{"id":4915,"date":"2020-05-20T13:16:40","date_gmt":"2020-05-20T11:16:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/?p=4915"},"modified":"2020-05-20T13:27:46","modified_gmt":"2020-05-20T11:27:46","slug":"naehe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/naehe\/","title":{"rendered":"N\u00e4he"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-4916\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-700x525.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"525\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-700x525.jpg 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-300x225.jpg 300w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-768x576.jpg 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-800x600.jpg 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau-80x60.jpg 80w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/2016ParisGustaveMoreau.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><br \/>\nVor dem leibhaftigen Farbkasten des genialen Malers Gustave Moreau stehend, frage ich mich, ob hier noch Spuren seines Lebens erhalten sind. Eine Wimper oder Hautschuppe des K\u00fcnstlers. Oder noch winzigere DNA, f\u00fcr das menschliche Auge nicht sichtbar, nur mit dem Elektronenmikroskop erfassbar. Was k\u00f6nnte angesichts dieser Spuren erforscht werden, welche Gene der Maler hatte? Wo kam die Familie her, wer sind die Nachfahren, sind da auch K\u00fcnstler dabei? Welche Farben benutzte er? Waren sie giftig? Welche Vorlieben bei der Ern\u00e4hrung hatte er, welche Krankheiten, wie war das Pariser Klima zu seiner Zeit? (Gustave Moreau \u2013 6. April 1826 in Paris; \u2020 18. April 1898 ebenda) Arbeitet die Gustave-Moreau-Forschung an solchen Themen? Ich denke bei meinem Empfinden angesicht des alten Farbkastens eher an die Rezeptionsforschung, insbesondere an das <em>Stendhal-Syndom<\/em> oder <em>Florenz-Syndrom<\/em>, wenn Kunst zu nah wird&#8230; Stendhal schreibt um 1817 \u00ab<em>Ich befand mich bei dem Gedanken, in Florenz zu sein, und durch die N\u00e4he der gro\u00dfen M\u00e4nner, deren Gr\u00e4ber ich eben gesehen hatte, in einer Art Ekstase. [\u2026] Als ich Santa Croce verlie\u00df, hatte ich starkes Herzklopfen; in Berlin nennt man das einen Nervenanfall; ich war bis zum \u00c4u\u00dfersten ersch\u00f6pft und f\u00fcrchtete umzufallen.<\/em>\u00bb*<br \/>\nIn dem gro\u00dfen Atelier und ehemaligen Wohnhaus von Moreau in Paris atmet man heute noch den Geist des 19. Jahrhunderts und die Spuren der Verg\u00e4nglichkeit sind zum Gl\u00fcck nicht beseitigt. Hoffentlich bleibt das so und das Museum wird nicht renoviert, mit Displays und anderem st\u00f6renden Schnickschnack versehen. Hier kann man das umf\u00e4ngliche Konvolut von Malereien und Skizzen studieren, zum Teil in riesigen Planschr\u00e4nken gelagert. In einigen R\u00e4umen sind auch pers\u00f6nliche Dinge erhalten. Chinesisches Porzellan, eine Kr\u00fcgesammlung, Andenken von seinen Reisen nach Italien und Griechenland, ein gro\u00dfer Glassturz mit funkelnden exotischen V\u00f6geln \u2013 Kolibris, Kleinspecht, Pitta und Gimpel auf mit Papierbl\u00fcten und -bl\u00e4ttchen best\u00fcckten Zweigen \u2013 so \u00fcberladen und schillernd wie viele Gem\u00e4lde des K\u00fcnstlers.<br \/>\nIm Augenblick ist das Museum noch wegen Corona geschlossen.<\/p>\n<h5><em>Im Mus\u00e9e National Gustave Moreau Paris, Fotografie Jan Kolata 2017<\/em><br \/>\n<em>* Stendhal: Rom, Neapel und Florenz In: Stendhal: Gesammelte Werke (Hrsg. Manfred Naumann). R\u00fctten und L\u00f6ning, Berlin 3. Auflage 1985, S. 229 f.<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor dem leibhaftigen Farbkasten des genialen Malers Gustave Moreau stehend, frage ich mich, ob hier noch Spuren seines Lebens erhalten sind. Eine Wimper oder Hautschuppe des K\u00fcnstlers. Oder noch winzigere DNA, f\u00fcr das menschliche Auge nicht sichtbar, nur mit dem Elektronenmikroskop erfassbar. Was k\u00f6nnte angesichts dieser Spuren erforscht werden, welche Gene der Maler hatte? 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