{"id":4701,"date":"2020-04-23T12:07:00","date_gmt":"2020-04-23T10:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ruth23weber.de\/blog\/?p=4701"},"modified":"2020-04-26T11:30:29","modified_gmt":"2020-04-26T09:30:29","slug":"fast-alles-falsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/fast-alles-falsch\/","title":{"rendered":"Korrektur im Archiv"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-4702 size-large\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA-700x644.jpg\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"644\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA-700x644.jpg 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA-300x276.jpg 300w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA-768x707.jpg 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA-800x737.jpg 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1971RuthKUA.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Das ist ja alles nicht wahr, was auf Fotografien suggeriert oder behauptet wird. Als Zeitzeugen sind wir in der Lage zu korrigieren. Der goldgelbe Hippie-Mantel, der farblich so sch\u00f6n, fast komplement\u00e4r zu den Blaut\u00f6nen im Bild passt, geh\u00f6rte ebenso wie die gelbe Tasche nicht der Dargestellten, sondern dem Studenten A, der sie auf einen Trip nach Amsterdam eingeladen hatte. Schmetterlinge in bunten Farben auf Papier gemalt und dann ausgeschnitten auf der Wand dekoriert \u2013 das w\u00e4re das Allerletzte, was die Studentin im zweiten Semester an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf produziert h\u00e4tte. Sie empfand das Motiv schon damals als abgegriffen &#8230; und so banal, die Assoziationskette junge Frau, Blumen, Hippie und Schmetterlinge&#8230; Auch der Raum, in den sie gebeten wurde, war nicht ihre Klasse, die war unten im Parterre in den R\u00e4umen 19 und 20, die Klasse von Professor Joseph Beuys. Der Fotograf hatte sie gebeten, in einem kleineren Raum im ersten oder zweiten Stock auf der blauen Kiste Platz zu nehmen. Er wanderte damals durch die Flure der Akademie, um Studierende (\u00fcberwiegend Frauen) zu fotografieren. Einmal hatte sie beim Aufsteigen zu den R\u00e4umen der Maltechnik zuf\u00e4llig gesehen, wie er ein unbekleidetes Modell zwischen den Gipsen antiker Statuen unter dem Dach der Kunstakademie fotografierte.<br \/>\nEr wolle die Aufnahme mit ihr noch einmal wiederholen, deutete er an, als er die fertigen Ektachrome der oben Dargestellten zeigte. Man sp\u00fcre den Fotografen zu sehr auf dem Bild, die Portr\u00e4tierte sei also nicht ganz sie selbst gewesen. Sie hatte keine Lust auf ein weiteres Treffen, sie lehnte ab. Wahr ist aber ihre Kleidung auf dem Bild, das wei\u00df sie genau, sie hatte sich nicht verkleidet. Dunkelbraune Cordjeans mit Schlag und ein selbst gef\u00e4rbtes Baumwoll-Rippenhemd, der kleine blaue Madonnenanh\u00e4nger, vom Gro\u00dfvater aus Rom mitgebracht, die wildledernen Boots. Die Haare wollte sie sich wachsen lassen und ihre Brille nur noch in den Seminaren der Kunstgeschichte tragen.<\/p>\n<h5><em>Studentin der Kunstakademie D\u00fcsseldorf, Fotografie von 1971,<br \/>\nArchiv RW 2020<br \/>\n<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist ja alles nicht wahr, was auf Fotografien suggeriert oder behauptet wird. Als Zeitzeugen sind wir in der Lage zu korrigieren. 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