00e4gt ihr Anliegen vor: <em>Ich suche einen 4fach-Dukaten in 986er Goldlegierung, Durchmesser 39,50 mm, Gewicht 13,96 g, mit der Jahreszahl 1915 und Kaiser Franz Joseph recto und verso der Doppeladler. <\/em>Die Dame verschwindet und kommt mit einem Exemplar wieder, das allerdings mit einem goldenen Rahmen und einer Anh\u00e4nger\u00f6se versehen ist. <em>So kann ich ihn sogar an einem Band tragen,<\/em> freut sich Sophia und zeigt der Angestellten ihren Ring mit dem einfachen Dukaten, den sie am Finger tr\u00e4gt. Sie handelt den Verkaufspreis f\u00fcr den gro\u00dfen Dukaten noch ein wenig herunter, l\u00e4sst sich Expertise und Rechnung aush\u00e4ndigen und geht am Park vorbei zur\u00fcck zu ihrem Auto. Am Museum leuchten und laufen \u00fcberlebensgro\u00df die Projektionen mit den <em>Runners<\/em> von Julian Opie, ein seltsamer Kontrast zu den Typen, die im Park auf den B\u00e4nken sitzen und den Passanten, die zur Bushaltestelle eilen. Die steinalte Sophia schaut zum Himmel, wo zwischen schweren Regenwolken blaue Himmelspartien und Sonnenstrahlen hervorblitzen. Sie beschlie\u00dft zur\u00fcckzufahren in die reichere Stadt, aber wieder auf der alten Landstra\u00dfe. Sie sieht die stillgelegten Stra\u00dfenbahnschienen, erinnert sich, wie sie als 16j\u00e4hrige zur Tanzstunde fuhr. Sie sieht die wenigen sch\u00f6neren H\u00e4user, von denen es immer gehei\u00dfen hat, es seien Fabrikantenvillen der Stahlindustrie. Sie sieht das Geb\u00e4ude der Bowlingbahn, in das sie zum Kindergeburtstag eingeladen war. Sie denkt dankbar an ihren Vater, dankbar eine Kindheit erlebt zu haben \u2013 mit unerf\u00fcllten Sehns\u00fcchten voller Hoffnung auf Kommendes.<br \/>\nZur\u00fcck in ihrer Wohnung setzt sie sich ans Rheinfenster und betrachtet den 4fach-Dukaten im Restlicht des Abendrots. Verhei\u00dfungsvoll schimmert er es im Dunkeln zur\u00fcck.<\/p>\n<h5><em>Abendhimmel an der Rheinallee, Fotografie RW, November 2024<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die steinalte Sophia hat sich vorgenommen, die Tage mit Ereignissen anzuf\u00fcllen. Heute freut sie sich, sie ist mit dem Auto in die fr\u00fchere Heimat gefahren, nicht \u00fcber die Autobahn, sondern \u00fcber die alte Landstra\u00dfe, die beide St\u00e4dte verbindet \u2013 ihren heutigen Wohnort und die Gegend ihrer Jugend. 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