{"id":1452,"date":"2018-09-06T17:53:50","date_gmt":"2018-09-06T15:53:50","guid":{"rendered":"http:\/\/ruth23weber.de\/blog\/?p=1452"},"modified":"2018-09-07T17:00:54","modified_gmt":"2018-09-07T15:00:54","slug":"fotografie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/fotografie\/","title":{"rendered":"Fotografie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1455\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-300x225.jpg 300w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-768x576.jpg 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-700x525.jpg 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-800x600.jpg 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort-80x60.jpg 80w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/2017Tatort.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-399\" src=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent.png\" width=\"800\" height=\"1\" srcset=\"https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent.png 800w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-150x1.png 150w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-300x1.png 300w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-768x1.png 768w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-700x1.png 700w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-482x1.png 482w, https:\/\/ruth23weber.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/trennlinie_transparent-80x1.png 80w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/p>\n<p>Milliarden von Fotos schwirren durch die Welt. Nicht Milliarden, sondern fast so viele wie die Sandk\u00f6rner in den W\u00fcsten. Es lohnt sich, ein jedes Sandkorn unter dem Mikroskop anzuschauen. Ist es ein Millionen Jahre altes Quarzkorn, ein Feldspat, ein Korund, ein fossiles \u00dcberbleibsel, eine Foraminifere aus einem fernen Urmeer? Lohnt es sich auch, einen Blick auf die Fotografien der Bilderw\u00fcste zu werfen? So k\u00f6nnte jeder Mensch jederzeit jedes Bild betrachten. Theoretisch ja. Aber praktisch nicht, es muss eine lebensnotwendige Selektion geben.<br \/>\nWenn Fotografie durch ihr momenthaftes Lichtwesen verg\u00e4nglich ist, sind wir gerettet \u2013 die Bilder verschwinden wieder, so wie sie aufgetaucht sind. Aber leider ist nur der Augenblick des Fotografierens verg\u00e4nglich. Das Ergebnis bleibt, zumindest f\u00fcr ein paar Jahrzehnte: Als Abzug oder Lichtbild, digitale Datei. Seit ich digital fotografiere, drucke ich nur wenige Bilder aus. Statt dessen existieren Riesendatenbanken auf dem PC oder in der Cloud. Die Abz\u00fcge auf Papier erhalten sich allerdings besser als die Dateien. Ich besitze alte Fotografien der Familie, die zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert sind.<\/p>\n<p><em>Instagram<\/em>, eine Plattform f\u00fcr Tausende von Fotografen \u2013 <em>Pinterest<\/em>, auch eine Plattform f\u00fcr Tausende von Fotografen. Diese Plattformen sind Zeitr\u00e4uber, da man angesaugt wird von Bild zu Bild. Eine Auswahl trifft man als Individuum in jedem Fall, daher ist es vielleicht doch nicht so tragisch, \u00ad\u2013 und im n\u00e4chsten Moment sind die gesehenen Bilder dank sch\u00fctzender Funktionen unseres Gehirns vergessen .<br \/>\nDie moderne professionelle Fotografie ist so h\u00e4sslich \u2013 sensationsheischend, \u00fcberscharf, \u00fcbergrell, in hohen Kontrasten, als k\u00f6nnten die Augen keine Zwischent\u00f6ne mehr sehen, als g\u00e4be es keine Wahrnehmung mehr f\u00fcr \u00dcberg\u00e4nge, verhaltene Farben und Halbschattent\u00f6ne.<br \/>\nIhre Motive sind ebenso h\u00e4sslich, weil das \u00dcbertriebene stets dominiert: der riesige Abgrund, die riesige H\u00f6he, die riesige Entfernung, die riesige N\u00e4he, der riesige Kontrast zwischen extremem Vordergrund und unendlicher Ferne. Flug, Sturz, Tempo, Jagd, spritzende Fl\u00fcssigkeit, vernebelnde Staubwirbel und das alles eingefroren auf Nanosekunden. Exorbitanz hei\u00dft das Wort. Besonders treffende Beispiele f\u00fcr diese Wahrnehmungscodes sind die <em>Red Bull<\/em> Publikationen oder Abbildungen in Fachmagazinen der Fotofirmen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist die Arbeit von fotografierenden K\u00fcnstlern wesentlich wichtiger.<br \/>\nEine K\u00fcnstlerin sammelt alle fotografischen Bilder, die den von ihr gemachten \u00e4hnlich sind. Daraus macht sie etwas Neues, quasi einen Haufen aus Bildern. Ein anderer K\u00fcnstler traut dem behaupteten, dokumentarischen Gehalt der Fotografie nicht und untersucht und ver\u00e4ndert gefundene Fotos durch Bearbeiten mit Computerprogrammen, bis die Bilder zu seinen geworden sind und sich von dem, was sie behaupten, entfernt haben oder sich einer anderen Wahrheit n\u00e4hern. Schon zu meiner Studienzeit kannte ich einen K\u00fcnstler, der weggeworfene Fotografien sammelte, die er auf der Stra\u00dfe fand, besonders in der N\u00e4he von Passfotoautomaten.<br \/>\nSo hat auch eine sehr bekannte Vertreterin der sogenannten \u00abInszenierten Fotografie\u00bb einen Auftritt bei <em>Instagram<\/em>, wo sie au\u00dfer ihrer Fotokunst weitere, eher private Bilder postet. Man nimmt an dem teil, was sie von ihrem pers\u00f6nlichen Leben und ihrer Anwesenheit in der Mode- und Glamourwelt bekannt geben will. Es bleibt abzuwarten, ob das ihrer Arbeit schadet oder diese weiterbringt.<br \/>\nF\u00fcr eine weitere K\u00fcnstlerin ist Fotografie ein Medium, mit dem sie, anders als mit Worten, eine Beobachtung transformieren kann. Die Beobachtung wird fotografiert, weil diese sie zum Staunen gebracht hat. Sie schneidet dann aus den gesammelte Ansichten den Nucleus heraus oder findet ihn durch den gl\u00fccklichen Augenblick schon fertig vor.<\/p>\n<p>Alle Bilder sind schon gemacht \u2013 aber trotzdem ist jedes neue Foto einzigartig, durch Zeit, Ort und Individuum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Milliarden von Fotos schwirren durch die Welt. Nicht Milliarden, sondern fast so viele wie die Sandk\u00f6rner in den W\u00fcsten. Es lohnt sich, ein jedes Sandkorn unter dem Mikroskop anzuschauen. Ist es ein Millionen Jahre altes Quarzkorn, ein Feldspat, ein Korund, ein fossiles \u00dcberbleibsel, eine Foraminifere aus einem fernen Urmeer? 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