{"id":6525,"date":"2021-09-08T17:12:43","date_gmt":"2021-09-08T15:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/?p=6525"},"modified":"2021-09-08T17:50:16","modified_gmt":"2021-09-08T15:50:16","slug":"brieflesendes-maedchen-mit-amor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/brieflesendes-maedchen-mit-amor\/","title":{"rendered":"Brieflesendes M\u00e4dchen \u2013 mit Amor"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-large wp-image-6526\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden-700x905.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"905\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden-700x905.jpg 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden-232x300.jpg 232w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden-768x993.jpg 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden-800x1034.jpg 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/021VermeerDresden.jpg 1160w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a>Das Bild ist nun ganz anders: hinter der jungen Frau ist das gro\u00dfe Wandbild mit dem Amor freigelegt worden. In einem sehr aufwendigen Verfahren wurde unter dem Mikroskop Farbpartikelchen f\u00fcr Farbpartikelchen abgetragen. Die alte wei\u00dfgraue \u00dcbermalung ist nun historisch, historisch ist aber auch, dass sie nicht von Vermeers Hand war. Als das Bild 1742 angekauft wurde, war sie schon da. Der Amor ist uns schon als Bild im Bild bei zwei weiteren Gem\u00e4lden Vermeers vertraut. Im Londoner Vermeer h\u00e4lt der gleiche Cupido eine kleine Karte in der Hand. Diese und auch die Darstellung eines Liebesgotts mit Masken zu F\u00fc\u00dfen ist aus alten Emblemb\u00fcchern bekannt. Im Emblem h\u00e4lt der Amor eine Karte mit der Zahl 1 hoch, auf eine Tafel mit weiteren Zahlen tretend 2 3 4 5 6 7 8 9 10 &#8230; Will sagen, nur die <em>eine<\/em> Liebe z\u00e4hlt. Der Amor, der im Dresdner Bild auf das Innere einer Maske tritt, meint wohl, dass jede Liebe ohne Falsch sein soll, wahre Liebe keine Verkleidung brauche. Im Emblembuch h\u00e4lt er jedoch auch einen Ring hoch in der Hand. Nun ist interessant, was der Amor auf dem Dresdner Bild in der linken Hand halten k\u00f6nnte. Einen Ring oder eine Karte? Und warum tritt er auf die innere Seite einer dunklen Maske, w\u00e4hrend die zweite goldene, halb verdeckt, richtig herum liegt. Warum verbirgt Vermeer das Bild mit dem Vorhang, der auch auf einen Raum au\u00dferhalb des Bildes verweist, das hei\u00dft, <em>vor<\/em> dem eigentlichen Bild h\u00e4ngt?<br \/>\nIch sehe in diesem Zusammenhang den <em>Vorhang<\/em>, der das Bild ganz verh\u00fcllen k\u00f6nnte, die <em>Spiegelung<\/em> des brieflesenden M\u00e4dchens im Fenster und die beiden <em>Masken<\/em> in <em>einem<\/em> Motivkontext. Hier gibt es eine Analogie zwischen Innerem und \u00c4u\u00dferem. Zwischen der M\u00f6glichkeit einerseits \u2013 Innerstes \u2013 Gedanken im Kopf \u2013 Verborgenes ahnen zu k\u00f6nnen, oder nur das Abgewandte, das \u00c4u\u00dfere, die Erscheinung einer Person betrachten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich freue mich auf den Katalog zur Dresdner Ausstellung, die das neue Bild feiert. Habe ihn schon bestellt, leider ist er noch nicht angekommen, bin aber so gespannt auf die Beitr\u00e4ge im Buch.<br \/>\nEs ist von einigen kritisiert worden, dass man den gewohnten Vermeer nicht in seiner seit Jahrhunderten bekannten Gestalt belassen hat. Dass der Amor anwesend ist, wusste man schon seit R\u00f6ntgenaufnahmen aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. H\u00e4tte man das nun freigelegte Bild nicht rein digital rekonstruieren k\u00f6nnen und den Vermeer damit nicht solchen Strapazen aussetzen m\u00fcssen? Ich glaube, so ist es gut jetzt, Vermeer ist wieder der Wahre.<\/p>\n<h5><em><strong>\u201eJohannes Vermeer. Vom Innehalten\u201c<\/strong> in der Gem\u00e4ldegalerie Alte Meister Dresden<\/em><br \/>\n<em>https:\/\/www.skd.museum\/besucherservice\/presse\/2021\/ein-liebesgott-taucht-auf-vermeers-brieflesendes-maedchen-am-offenen-fenster-vollstaendig-restauriert\/<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bild ist nun ganz anders: hinter der jungen Frau ist das gro\u00dfe Wandbild mit dem Amor freigelegt worden. In einem sehr aufwendigen Verfahren wurde unter dem Mikroskop Farbpartikelchen f\u00fcr Farbpartikelchen abgetragen. Die alte wei\u00dfgraue \u00dcbermalung ist nun historisch, historisch ist aber auch, dass sie nicht von Vermeers Hand war. 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